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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Da hat einer Bambusbären-Hunger!

Tier und Mensch: Pandabär

In China gilt der Panda als Nationalheiligtum. Und gerade weil es im Südwesten dieses Landes nur noch etwa 1600 wildlebende Bären dieser Art gibt, sollen ihn strenge Schutzmaßnahmen vor dem Aussterben bewahren.

Aufgrund seines auffallend gezeichneten schwarz-weißen Fells und seines friedlichen Wesens gehört der Pandabär, der auch als „Großer Panda“ oder „Bambusbär“ bezeichnet wird, zu den beliebtesten Tieren überhaupt – und das nicht nur in seinem Heimatland, sondern überall auf der Welt.

Leider ist es nur wenigen Menschen vergönnt, freilebende Pandabären (lat. Ailuropoda melanoleuca) in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können. Natürlich hilft ein Zoobesuch, den Panda aus der Nähe zu erleben, zum Beispiel in Berlin, aber es ist eben nicht dasselbe.

Verehrt – und doch bedroht
Der „Große Panda“ steht seit 1939 unter Artenschutz und wurde 1984 zusätzlich in die Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere aufgenommen.
Etwa 180 Pandabären leben heute in der „sicheren“ Umgebung moderner Zoos, und etwa 1600 in freier Natur, genauer gesagt in den sechs Bergregionen im Südwesten Chinas, wo sie sich in Höhenlagen zwischen 1500 und 4000 Metern bewegen.

Tragisch ist nur, dass durch die unaufhaltsame Zunahme der chinesischen Bevölkerung der Lebensraum der Pandabären immer kleiner wird. Die Bewohner weichen in die Bergwälder aus, holzen in großer Zahl Bambusbäume ab und verwandeln die frei gewordenen Flächen in Felder. Dies hat zur Folge, dass die Pandabären, die in freier Wildbahn leicht 12 bis 14 Jahre alt werden können, in die noch höheren Berglagen fliehen müssen und dort immer weniger Nahrung vorfinden. Da der Speiseplan eines Pandas zu 95 Prozent aus Bambus besteht, kann das grundlegende Problem klar formuliert werden:

Mehr Bambus für die Bären!
Im Jahr 1998 brachte die chinesische Regierung ein Gesetz he-raus, das der willkürlichen Abholzung der Bambuswälder ein Ende machte. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht der Weisheit letzter Schluss, denn auch die Tatsache, dass Bambus nur sehr langsam nachwächst, stellt ein Problem dar. Hinzu kommt, dass der Pandabär das ganze Jahr hindurch aktiv ist und nicht in den Winterschlaf fällt. Es gibt also keine „Fresspause“, in der die Pflanzen die Möglichkeit haben, nachzuwachsen. Etwa 20 bis 30 Kilogramm Bambus muss der Panda täglich zu sich nehmen, da sein Körper nur circa 20 Prozent dieser Menge verwerten kann.

Die liebe Verwandtschaft
Obwohl der Panda zur Familie der Bären gehört – und damit zugleich (eigentlich) ein Raubtier ist, verbinden ihn mit seinen Verwandten nur wenige Gemeinsamkeiten. Nehmen wir beispielsweise sein mäßiges Talent als Kletterer. Obwohl er etwas kleiner ist als ein Braunbär (der Panda hat eine Schulterhöhe von 75 – 85 Zentimetern, eine Körperlänge von etwa 170 Zentimetern und wiegt ungefähr 100 – 140 Kilogramm), ist er trotzdem wesentlich behäbiger, und das Erklimmen der Bäume macht ihm keine Freude.

Viel lieber sitzt der Panda an einen Baum gelehnt auf dem Erdboden und hält einen riesigen Strauch Bambus in den Vorderpfoten. Mehr als 14 Stunden pro Tag verbringt er auf diese Weise. Natürlich würde der Panda auch zu einem Stückchen Fleisch nicht nein sagen (immerhin steckt ja dieses Fünkchen Raubtier in ihm!), aber da er nicht nur ein lustloser Kletterer, sondern ein ebenso lustloser Jäger ist, müsste ihm das Fleisch quasi „vor die Füße fallen“, bevor er zugreifen würde.

Symbol für den Artenschutz
Damit weltweit allen Tierschützern und Tierfreunden stets vor Augen bleibt, wie sehr der Pandabär vom Aussterben bedroht ist, hat ihn der World Wide Fund For Nature (WWF) zum Wappentier auserkoren und zum Symbol für den internationalen Artenschutz erklärt.
Der WWF ist die erste internationale Naturschutzorganisation, die in China tätig wurde. Sie arbeitet seit mehr als 25 Jahren eng mit der Regierung zusammen, und dem unermüdlichen Einsatz der Mitglieder ist es zu verdanken, dass die wichtigsten Voraussetzungen für das langfristige Überleben der Pandas in freier Wildbahn bereits geschaffen werden konnten. Trotzdem liegt noch ein langer, arbeitsreicher Weg vor ihnen.

chris

Fotos: Shutterstock (3)