Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
Meine Gesundheitsapotheke
Ein goldiges Kerlchen
Kleines Tier, große Ansprüche: Wer glaubt, dass Goldhamster perfekte »Einsteigertiere« für kleine Kinder sind, der täuscht sich leider.
Die Anschaffung eines Hamsters will gut überlegt sein. Denn auch wenn es sich um ein eher winziges Tier handelt, so stellt es deutliche Ansprüche an seine Haltung, sein Futter und sein Recht auf ein wenig »persönliche Freiheit«.
Hamster werden nach ihrer Größe unterschieden und in Großhamster (Feldhamster), Mittelhamster und Zwerghamster unterteilt – wobei der syrische Goldhamster die ursprünglichste Version der mittelgroßen Hamster ist, die bei uns in der Heimtierhaltung zu finden sind. Seine Urahnen lebten in den Steppenlandschaften und Halbwüsten Nord-Syriens. Da das Verbreitungsgebiet der wild lebenden Goldhamster (Mesocricetus auratus) extrem klein ist, hat die Weltnaturschutzorganisation IUCN sie auf die Liste der bedrohten Tiere gesetzt.
Nichts für Ahnungslose!
1931 wurden die ersten Hamster von Syrien aus nach England verschifft. 1938 trafen sie in den USA ein, von wo aus sie 1948 dann nach Deutschland kamen. Seitdem sind sie vom Kleintiermarkt nicht mehr wegzudenken. Aber ihre possierliche Fassade täuscht, denn am Kuscheln haben sie herzlich wenig Interesse.
Eine artgerechte Hamsterhaltung ist eine kleine Wissenschaft für sich. Auch wenn jetzt viele enttäuscht sind: Aber Hamster sind alles andere als unkomplizierte Spielgesellen fürs Kind. Hamster sind nämlich meist nur spätabends und nachts aktiv und das auch nur für kurze Zeit. Wer nun meint, sie einfach nach Lust und Laune tagsüber aufwecken zu dürfen, um sie zu streicheln, wird manches Mal derbe enttäuscht werden: Es kann durchaus vorkommen, dass sie mit ihren kleinen Zähnchen kräftig zubeißen.
Hinzu kommt, dass Hamster wegen ihrer geringen Größe (15 bis 18 Zentimeter bei gerade einmal 150 Gramm Körpergewicht) und Zerbrechlichkeit sowieso keine Streicheltiere im herkömmlichen Sinne sind, geschweige denn, dass sie jemals so richtig zahm und menschenbezogen werden. Außerdem bevorzugen sie ein Leben als Einzeltier, was für viele von uns eine unschöne Vorstellung ist. Und so kommt es, dass einige Hamster-Fans einfach doch versuchen, zwei oder mehrere Hamster zusammenzustecken – nicht selten mit fatalen Folgen. Aber auch dann, wenn alles gut geht, liegt ihre Lebenserwartung bei nur zwei bis drei Jahren.
Bitte nicht vermenschlichen
Goldhamster sind sowohl in freier Wildbahn als auch als Heimtier reine Einzelgänger! Lediglich während der Paarung »ertragen« sie Gesellschaft. Besonders erwachsene Weibchen reagieren extrem aggressiv auf Artgenossen, was selbst für ihre eigenen Nachkommen gilt. Spätestens wenn die Geschlechtsreife abgeschlossen ist, müssen Hamster getrennt werden, da sie sich sonst starke Revierkämpfe liefern, bei denen der unterlegene Hamster getötet wird.
Auch wenn ein Hamster das Alleinsein wünscht, so sehnt er sich dafür nach viel Action in seiner Behausung. Denn er hat jede Menge Hobbys: auf Futtersuche gehen, klettern, buddeln, Tunnelsysteme bauen und Verstecken spielen. Ja, das macht einen Hamster glücklich. Und mit ein wenig Hamster-Verstand gelingt es recht mühelos, ihn zufriedenzustellen. Verstecken Sie einfach ein paar Obst- und Gemüsestückchen in seinem Käfig, auf einem seiner Ausguckplätze zum Beispiel. Um seine Leidenschaft für Tunnel und Höhlen zu befriedigen und seinem Verlangen, zeitweise unterirdisch leben zu können, nachzukommen, genügt es, verschieden große Papprollen und etwas Heu in seinen Käfig zu legen. Daraus baut er sich die tollsten Gänge und Höhlen!
Was seinen Drang nach Bewegung betrifft, so sollten Sie ihn am besten unter Beobachtung frei in der Wohnung laufen lassen. Laufräder, geschweige denn die so genannten Laufkugeln sollten jedenfalls auf Dauer kein Ersatz für Freigang sein!
Mit wenig viel erreichen
Für ein möglichst langes, gesundes Hamsterleben kann niemand garantieren. Aber mit einem großen, hellen und geräumigen Käfig mit Schlafhäuschen, Kletterplätzen und Flächen zum Ausruhen ist der erste Schritt getan. Täglich frisches Trinkwasser sowie ein ausgewogenes Maß an Trocken-, Grün- und Saftfutter und ein gewisser Prozentsatz an Lebendfutter (beispielsweise Mehlwürmer, kleine Grillen oder Heimchen) tun ihr Übriges.
Und wenn Ihnen das Gesichtchen Ihres Hamsters einmal ungewöhnlich breit vorkommt – keine Panik: Dann hat der Kleine wohl seine Hamsterbacken randvoll! Auch diesen Ur-Instinkt teilt der Haus-Hamster mit seinen frei lebenden Kollegen: Es ist in der Natur ganz normal, dass ein Hamster in seinen großen Backentaschen jede Menge Getreide, Früchte, Kräuter und Sämereien sammelt, um sie in seine Speisekammer unter der Erde zu bringen – man weiß ja nie, ob nicht irgendwann schlechte Zeiten anbrechen … chris






