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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Dickköpfige Briten mit Kultstatus

Shetlandponys gehören wohl zu den bekanntesten Pferderassen überhaupt. Robustheit,, Vielseitigkeit und ein enormer Dickschädel zeichnen die Kleinen aus.

Was ein Shetty nicht will, will es nicht. Da hilft auch kein Ziehen und kein Zerren. Manches Mal kann die eine oder andere Möhre dazu beitragen, seine Meinung zu ändern. Wie gesagt: manchmal ...

Wenn ein Shetty, wie das Shetlandpony auch häufig liebevoll genannt wird, jedoch Spaß und Lust an einem Miteinander mit seinem Besitzer hat, stehen diesem Team alle Türen der Reit- und Kutschwelt offen. Vor allem Kinderherzen erobert ein Shetty im Sturm, aber auch zahlreiche erwachsene Ponyfans finden großen Gefallen an den flexiblen Einsatzmöglichkeiten dieses kurzbeinigen Vierbeiners, der im Idealfall gerade mal einen Meter misst.

Standhaft auch bei Windstärke zwölf

Das Shetlandpony stammt ursprünglich aus Großbritannien, genauer gesagt von den Shetlandinseln, 150 Kilometer nördlich von Schottland. Dort herrscht ein raues Klima mit kräftigen Wetterwechseln. Dank dieser extremen Wetterverhältnisse sind Shetlandponys recht robust und können selbst im größten Sturm und strengsten Winter im Freien bleiben. Ihr dickes Winterfell mit seiner dichten und weichen Unterwolle sowie der eher drahtigen Oberschicht schützt sie vor Kälte und Nässe und beschert ihnen dieses unnachahmliche Aussehen eines zotteligen Kuscheltiers, das besonders Kinder so unglaublich begeistert.

Achtung: Figurprobleme

Während man im Winter ein wuscheliges Etwas vor sich hat, bei dem man kaum weiß, wo vorn und hinten ist, ist das Fell der Shettys im Sommer kurz – und bringt die eigentliche Figur zutage. Oft leider sehr zum Schrecken vieler Besitzer, denn Shettys sind von Natur aus ausgesprochen leichtfuttrige Tiere, das heißt, sie verwerten selbst karges Futter mit geringem Nährwert enorm gut. Und das führt bei aller – falsch verstandener – Fürsorge und dem damit verbundenen Wunsch, immer etwas Schönes zum Fressen anzubieten, schnell zum Verlust einer »Bikinifigur«. Wer ein Shetlandpony besitzt, muss sehr darauf Acht geben, dass es schlank bleibt. Das Wohlstands-Übergewicht schadet der Gesundheit und zieht oft Krankheiten nach sich.

Die rauen Sitten sind vorbei

Im 19. Jahrhundert wurden die kleinen Ponys in England vor allem in Kohleminen genutzt. Ihre große Kraft und die kleine Statur ermöglichte es ihnen, die Kohlewagen durch die niedrigen Stollen zu ziehen. Aber auch die Bauern fanden Verwendung für die kleinen, ausgesprochen ausdauernden und zähen Pferdchen als Pack-, Zug- und Reittiere. Heute erfreuen sich die robusten Ponys als Reitpferde für Kinder sowie als Fahrpferde großer Beliebtheit.

Ein laufender Meter

Doch nicht nur ihre Flexibilität macht sie so beliebt, nein, es ist auch ihr unverwechselbares Erscheinungsbild. Die Körperhöhe des Shettys, das so genannte Stockmaß, liegt im Schnitt bei 95 bis 102 Zentimetern, geduldete Obergrenze sind 107 Zentimeter; perfekt wäre laut der Züchter aber ein exakter Meter. Neben den »normalen« Shettys gibt es noch das Minishetty mit 87 Zentimetern Widerrist-Höhe.

Was die Färbung des Fells anbelangt, so sind zwar alle Farben erlaubt, in vielen Zuchten jedoch werden »bunte« Pferde wie Rapp- und Fuchsschecken bevorzugt. Allen Shetlandponys gemein ist aber der kleine Kopf mit seinem fein geformten Maul und den großen, aufmerksamen Augen, der kurze und kräftige Hals sowie die ebenfalls kurzen und kräftigen Beine. Aufgrund ihrer Robustheit können manche Shetlandponys sogar bis zu 40 Jahre alt werden.

Wer ist hier der Chef?

Shettys sind außerordentlich aufmerksam, intelligent und lernbereit. Aber, oder vielleicht gerade deswegen, langweilen sie sich schnell und fangen an, Unsinn zu machen. Wehe demjenigen, der nicht genug Strom auf den Koppelzaun geladen hat oder der den Riegel seiner Stalltür nicht ordnungs- beziehungsweise Shettygemäß geschlossen hat! Sie sind wahre Meister im Ausbüxen!

Außerdem haben sie den für Ponys ganz typischen Eigenwillen und sind extrem stur. Deshalb braucht der Besitzer eines solchen Ponys unbedingt eine liebevolle, aber konsequente Hand und sein Schützling das nötige Maß an Erziehung und Respekt. Denn wenn es erst einmal herausgefunden hat, dass es einen Schwächeren in der Mensch-Pony-Beziehung gibt, wird es demjenigen ganz schön auf der Nase herumtanzen. Und dann reicht vielleicht keine Überzeugungs-Möhre mehr …    

chris

Die Freiheit genießen und dem Wetter trotzen - so mag es das Shetlandpony.
Klein, kleiner am kleinsten: Shettyfohlen sind wahre Herzensbrecher.
Shettys sind ideale Einsteigerponys für kleine Kinder. Aber bitte nie ohne Aufsicht!