Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Die geheimnisvolle SMS
Vorlesegeschichte
Carlotta, Onur, Olli und Paula – seit die vier damals im coop-Supermarkt durch Aufmerksamkeit und schnelles Handeln einer alten Dame das Leben gerettet haben, sind sie überall als die „coop-Kids“ bekannt und haben gemeinsam viel erlebt. Doch zum ersten Mal ist Paula richtig enttäuscht von ihren Freunden. Morgen ist ihr Geburtstag, aber keiner hat Zeit, mit ihr zu feiern.
Es ist schon blöd genug, ausgerechnet am 23. Dezember Geburtstag zu haben, aber wenn dann noch nicht mal die besten Freunde daran denken und sich keiner diesen Tag frei hält
Wütend und traurig schießt Paula eine Socke weg, die auf dem Boden liegt und lässt sich auf ihr Bett fallen.
Ihr Handy bimmelt – eine SMS, wie sie am Klingelton hören kann.
Ihr könnt mich alle mal
, denkt sie mürrisch und bleibt liegen. Aber nach kurzer Zeit siegt die Neugier.
„19.00 Uhr, Gartenhaus. Kein Wort zu irgendjemand, sonst passiert was. Komm allein.“
Noch während Paula darüber nachdenkt, ob sich da jemand in der Nummer vertippt hat oder ob das einfach nur ein blöder Scherz sein soll, kommt die nächste SMS.
„Vermisst du was? Oder jemanden? Denk dran, kein Wort, sonst
“
Jetzt wird es Paula doch etwas mulmig im Magen. Angestrengt denkt sie nach. Was kann damit bloß gemeint sein, wen oder was sollte sie denn vermissen? Mit dem Gartenhaus kann ja wohl nur das Clubhaus gemeint sein, das kleine Häuschen im Garten ihrer Großeltern.
Plötzlich durchfährt sie ein eisiger Schreck – die Großeltern! Mit zitternden Fingern wählte sie die Telefonnummer
Keiner nimmt ab. Dabei essen Oma und Opa immer um diese Zeit zu Mittag, sie müssten also zu Hause sein.
Was mach ich denn jetzt bloß?, denkt Paula besorgt. Sie will ihrer Mutter alles erzählen, doch dann fällt ihr die Warnung ein: „Kein Wort ... sonst passiert was“.
Paula weiß, dass das gefährlich werden kann, aber ihr bleibt keine Wahl: Sie muss um 19.00 Uhr am Gartenhäuschen erscheinen. Vorsichtshalber schreibt sie einen Brief, in dem sie alles erklärt. Den will sie so hinlegen, dass ihre Mutter ihn schnell – aber auch nicht zu schnell – finden kann.
Dann tigert sie ruhelos in ihrem Zimmer hin und her. Es scheint, als wäre die Zeit noch nie so langsam vergangen.
Um halb sieben steckt ihre Mutter den Kopf zur Tür rein. „Papa und ich gehen heute ins Kino“, sagt sie. O nein, so ein Mist!, denkt Paula, aber sie sagt nichts.
Kaum sind ihre Eltern weg, zieht sie sich an. Draußen ist es eisig kalt. Kleine Schneeflocken tanzen vor ihrem Gesicht, rundherum ist alles weihnachtlich erleuchtet und es riecht so gut. Paula wird ganz flau im Magen – was wird wohl geschehen?
Im Haus der Großeltern ist es dunkel, und auch in ihrem Gartenhäuschen rührt sich nichts. Mit klopfendem Herzen schleicht Paula durch den Garten. Die Zweige der Bäume erscheinen ihr wie schaurige Gestalten, und sie hat das Gefühl, dass gleich jemand aus dem Gebüsch springt.
Zögernd greift sie nach der Türklinke
drückt sie langsam hinunter
öffnet die Tür ein kleines Stückchen
Da wird sie ihr aus der Hand gerissen, das Licht geht an und viele Stimmen rufen: „Über-ra-schung!“
Paula lacht – alle sind gekommen, um mit ihr in ihren Geburtstag hineinzufeiern.
Catrin Liebscher




