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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Da bleibt ihm glatt die Spucke weg!

Lamas sind recht unkomplizierte Haustiere, schonende »Rasenmäher« und für Entspannung sorgende Trekking-Partner.

Das Lama (Lama glama) gehört zur Familie der Kamele und ist in den südamerikanischen Hochgebirgen, den Anden, weit verbreitet. Aber auch in Europa, unter anderem in Deutschland, finden sich seit dem letzten Jahrhundert viele Vertreter dieser so genannten Neuweltkameliden-Art, die jedoch nicht mit dem kleineren »Bruder«, dem Alpaka, zu verwechseln ist.

Wer jemals einem Lama in seine braunen Augen geblickt und sein wolliges, einfarbiges oder geflecktes Fell gestreichelt hat, wird in ihm ganz bestimmt nicht sofort ein »spuckendes Untier« gesehen haben, sondern ein liebenswertes Wesen, dem man schnell verfällt. Denn dass das Lama einen gewissen Charme hat, ist nicht zu leugnen.


Das nennt man artgerecht

Und wenn man einmal eine sachliche (und gänzlich unemotionale) Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellt, kommt das Lama dabei recht gut weg. Schließlich ist es nicht besonders anspruchsvoll und gibt sich in der Regel mit einer großen, sauberen und trockenen Auslauffläche, gutem Heu und Gras sowie Gräsern, Sträuchern, Flechten, Blättern, Pilzen und Baumästen zufrieden. Da alle Neuweltkameliden Wiederkäuer sind, benötigen sie jedoch qualitativ hochwertiges, strukturreiches Futter.

Besonders gut – vor allem artgerecht – mümmelt es sich übrigens in Gesellschaft: Da es sich bei Lamas, genau wie bei Alpakas, um Herdentiere handelt, sollten sie immer mindestens zu zweit gehalten werden. Wer sich eine größere Herde wünscht, tut gut daran, sich stets das Verhältnis Hengst-Stute-Wallach vor Augen zu führen, bevor er einen Kauf tätigt. Denn die Geschlechterwahl ist nicht zuletzt abhängig von dem, was Sie mit Ihren Lamas vorhaben. Wie auch bei Pferden gilt die Devise: Hengste sind äußerst (um-)triebig und eigensinnig und Stuten werden häufig ebenfalls zur Zucht verwendet, während Lama-Wallache zu den umgänglichsten Vertretern gehören und sich perfekt auf folgenden Gebieten einsetzen lassen:


Engagiertes Lama sucht Nebenjob

Alle Zivilisationen des Andenraums nutz(t)en das Lama – vor allem auf unwegsamen Strecken – als Lastentier. Denn mit bis zu 50 Kilogramm lässt sich dieses höckerlose, etwa 110 bis 130 Zentimeter große und maximal 180 Kilogramm schwere Tier beladen. Daneben ist auch die Wolle des Lamas gut weiterverwertbar, wobei die Schur der Tiere nicht nur der Gewinnung des weichen Vlieses dient, sondern auch für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit von großer Bedeutung ist.

Des Weiteren besitzen Lamas keine Hufe oder Klauen, sondern laufen als so genannte »Schwielensohler« auf weich gepolsterten Sohlen durch die Weltgeschichte. Durch diese leichten, federnden Polster eignen sich Lamas zur Beweidung von empfindlichen oder mit Maschinen schlecht zu bewirtschaftenden Flächen, zum Beispiel Hanglagen, perfekt.


Das Wandern ist des Lamas Lust

Lama-Trekking ist der neueste Trend: meditativ-entspannend und anregend zugleich. An Halfter und Führleine mit den friedlichen Tieren zu wandern, zum Beispiel im Hessischen Vogelsberg (www.vogelsberglamas.de), ist ein Labsal für die Seele. Ebenso wohltuend und effektvoll ist ihr Einsatz zu therapeutischen Zwecken: Besonders auf psychisch kranke oder hyperaktive Menschen sowie Autisten hat der Umgang mit diesen Tieren erwiesenermaßen positive Auswirkungen.


Spuckendes Ungeheuer?

Zum Schluss möchten wir noch mit einem Klischee aufräumen: Nicht alle Lamas spucken immer sofort und überall! In erster Linie sind es vor allem Hengstfohlen, die während ihrer sechs-, besser aber noch neunmonatigen Prägephase von Menschen gestreichelt und dadurch fehlgeprägt wurden.

Fehlgeprägt heißt, dass der Mensch auf diese Weise zum »Artgenossen« wurde, mit dem – so meint das Lama – bei Bedarf immer mal wieder die Rangordnung geklärt werden muss. Obwohl ein Lama eigentlich ein Herdentier ist, ist es zugleich ein Distanztier, was bedeutet, dass es in dem Moment, in dem es sich belästigt fühlt, zur Waffe greift: Reichen Ohrenanlegen und Kopfhochrecken nicht mehr, so wird der Gegner, egal, ob »echter« Artgenosse oder Mensch, kurzerhand angespuckt. Und da ein Mensch in der Regel so gut wie nie zurückspuckt, gilt die Rangfolge »Spuckender hoch - Bespuckter niedrig« als akzeptiert.

Unschön ist dabei allerdings, dass es sich beim Gespienen meistens nicht nur um Speichel, sondern durchaus um halb verdauten Mageninhalt handelt. Aber keine Sorge: Dieser lässt sich leicht wieder aus der Kleidung ausspülen …

chris

In gewissen Zeitabständen ist die Schur des Lams unbedingt vonnöten. Das steigert ihr Wohlbefinden um einiges.
Auch wenn man die Kleinen gerne streicheln möchte: Die Ziet der Prägephase sollte man noch abwarten!
Fotos: Shutterstock (3)