Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Alter Schwede!
Zu Besuch bei der Handball-Legende Magnus Wislander
Wo, bitte schön, liegt denn Kärra? Nein, wir befinden uns nicht in der Millionärs-Show bei Günther Jauch, sondern in einem Auto mitten im schwedischen Göteborg – auf der Suche nach Magnus Wislander. Und der dürfte selbst Sportbanausen ein Begriff sein, immerhin wurde er 1990 zum „Welthandballer des Jahres“ und im Jahr 2000 sogar zum „Welthandballer des Jahrhunderts“ gewählt. Mehr geht nicht! Das Auffinden seiner Wohnadresse erleichtern diese Auszeichnungen allerdings nicht.
„Hallo, wie gehts?“, begrüßt er uns, als wir schließlich das direkt am Waldrand gelegene Holzhaus im Norden der Stadt erreichen. „Hattet ihr eine gute Fahrt?“ Der Ex-Star des THW, in Kieler Zeiten von allen nur kurz „Max“ genannt, ist in diesem Jahr 42 Jahre alt geworden. Die sieht man ihm nicht einmal ansatzweise an: drahtiger Körper, fast kein Gramm zu viel, stattliche ein Meter vierundneunzig groß.
„Middag“-Essen um 19 Uhr
Vor dem Haus entdecken wir erste Spuren seiner sportlichen Vergangenheit: Die in Zebra-Optik bemalte Schubkarre war eines von vielen Abschiedsgeschenken und erfüllt jetzt praktische Dienste im Garten. Ehefrau Camilla (41) hat nämlich genug vom langen schwedischen Winter und möchte gerne die ersten Frühjahrsblumen setzen. Jetzt aber bereitet sie erst mal das Abendessen vor – das in Schweden sinnigerweise Middag heißt. Nach und nach trudeln auch die Kinder der beiden ein: Therese ist mit 16 Jahren die Älteste, gefolgt von Daniel (9) und Veronica, die an diesem Tag ihren 14. Geburtstag feiert.
Mit dem gebräuchlichen „Tack för maten“ bedanken wir uns für das schmackhafte Essen und sehen uns noch etwas im Haus um. Auch hier begegnen uns viele Erinnerungsstücke. Etwa das große Zebra-Gemälde im Treppenhaus oder die vielen Urkunden für besondere Auszeichnungen. Besonders stolz ist „Max“ auf die Original-Meisterschale, die der THW 2002 in seinem letzten aktiven Jahr dort gewann. Er durfte sie als Abschiedsgeschenk behalten. Diese Ehre ist noch keinem Spieler zuteil geworden. Jetzt hängt sie in seinem kleinen Arbeitszimmer.
Auf Tour – als Briefzusteller
„Max“ Wislander erzählt von seinem Leben in seiner neuen alten Heimat Göteborg. Nach der letzten Saison als „spielender Co-Trainer“ bei seinem Heimatverein Redbergslid IK hat „Max“ mit 41 Jahren sein Trikot für immer in die Ecke gelegt. Heute trainiert er gemeinsam mit Johan Eklund die junge Mannschaft von RIK und ist hauptamtlich als Briefträger bei der schwedischen Post beschäftigt.
Er hat mit seinem bodenständigen Beruf überhaupt keine Probleme, höchstens manchmal mit dem frühen Aufstehen. Dieser sympathische Zug, mit den Füßen auf dem Teppich zu bleiben, hat ihn auch früher immer ausgezeichnet. Extrawürste oder Sonderbehandlung gibt es bei allem Respekt für das bisher Geleistete in Schweden auch für Handball-Legenden nicht, weder in der Familie noch am Arbeitsplatz. Wenn er beispielsweise mit seinem Team auf langen Auswärtsfahrten nach Stockholm oder in andere Städte oft bis in die frühen Morgenstunden unterwegs ist, wird er von seinem Arbeitgeber keinesfalls dafür freigestellt. Trotzdem ist er mit seinem Leben zufrieden. Das merkt man ihm jederzeit an. „Lagom“ sagen die Schweden dazu: genau richtig – nicht zu viel und nicht zu wenig.
