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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Aus und vorbei?

So schnell wie heute war Carlotta noch nie zu Hause. Heftig atmend, mit vor Wut knallrotem Kopf, schließt sie die Haustür auf. Peng! Laut krachend fliegt diese wieder zu. Ebenso die Tür zu ihrem Zimmer. Dann schmeißt Carlotta sich aufs Bett und fängt laut zu weinen an.

Einen Augenblick später öffnet sich ihre Zimmertür einen Spalt breit.

»Carlotta?«, fragte ihre Mutter leise. 

Keine Reaktion, nur das Schluchzen wird noch lauter. 

»Hey, was ist denn passiert?« Carlottas Mutter hat sich mittlerweile auf die Bettkante gesetzt und streichelt den Rücken ihrer Tochter. Carlotta dreht sich um und ruft aufgebracht aus: »Ich rede nie wieder ein Wort mit Paula!«

Geräuschvoll zieht sie die Nase hoch und wischt mit dem Ärmel ungeduldig die Tränen aus dem Gesicht. So als wolle sie jeden Gedanken an ihre Freundin wegwischen.

Dabei sind Paula und sie schon seit dem Kindergarten die allerbesten Freundinnen. Sie machen eigentlich alles zusammen: lachen, weinen, über Klamotten und Jungs reden ... Sie sind das »C« und »P« der coop-Kids!

Eigentlich schien es bisher, als könne nichts und niemand ihre Freundschaft zerstören. Doch heute hatte es auf einmal heftig zwischen ihnen gekracht. Nicht so ein normaler Streit, der immer mal vorkommt und nach kurzer Zeit wieder vergessen ist. Diesmal haben sie richtig Zoff miteinander. Dabei weiß Carlotta nicht einmal mehr, wie es eigentlich angefangen hat.

In kurzen, wütenden und abgehackten Sätzen erzählt sie ihrer Mutter von dem Streit, doch die wird nicht klug aus dem verworrenen Bericht.

»Ich glaube, ihr solltet noch mal darüber sprechen, wenn der Ärger verraucht ist«, schlägt sie vor. Aber Carlotta schüttelt heftig den Kopf.

»Nie im Leben. Die ist gestorben für mich«, schimpft sie und vergräbt ihren Kopf unversöhnlich unter dem Kissen.

In den nächsten Tagen ist die Stimmung zwischen Carlotta und Paula eisig. Selbst Olli und Onur wird klar, dass es diesmal was Ernstes ist.

Mit allen Mitteln versuchen sie, Frieden zu stiften zwischen den Streithähnen, doch nichts hilft. Sie wären allerdings nicht Olli und Onur, wenn ihnen nicht etwas Verrücktes einfallen würde! Mit einer kleinen List locken sie die streitbaren Freundinnen kurz vor Beginn der ersten Stunde in die Mädchentoilette – und blockieren blitzschnell die Tür. Carlotta und Paula klopfen und rufen. Umsonst. Niemand ist mehr auf dem Flur, der sie hören kann.

Mit verschränkten Armen stehen die beiden möglichst weit entfernt voneinander an der Wand und blitzen sich mit wütenden Augen an.

»Wenn ich Olli und Onur in die Finger kriege ...«, quetscht Carlotta zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Ich hoffe, ich erwische sie als erste«, zischt Paula. Dann herrscht wieder brütendes Schweigen.

Plötzlich kichert Carlotta leise. Paula sieht sie böse an, doch langsam breitet sich auch auf ihrem Gesicht ein Grinsen aus. Auf einmal lachen die beiden Mädchen laut los, können sich kaum noch einkriegen. Und sie fangen an zu reden. Über ihre Gefühle, ihre Ängste, ihren Frust. Darüber, wie schön es ist, gute Freunde zu haben. Und über die Erleichterung, dass der blöde Streit nun endlich vorbei ist.