Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Die Kommissarin im Kopf
Interessante Berufe: Krimiautorin
Was man für ihren Beruf mitbringen muss? „Disziplin. Und Sitzfleisch“, antwortet Eva Almstädt spontan. „Und es ist auch sehr, sehr nützlich, wenn man Kritik ertragen kann.“ Diese drei Eigenschaften besitzt die ehemalige Raumausstatterin und Innenarchitektin zur Genüge – sonst wäre aus ihr vermutlich kaum eine der erfolgreichsten und beliebtesten Krimischriftstellerinnen Schleswig-Holsteins geworden.
Vor acht Jahren erfand Eva Almstädt die Lübecker Kriminalkommissarin Pia Korittki und schreibt seither jedes Jahr einen neuen Band über die groß gewachsene Ermittlerin mit der Vorliebe für scharf gewürzte Bloody Marys. Ein Ende der Erfolgssträhne ist nicht abzusehen: Der Verlag Lübbe, der sie betreut, hat Eva Almstädt schon bis ins Jahr 2011 verpflichtet.
Sich einen Traum erfüllen
Dabei hatte die sympathische Schriftstellerin aus Hamburg zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Ihre Eltern besaßen ein kleines Möbelgeschäft, und so erlernte Eva Almstädt nach dem Abitur zunächst den Beruf der Raumausstatterin. Zur Vertiefung ihrer Kenntnisse schloss sie ein Innenarchitekturstudium an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover an.
„Eine Zeit lang war ich auch für die Studio-kulissen von bekannten Fernsehserien wie Die Schwarzwaldklinik und Die Bertinis zuständig“, erinnert sich die Zweiundvierzigjährige an die Innenaufnahmen der Produktionen im Studio Hamburg. „Es gab aber auch anstrengende und stressige Zeiten als Küchenplanerin, wo ich unter enormem Erfolgsdruck stand.“ Zeiten, die sie als junge Mutter nicht wieder erleben wollte.
So beschloss Eva Almstädt nach ihrer Heirat und den Geburten der beiden Kinder – sie sind heute neun und elf Jahre alt –, sich einen Traum zu erfüllen: Sie wollte Krimischriftstellerin werden. „Schon zu Schulzeiten hatte ich zaghafte Versuche unternommen zu schreiben“, erzählt sie lächelnd. Weil sie damals mit ihren Texten nicht zufrieden war, sollte es nun, im Alter von 35 Jahren, richtig professionell losgehen.
Das Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ des Autors James N. Frey stand am Anfang ihrer „Ausbildung“ zur Krimiautorin. Hier fand sie viele hilfreiche Tipps und Anregungen, die sie sich im besten Sinn zu Herzen genommen hat. „Der Mann bringt die wichtigsten Dinge beim Schreiben auf den Punkt“, sagt sie, die inzwischen mit ihrer Familie in Hammoor bei Bargteheide lebt.
Damals hatte sie zufällig eine waschechte Kommissarin kennengelernt, und so reifte rasch der Entschluss, einen „Plot“, wie Schriftsteller sagen, also eine Geschichte um eine junge, ehrgeizige Kommissarin zu entwickeln.
Gesagt, getan. Nachdem die junge Mutter ihr erstes Baby abends schlafen gelegt hatte, setzte sie sich anschließend noch für ein, zwei Stunden an den Rechner, um ihren ersten Pia-Korittki-Fall niederzuschreiben. „Erst mal heimlich“, erinnert sich Eva Almstädt lachend. „Außer meinem Mann wusste lange keiner, was ich abends tat. Ich fand es einfach blöd zu sagen: Ich schreibe einen Roman.“
Schon nach sechs Wochen eine Zusage
Eine ehemalige Schulfreundin, inzwischen Richterin, war die erste Leserin von „Kalter Grund“, so der Titel des ersten Romans. Und sie war gnadenlos in ihrem Urteil. „Im Prinzip fand sie es klasse. Die vielen Kleinigkeiten, die sie gestört hatten, änderte ich“, erinnert sich Eva Almstädt. „Da darf man nicht zimperlich oder eitel sein.“
Was der Schriftstellerin dann widerfuhr, davon träumen Generationen von Autoren vergebens: Bereits sechs Wochen, nachdem sie ihren Text an verschiedene Buchverlage verschickt hatte, meldete sich der Lübbe Verlag – mit einer Zusage; wenige Wochen später bekam sie zwei weitere Zusagen, die sie ablehnen musste.
Pia Korittki war geboren und eine erfolgreiche Krimischriftstellerin gleich dazu. Eine, die ihren neuen Beruf von Herzen liebt. „Undenkbar, dass ich irgendwann aufhören würde, Krimis zu schreiben“, strahlt sie. Dazu ist ihr neuer Alltag auch viel zu interessant. Denn Eva Almstädt ist eine Autorin, die viel Wert auf Recherche legt, die mit Menschen spricht, sich exakt darüber informiert, was sie schreibt und beschreibt.
Eine Expertin für Notausgänge
„Für den Roman Engelsgrube, in dem ein Lübecker Parkhaus eine wichtige Rolle spielt, habe ich eigens die Treppenstufen gezählt, die Höhe der Brüstung nachgemessen und den Parkhauswächter nach Überwachungskameras gefragt“, berichtet sie. Nach einem langen Recherchegespräch mit einer Mitarbeiterin der Aidshilfe bekam Eva Almstädt nach dem Erscheinen des Romans einen Anruf, der sie noch heute amüsiert. „Die Frau wollte sich dafür bedanken, dass ich sie im Buch in der Danksagung erwähnt hatte – keine Minute hatte sie mir während unseres Gesprächs geglaubt, dass ich Schriftstellerin bin
“
Inzwischen hat sich Eva Almstädt nebenbei auch zur Expertin für Notausgänge entwickelt. „In jedem Café, in jedem Hotel frage ich erst mal nach den Notausgängen“, grinst sie. „Ich muss doch verschiedene Fluchtmöglichkeiten für meine Figuren kennenlernen, um sie beschreiben zu können.“
Danach gehts ans Eingemachte
Jeden Morgen, wenn sie die Kinder zur Schule geschickt hat, setzt sich die Autorin mit einer Thermoskanne Kaffee an den Schreibtisch. Brütet jeweils zehn Wochen über einem neuen Plot und der Entwicklung der Figuren, mit denen es Pia Korittki zu tun haben wird. „Harte Arbeit“, befindet Eva Almstädt. „Am meisten Spaß habe ich beim Schreiben der ersten Fassung, der Rohfassung.“ Auch diese Zeit umfasst zehn Wochen.
Danach gehts ans Eingemachte: Während der folgenden Korrekturdurchgänge werden schließlich Handlungsebenen verändert, Formulierungen verbessert, wird an Dialogen gefeilt. Und natürlich streicht sie auch jede Menge Sätze. „Uneitel zu sein“, sagt sie, „hilft in meinem Beruf enorm.“
jank








