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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Auf der Suche nach Nähe

Unter Delfinen wird Körperkontakt großgeschrieben. Aber auch bei behinderten Menschen sorgen gemeinsame Schwimmstunden mit diesem intelligenten Säugetier für deutlich mehr Wohlbefinden.

Wenn es ein Paradebeispiel für einen Delfin gibt, dann ist es zweifellos »Flipper«, der amerikanische Serienheld aus den 60er-Jahren. Ihm erging es ähnlich wie anderen tierischen Stars, zum Beispiel dem Collie »Lassie«, dem ebenfalls übermäßig viel Eigeninitiative im Bezug auf sein Denken und Handeln zugedichtet wurde.

Natürlich übertrieb die Filmbranche auch bei »Flipper« ein wenig, aber darüber, dass Delfine deutlich über ein Höchstmaß an Intelligenz verfügen, gibt es keine zwei Meinungen.

Intelligent und sensibel
Untersuchungen zeigen, dass das große Gehirn der Delfine eine komplexe Hirnrinde besitzt, die zu einer hohen Lernfähigkeit befähigt. Es kommt nicht von ungefähr, dass insbesondere die wohl bekannteste Delfin-Art, die Großen Tümmler (Tursiops truncatus), vom Militär in den USA und in Russland gehalten werden, um beispielsweise Seeminen an feindlichen Schiffen zu installieren oder Minen zu entschärfen. Aber für die Therapie schwerkranker Menschen werden Delfine eingesetzt. Des Weiteren ergaben so genannte »Spiegeltests« in einem New Yorker Aquarium, dass Delfine sogar in der Lage sind, ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen, was bedeutet, dass sie ein Empfinden dafür besitzen, wer sie sind beziehungsweise wie sie selbst aussehen!

Interessant ist ebenfalls, dass Delfine immer nur mit einer Gehirnhälfte schlafen. Sie sind während dieser Phase zwar nicht mehr ganz so schnell in ihren Bewegungen, aber stets aufmerksam. Selbst beim Stillen können die Neugeborenen an der Brust trinken, während die Mutter weiterschwimmt.

Poseidons Schützlinge
Delfine (Delphinidae) gehören zu den im Wasser lebenden Säugetieren und gelten mit ihren rund 40 Arten zur vielfältigsten und größten Familie der Wale. Sie sind in allen Meeren zu finden und präsentieren sich selbst in dieser endlosen Weite – zur Freude der Beobachter – in gewissen Zeitabständen immer wieder über der Wasseroberfläche, entweder gewaltige Sprünge vorführend oder als Begleit-Eskorte von Schiffen.

Dank ihres stromlinienförmigen Körpers sind Delfine, die je nach Art zwischen eineinhalb und vier Meter lang sind, perfekte Schwimmer, die hohe Geschwindigkeiten (bis zu 55 Kilometer je Stunde) erreichen können. Auf der Jagd nach Nahrung – hauptsächlich Fische, Kalmare und Krustentiere – können sie bis zu 300 Meter tief und 15 Minuten lang tauchen. Als einziger Delfin ernährt sich der Schwertwal auch von anderen Meeressäugern wie Robben oder unterschiedlichen Wal- und Delfinarten.

Im Reich der Sinne
Delfine haben einen sehr guten Gehör-, jedoch einen nur gering ausgebildeten Geruchssinn, da Gerüchen unter Wasser bekanntlich nur wenig Bedeutung beigemessen wird. Dafür reicht ihr Hörbereich in Frequenzen bis zu 220 Kilohertz, das heißt sie können damit Töne bis weit in den Ultraschallbereich wahrnehmen. Obwohl bei näherem Hinsehen durchaus äußere Ohröffnungen am Kopf des Delfins existieren, sind diese wahrscheinlich nicht funktional, da die Geräusche über den Unterkiefer über das Mittel- zum Innenohr gelangen.

Mithilfe der Augen, die sowohl unter als auch über Wasser gut funktionieren, und des Sonars kann der Delfin die Umgebung und Beutetiere erkennen. Das Sonar dient zur Erzeugung und Wahrnehmung von Ultraschall-Lauten, speziell unter Wasser: Gibt der Delfin ein gerichtetes Signal ab, wird dies vom Zielobjekt reflektiert und landet wieder beim Sender. So kann der Delfin die Information über die Entfernung und die Form des Objektes analysieren. Untereinander verständigen sich Delfine durch verschiedene Pfeif-, Zisch- und Schnalzlaute. Klicklaute werden in erster Linie zur Echopeilung verwendet.

Springkünstler sucht körperliche Nähe
Aber auch der intensive Körperkontakt dient der Kommunikation mit Artgenossen: Delfine sind sehr soziale Tiere, die in Gruppen zusammenleben und meist zu einem oder zwei Artgenossen sogar eine enge Freundschaft entwickeln. Aus dieser Form von Nähe resultiert wohl auch ihre besondere Vorliebe für den Austausch von Zärtlichkeiten und Berührungen aller Art, ein Wesenszug, den sich auch die Human-Medizin zum Vorteil gemacht hat: in Form der Delfin-Therapie.

Hierbei kommt es zu einem direkten Kontakt zwischen dem erkrankten, meist behinderten Menschen und dem Delfin –und zwar im Wasser. Bei der Begegnung erkennt der Delfin in Sekundenschnelle die Besonderheit des Patienten und nähert sich ihm auf zärtlich-spielerische Weise. Die Patienten, sehr oft kleine Kinder, entwickeln so neues Selbstvertrauen und können die Impulse der Außenwelt besser aufnehmen. Das beweisen medizinische Tests.

Nehmen wir also alle Fähigkeiten des Delfins zusammen, dann ist wohl scheinbar durchaus etwas dran am Filmmythos von »Flipper, dem klugen Delfin« …c

Das Sozialverhalten bei Delfinen it sehr ausgeprägt.
Leider fallen Delfine immer wieder tückischen Fangnetzen zum Opfer - als Beifang.
Fotos: Shutterstock (4)