Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Bunte fünfte Jahreszeit.
Zum Faschin und Karneval wird noch mal so richtig »gesündigt«.
Lange haben die Jecken und Funkenmariechen diesem Datum entgegengefiebert, am 11. November um 11.11 Uhr war es dann endlich so weit. Die Faschingszeit hat offiziell begonnen und mit ihr die Vorbereitungen für den großen Höhepunkt, der jetzt im Februar stattfindet: die Rosenmontagsumzüge, die deutschlandweit von bunten Paraden begleitet werden.
Die größten Karnevalsfans sind die Rheinländer, besonders die Hochburgen Mainz und Köln, aber auch hier im Norden wird die närrische Zeit gefeiert. Allein in Schleswig-Holstein gibt es 18 aktive Karnevalsvereine. Bereits 1845 feierte man den »Karneval zum Kiel«, der von der Kieler Liedertafel organisiert wurde. Der Ursprung dieses Festes liegt aber natürlich viel weiter zurück.
Letzte Gelegenheit.
Schon im alten Rom und Griechenland wurden faschingsähnliche Feste gefeiert, die sich durch farbenprächtige Umzüge und öffentliche Trinkgelage auszeichneten. Man feierte sie allerdings zu Ehren der Götter. Unser Fasching dagegen war und ist kein kirchliches Fest, hängt jedoch eng mit der österlichen (katholischen) Fastenzeit zusammen. Sie beginnt am Aschermittwoch, der gleichzeitig das Ende des Faschings einläutet. Die Fastenzeit dauert bis Ostern an.
Im Mittelalter war es während des Fastens untersagt, Eier, Fett, Fleisch und Alkohol zu sich zunehmen. Aus diesem Brauch lassen sich auch die Bezeichnungen Karneval (bedeutet übersetzt so viel wie »Abschied vom Fleisch«) und Fasching (»Fastenschank« = letzter Ausschank) ableiten. Man sündigte noch einmal von Herzen, bevor der Gürtel dann bis Ostern wieder enger geschnallt wurde.
Alles ist erlaubt.
Es verwundert nicht, dass fettiges Essen bei den Narren besonders gut ankam und auch heute noch ankommt: Schweinefleisch und Speck, Berliner Pfannkuchen, Krapfen und andere Süßigkeiten gehören einfach dazu. Auch Bier und Wein dürfen immer ordentlich nachgeschenkt werden.
Da kann es schon mal passieren, dass manch einer seine Hemmungen verliert und dem Vorgesetzten so richtig die Meinung sagt. Macht aber nichts, denn an Fasching gilt seit jeher das Gleichheitsprinzip. Das bedeutet: Für diese eine Zeit im Jahr spielen verschiedene soziale Raster und Positionen keine Rolle, alle Menschen sind gleichgestellt und werden gleich geachtet. So wurden beispielsweise im Mittelalter während dieser Phase zum Spaß auch eigene »Päpste« gewählt.
Alles hat ein Ende!
Obwohl die Kirche dem Spektakel eher negativ gegenüberstand und es als »civitas diaboli« (Staat des Teufels) bezeichnete, duldete sie es dennoch. So wollte man demonstrieren, dass der Mensch, genauso wie die Karnevalszeit, vergänglich ist. Am Ende, dem Aschermittwoch, siegt aber immer Gott, denn an diesem Tag wurden die Gläubigen mit einem Kreuz aus Asche gezeichnet und taten
so ihre Buße.
Der so genannte »Politische Aschermittwoch« hat seine Wurzeln bereits in Bauernversammlungen des 16. Jahrhunderts, bei denen auch lebhaft über die Obrigkeit diskutiert wurde. Heute dient er den Volksvertretern dazu, sich über die politische Konkurrenz auszulassen, deren Fähigkeiten hier – im Schutze der geltenden Narrenfreiheit – einmal so richtig schön durch den Kakao gezogen werden.
So viel Spaß muss einfach sein!rs












