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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Er beißt sich durchs Leben

In jedem Steinmarder steckt ein kleiner Zerstörer. Immerhin vergreift er sich nur zu gern am liebsten Kind der Deutschen, dem Auto. Aber er hat noch mehr auf Lager ...

Zerbissene Zündkerzenkabel, Kühlwasser- und Bremsschläuche: Über derartige Defekte müssen sich immer wieder zahllose Autobesitzer ärgern. Nicht nur, dass die Reparatur solcher Schäden Geld kostet, nein, so ein perforierter Bremsschlauch kann auch gefährlich werden. Wobei es tatsächlich nicht im Sinne des Steinmarders ist, uns Menschen in Gefahr zu bringen. Er kann nur irgendwie nicht anders …

Als in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren erste Fälle von solch ruinierten Motorenteilen bekannt wurden, nahm man vielfach an, dass die Restwärme des Motors oder der Eigengeruch eines Neuwagens die Tiere anlocken würde. Manche glaubten auch, dass Marder im Motorraum eines PKW Schutz vor Hunden suchen würden. Mittlerweile sind Verhaltensforscher anderer Meinung und tendieren dazu, das ausgeprägte Revierverhalten von Steinmardern als Grund für das Zerbeißen der Schläuche und Kabel anzusehen.

Hier ist mein Reich!
Der Steinmarder (Martes foina) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder und zählt zur Gattung der Echten Marder. Bei dieser in Mitteleuropa am häufigsten vorkommenden Art handelt es sich um stark territoriale Tiere, die ihr Revier mit dem Sekret von Duftdrüsen markieren, um es zumindest gegen gleichgeschlechtliche Kontrahenten zu verteidigen. Da die meisten Kabelbisse im Frühsommer registriert werden, dann also, wenn die Paarungszeit bevorsteht und die Männchen aggressiver werden, ist ein Zusammenhang plausibel.

Eine besonders intensive »Beißwut« tritt dann auf, wenn der Autofahrer etwas tut, was den Steinmarder fast blind werden lässt vor Frust: Er parkt sein (längst mit dem Duft von Marder A markiertes) Auto im fremden Revier von Marder B, womöglich noch über Nacht! Das ist für einen nachtaktiven, hungrigen Einzelgänger, der sich eigentlich nur entspannt auf den Weg durch sein Terrain machen möchte, um Nahrung zu suchen, eine Provokation sondergleichen! Da vergeht sogar dem opportunistischen Allesfresser der Appetit!

Frust macht hungrig
Nun, aber jener Appetit kommt auch schnell wieder zurück, nachdem der »Job des Markierens« erledigt wurde. Schließlich ist ein Steinmarder ständig auf der Suche nach Mäusen oder anderen Nagetieren, Kaninchen, Fröschen, Vögeln sowie Insekten. Über Sommer erweitert er seinen Speiseplan dann gern um Beeren, Früchte und Obst. Selbst Eier sammelt er, um sie als Vorrat anzulegen. Zum Leid vieler Tierhalter dringen Steinmarder auch mit größtem Vergnügen in Hühnerställe und Taubenschläge ein, wo sie nicht selten ein wahres Gemetzel veranstalten: Durch das panische Umherflattern der Vögel wird nämlich ihr Tötungsreflex immer wieder ausgelöst, sodass sie alle Tiere töten müssen, auch wenn sie nur eines oder zwei davon fressen.

Macht er denn alles verkehrt?
Als einziger Vertreter der Echten Marder ist der Steinmarder kein ausgesprochener Waldbewohner. Er bevorzugt offeneres Gelände – und er hat die Scheu vor uns Menschen fast vollständig abgelegt. So hält er sich gern in Parkanlagen, Scheunen oder auf Dachböden auf. Daher auch sein Beiname Dachmarder oder Hausmarder. Und was tut er auf Dachböden und in den abgelegendsten Häuserwinkeln? Richtig: Lärm machen und Unruhe stiften!

Wer sich seines »ungebetenen Hausgastes« entledigen möchte, sollte wissen, dass der Marder dem Jagdrecht unterliegt und von Privatpersonen nicht einfach getötet, wohl aber vertrieben werden darf. Und das geschieht am sinnvollsten dadurch, dass man alle – jawohl, alle – Schlupflöcher narrensicher verschließt, sobald sich der Steinmarder wieder auf nächtliche Tour begibt.

Woran Sie erkennen, dass Sie einen Steinmarder als Untermieter haben? Ganz einfach: Diese Pelzträger haben im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, den Baummardern, kein rötliches, sondern graubraun gefärbtes Fell, warme, Vertrauen erweckende Knopfaugen, eine helle Nase, dazu unbehaarte Fußsohlen und einen weißen, gegabelten Kehlfleck. Auch ist der Steinmarder mit seiner Körperlänge von 40 bis 54 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 22 bis 30 Zentimetern etwas kürzer, aber dafür mit ein bis zweieinhalb Kilogramm schwerer und nicht ganz so flink wie sein Verwandter.

Aber wie so oft im Leben kann das nette Äußere täuschen. Erinnern Sie sich an die Geschichte vom Wolf im Schafspelz …  chris

Steinmarder streifen selbstbewusst durchs offene Gelände.
Der Blick sagt: Ich kann kein Wässerchen trüben.