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Dienstag, 07. September 2010
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Dickhäuter ohne dickes Fell.

Wegen ihrer beeindruckenden Intelligenz und imposanten Größe erregen Elefanten immer wieder Aufsehen.

Immense Körpergröße + Kraft = unsensibler Riese? Weit gefehlt. Denn das, was da so gemütlich schlendernd und Rüssel schwingend um die Ecke kommt, ist ein sehr soziales, feinfühliges Wesen, das zudem noch über einen hohen Intelligenzgrad verfügt und in einigen Regionen unserer Erde als heiliges Tier verehrt wird. Trotzdem stellten die Menschen eines Tages fest, dass diese Dickhäuter zu dressieren sind. Und so wurden aus vielen frei lebenden Giganten im Laufe der Zeit im Dienste der Menschen stehende Geschöpfe.

Auch wenn es sich bei dem Afrikanischen Elefanten um das größte Landtier der Erde handelt und der asiatische Kollege »nur« Platz zwei belegt, so ist letzterer immerhin das größte Landsäugetier Asiens.

Gleich um die Ecke.
Was den Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) für uns so »greifbar« nah werden lässt, ist die Tatsache, dass er sich im Gegensatz zu seinem afrikanischen Genossen leichter zähmen lässt. Dadurch avancierte er nicht nur zum Nutz- und Reittier, das ohne Anzeichen von Hektik durch die turbulenten Stadtzentren Indiens schaukelt, nein, er wurde gleichzeitig zu einem begehrten Exportschlager: Internationale Zirkusarenen und Zoos sollten weltweit sein neues Zuhause werden. Auch im Hamburger Tierpark Hagenbeck leben derzeit zwölf Asiatische Elefanten, womit diese Elefanten-Herde zu einer der größten in Europa zählt.

Zur Gattung des Asiatischen Elefanten gehören vier Unterarten, eine davon ist der Indische Elefant. Ihr Lebensraum umfasste einst sowohl den tropischen Regenwald als auch offenes Grasland, denn hier fanden sie all das, was sie zum Leben brauchten, vor allem ihre Nahrung – und das sind gute 150 Kilogramm Gräser, Blätter, Zweige und Baumrinden pro Tag. Dass wild lebende Elefanten heute fast nur noch in dichten Wäldern zu finden sind, hängt mit ihrer Verdrängung durch den Menschen zusammen. Und diese Verdrängung ist neben der Jagd nach Elfenbein einer der Gründe, warum die Internationale Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) den Asiatischen Elefanten als stark gefährdet einstuft.

Was hat er, was ich nicht hab’?
Unterschiedlich große Stoßzähne sind nicht das einzige Merkmal, das den Asiatischen vom Afrikanischen Elefanten unterscheidet: Beim Erstgenannten ist einiges kleiner, selbst die Ohren. Dennoch sind sie groß genug, als dass er mit ihnen durch kräftiges Wedeln seine Körpertemperatur geregelt bekommt. Des Weiteren hat er sowohl an den Vorder- als auch an den Hinterfüßen jeweils einen Zehennagel mehr, und er besitzt nur eine fingerartige Rüsselspitze anstelle von zweien. Zudem ist der bis zu 5.000 Kilogramm schwere Asiatische Elefant mit seiner Schulterhöhe von etwa drei Metern nicht ganz so hoch gebaut wie sein afrikanischer Gegenpart.

Was allerdings bei beiden Elefanten-Arten das Markenzeichen schlechthin ist, ist der wendige, lange Rüssel, ein Gebilde aus Oberlippe und Nase. Er dient nicht nur zum Atmen, Riechen, zum Hallo sagen, zum Drohen, zum Verteilen von Wasser und Staub auf dem Körper (die Pflege der sensiblen, empfindlichen Haut nimmt viel Zeit in Anspruch!) und zur Nahrungsaufnahme. Nein, auch als Schnorchel beim Freizeitvergnügen Nummer eins, dem Schwimmen, eignet er sich hervorragend. Außerdem lassen sich mit dem Rüssel nicht nur kleine Stöckchen zum Kratzen greifen, sondern auch gewaltige Baumstämme heben.

Ein Gedächtnis wie ein Elefant.
Vielen älteren Elefanten ist so etwas wie die »Weisheit des Alters« anzumerken. Kein Wunder, denn bei einer Lebenserwartung von etwa 70 Jahren kommt einiges an Erlebnissen und Erfahrungen zusammen. Das wird gespeichert und mal besser, mal schlechter verkraftet – denn wie so oft nehmen Lebewesen mit einer durchschnittlich höheren Intelligenz ihre Umwelt ganz anders wahr und reagieren sensibler. Elefanten sind zudem nicht nur in der Lage, genaue Relationen herzustellen zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und dem, was sie in ihrer Umwelt vorfinden, sie besitzen auch ein Ich-Bewusstsein, wie ein Spiegel- und Marker-Test in einem New Yorker Zoo ergab: Damit gehören Elefanten neben Primaten und Delfinen zu jener kleinen Gruppe von Tieren, die sich selbst im Spiegel erkennen.
Und wie kommen wir übrigens auf die Idee, einen ungeschickten Menschen mit einem »Elefanten im Porzellanladen« zu vergleichen? Denn der Elefant ist von Natur aus vorsichtig – solange er sich in seiner Haut wohlfühlt, wohlgemerkt … chris

Das größte Landtier der Erde: der Afrikanische Elefant.
Elefanten suchen mindestens einmal täglich eine Wasserstelle zum Trinken und Baden auf.
Im Tierpark Hagenbeck zu bestaunen: der Asiatische Elefant.