In diesem Moment wird es in der Küche etwas unruhig. Der Geburtstagskuchen im Backofen gerät in Bewegung – leider aber nicht nach oben, sondern erstaunlicherweise nach unten: Der noch flüssige Teig quillt aus unerfindlichen Gründen unter der Springform hindurch und tropft in großen Blasen auf das Backblech eine Etage tiefer. „Max“ findet das ziemlich witzig und grinst, als wenn er einem gegnerischen Torwart gerade wieder eines seiner berühmten „Schweden-Eier“ ins Netz gelegt hätte. „Jetzt gibt es eben einen großen und einen kleinen Kuchen.“
Zum Abschied
keine Elche
Endlich ist der Geburtstagskuchen für Veronica fertig. Danach gibt es noch ein kleines Ständchen und natürlich die Geschenke. So wird es etwas später als erwartet. Therese, Veronica und Daniel entschwinden mit einem „Hej då“ auf ihre Zimmer. Auch „Max“ und Camilla schauen auf die Uhr, denn morgen geht es wieder um fünf Uhr früh heraus. „Max“ gibt uns abschließend aber noch eine Kostprobe seines trockenen Humors: „Die ganze Woche haben wir Elche hinter dem Haus gesehen. Nur, wenn die deutsche Autos sehen, lassen sie sich einfach nicht mehr blicken.“
Am nächsten Morgen treffen wir ihn noch kurz auf seiner Zustelltour. Heute ist er mit dem Wagen unterwegs. Uns fällt auf, dass der gelbe Kastenwagen das Lenkrad auf der rechten Seite hat – mit Grund: Dann kann man die Briefe gleich direkt von Autofenster aus in die Briefkästen einwerfen, die sich in Schweden häufig direkt an der Straße befinden. Das spart eine Menge Zeit. Wir gönnen „Max“ für heute diese kleine Bequemlichkeit, denn vielleicht muss er morgen schon wieder sein schwächelndes Postmofa den Berg hochschieben.
Bernd Christoph
Interview mit Max Wislander
mein coop magazin:
„Max“, nach 12 erfolgreichen Jahren beim THW Kiel bist du mit deiner Familie im Juni 2002 in deine schwedische Heimatstadt Göteborg zurückgekehrt. Wie ist es euch seitdem hier ergangen?
„Max“ Wislander: Gut. Wir haben uns natürlich gefreut, wieder nach Schweden zurückzukommen. Selbstverständlich gab es in unserem Alltag im Vergleich zu unserer Kieler Zeit einige Umstellungen. Meine Frau Camilla und ich arbeiten jetzt beide tagsüber und unsere Kinder gehen, wie in Schweden allgemein üblich, auf eine Ganztagsschule. Wir wohnen hier in unserem eigenen Haus.
Wie sieht deine Tätigkeit als Handballtrainer bei Redbergslid IK aus?
Wislander: Ich teile mir den Trainerjob mit meinem Freund Johan Eklund, mit dem ich früher schon gemeinsam in Schweden Handball gespielt habe. Das bedeutet, dass wir vier- bis fünfmal in der Woche trainieren und in der Saison ein bis zwei Spiele haben. Ich muss aber nicht bei jedem Training dabei sein.
Ihr habt mit einer relativ jungen Mannschaft in der Meisterschaft die Playoff-Spiele der besten acht Teams erreicht. Bist du mit dem Saisonverlauf zufrieden?
Wislander: Mit der Herbstsaison war ich nicht zufrieden. Da hatte ich wesentlich mehr von unserer Mannschaft erwartet. Dann kam aber die Spielpause während der Handball-Europameisterschaft im Januar. Diese Zeit haben wir gut genutzt und sehr hart trainiert. Dadurch haben wir das Selbstvertrauen der jungen Spieler wieder ein wenig aufbauen können. Leider sind wir dann im fünften und entscheidenden Viertelfinalspiel nach Verlängerung etwas unglücklich gegen den IFK Skövde ausgeschieden.
Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Handball in Deutschland und dem in Schweden?
Wislander: In Mannschaften wie dem THW Kiel, in Flensburg oder bei den spanischen Topteams spielen die besten Spieler der Welt. Auch die besten schwedischen Spieler sind in Deutschland oder Spanien aktiv, einige auch in Dänemark. Das ist sicher ein Grund für die fehlende Klasse unserer Liga im Vergleich zu anderen Ländern. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Spitzenleistungen und Erfolge gegen diese Mannschaften nicht möglich sind. Sävehof hat das in der Champions-League in diesem Jahr bewiesen.
Deine Familie ist ebenfalls sehr sportlich. Spielen deine drei Kinder auch alle Handball?
Wislander: Meine beiden Töchter Therese und Veronica spielen von klein auf Handball, schon während unserer Zeit in Kiel. Mein Sohn Daniel hat erst in dieser Saison damit angefangen. Vorher hatte er Fußball und Floorball (Anm. der Red.: eine Art von Hallenhockey) gespielt. Seit er vor kurzem von einem großen Turnier wiederkam und mit seiner Mannschaft als Sieger dort sogar besser abgeschnitten hatte als seine große Schwester, ist er vollauf begeistert.
Das Interview führte für mein coop magazin
Bernd Baumeister








