Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Die weis(s)e Herrin der Tundra
Tier und Mensch: Schnee-Eule
„Ah, Hedwig!“, werden jetzt viele Harry-Potter-Fans denken. Denn jeder mag sie, diese liebenswerte und dazu noch schlaue Schnee-Eule, die den Romanhelden bei jedem Abenteuer begleitet und ihm Morgen für Morgen die Post bringt.
Ja, das Interesse an Schnee-Eulen ist „seit Hedwig“ deutlich gestiegen. So manches Kind wünscht sich sogar solch ein schneeweißes „Kuscheltier“ für zu Hause. Ein Wunsch, der leider nie in Erfüllung gehen kann, da Schnee-Eulen – wie alle anderen Eulenarten auch – in die freie Natur gehören. Es sind Wildtiere, die hohe Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Die Haltung in einem kleinen Rundkäfig in der Wohnung erfüllt absolut nicht ihre Bedürfnisse!
Die Schnee-Eule gilt als der größte arktische Vogel und besiedelt das offene, übersichtliche Gelände der arktischen Tundra. In Europa kommt sie auf Island, in Skandinavien (Norwegen und Schweden), Finnland und Nordrussland vor.
Minus 17 Grad – kein Problem
Wie kaum eine andere Vogelart haben sich Schnee-Eulen an das Leben in extrem kalten Regionen angepasst. Das – abgesehen von ein paar dunklen Punkten auf den Flügeln – nahezu komplett weiße Gefieder der Männchen sowie das deutlich stärker schwarz gepunktete Gefieder der (außerdem sogar größeren) Weibchen dient in den von Felsen durchbrochenen Schneelandschaften der Tundra als perfekte Tarnung: Das Weibchen ist beim Brüten am Boden fast unsichtbar, und das Männchen kann unbeobachtet über den Schneefeldern auf die Jagd gehen.
Einen Grund zum Frieren hätte die Schnee-Eule nur dann, wenn sie nicht über das dichteste und längste Gefieder aller Eulenarten verfügen würde! Selbst die Füße sind bis zu den Spitzen ihrer Krallen mit wärmenden Federn umgeben, um der extremen Kälte ihres Lebensraumes zu trotzen. Hinzu kommt ein Phänomen, das unter Eulen einzigartig ist: Schnee-Eulen können Körperfett speichern. Auf diese Weise können sie auch in harten Wintern überleben, wenn durch Nebel oder starke Schneestürme eine Jagd oftmals gar nicht möglich ist.
Lemminge bevorzugt!
Der Bestand der Schnee-Eule in der freien Natur unterliegt starken Schwankungen, die in Abhängigkeit zum Vorkommen der Lemminge stehen. Schließlich ernähren sich Schnee-Eulen zu 85 Prozent von Lemmingen und anderen Wühlmäusen, „zur Not“ erbeuten sie aber auch Schneehasen sowie Vögel bis zur Größe einer Ente. Na ja, für jemanden, der mit der Flügelspannweite eines Uhus (140–160 Zentimeter) ausgestattet ist, ist das ja auch kein Problem.
Im Übrigen ist die Schnee-Eule kein typisches „Nachttier“. Sie ist tag- und dämmerungsaktiv, jagt allerdings im Winter auch bei Nacht.
Ganz schön weise
Was die Lebenserwartung von Schnee-Eulen betrifft, liegen zwischen einem Leben in Freiheit und dem in Gefangenschaft Welten. Wird das Tier in freier Wildbahn etwa 10 bis 15 Lenze alt, kann ein Tier im geschützten Umfeld wie zum Beispiel in Zoo oder Tierpark bis zu 30 Jahre alt werden.
Unabhängig von ihrem Alter gelten Eulen als weise. Schon in der Antike sah man in ihr die „Hüterin des Wissens“. Gern wird daher heute noch die Eule als Symbol der Weisheit mit Doktorhut und Talar oder auf Büchern sitzend dargestellt und von Schulen, Universitäten, Buchhandlungen und vielen anderen Gewerben als Emblem verwendet.
Hopphopp, raus aus dem Nest!
Die Schnee-Eule brütet vorwiegend in nordischen Fjälls und Tundren. Nur in Jahren, in denen die Anzahl an Lemmingen stark sinkt, weicht sie invasionsartig in südliche Richtung aus und kommt dann gelegentlich bis nach Mitteldeutschland und in die Niederlande.
Da Schnee-Eulen außerhalb der Brutzeit ein Leben als Einzelgänger führen, findet jedes Frühjahr aufs Neue eine Paarbildung statt. Als Bodenbrüter sucht sich das Schnee-Eulen-Weibchen eine erhöhte, trockene und windgeschützte Stelle, wo sie eine Mulde scharrt. Meist beginnt sie in der zweiten Maihälfte mit der Eiablage. In der Regel besteht das Gelege aus sechs bis neun Eiern. Und nach dem Schlüpfen wird nicht lange gefackelt: Schon im zarten Alter von acht Wochen können die Jungen ausdauernd fliegen und beginnen, selbst Beute zu schlagen.
Ob Harry Potters „Hedwig“ das auch so schnell hinbekäme mit dem Großziehen der Jungen? Aber Moment mal, ist das Gefieder dieser Schnee-Eulen-Dame nicht fast weiß
? chris





