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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Alles uncool, oder was?

Vorlesegeschichte

Tagelang hat es geschneit, so viel wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Autofahrer schimpfen, aber die Kinder jubeln. Überall in den Gärten und Parks stehen Schneemänner. Dick eingemummelte Jungen und Mädchen mit roten Wangen und Nasen ziehen lachend mit ihren Schlitten zum Rodelberg.
Olli trampelt im Garten von Paulas Großeltern frierend von einem Fuß auf den anderen und wartet auf seine Freunde, die heute anscheinend besonders viele Besorgungen für den coop-Kids-Einkaufsservice zu erledigen haben. Kein Wunder, denn die Bürgersteige und Straßen sind matschig und glatt.
Zum dritten Mal in rascher Folge schaut Olli auf die Uhr.
»Oh Mann, wann kommen die anderen denn endlich? Meine Zehen sind schon Eisklumpen«, murmelt er in seinen Schal und haucht dann in seine Hände, um die kalten Finger zu wärmen.
»Hey Olli!«, hört er Felix, einen Freund der coop-Kids, von der anderen Straßenseite rufen. »Kommst du mit Schlitten fahren?« Olli verzieht kopfschüttelnd das Gesicht. »Nee danke, aus dem Alter bin ich raus«, antwortet er mit spöttischem Grinsen.
Felix lacht nur und stapft mit seinen Freunden weiter.
Olli sieht ihnen gedankenverloren hinterher. Und ebenso gedankenverloren nimmt er einen Klumpen Schnee und formt ihn zu einer Kugel. Der Schnee haftet gut, nicht wie das pudrige Zeug vom letzten Jahr. Jetzt rollt er die Kugel über die Wiese, und schon bald ist sie groß wie ein Fußball.
»Na, baust du `n Schneemann?«, hört er auf einmal Carlottas Stimme. Erschrocken fährt Olli hoch.
»Nein… nein, natürlich nicht«, wehrt er energisch ab und merkt zu seinem Ärger, wie er rot wird. »Wie uncool wär` das denn? Ich bin doch kein Baby mehr!«
Plötzlich trifft ihn etwas am Rücken.
»Hey, was…!«, schimpft Olli ärgerlich und dreht sich um. Nicht eine Sekunde zu spät! Denn so hat er noch die Chance, sich zu ducken und dem zweiten Schneeball auszuweichen, den Onur auf ihn wirft.
»Oh, na warte!«, ruft Olli. Noch in der Bewegung greift er eine Hand voll Schnee und zielt. Peng! Das hat gesessen.
Onur grinst. »Das gibt Rache!«, schwört er, und gleich darauf wälzen sich die Freunde lachend in einer großen Schneewehe.
Als Paula eine Minute später um die Ecke kommt, bleibt sie kopfschüttelnd stehen und fragt ihre Freundin mit hochgezogenen Augenbrauen: »Was geht denn hier ab?«
»Schneeballschlacht!«, ruft Carlotta und schon landet ein Schneeball auf der völlig überraschten Paula. Nun gibt es kein Halten mehr, vergessen ist das Treffen im Clubhaus. Schneebälle fliegen wild hin und her, Lachen und fröhliche Schreie dringen durch den Garten. Nach einiger Zeit steht sogar ein riesiger Schneemann mit schwarzer Pudelmütze und Möhrennase da. Und mit den hastig hervorgekramten Schlitten geht es danach ab zum Rodelberg.
Drei Stunden später sitzen die vier Freunde durchgefroren mit einer Tasse heißem Kakao in der Küche von Paulas Großeltern und reden lachend durcheinander.
»Echt toll, wie ich auf der Plastiktüte den Berg runter bin …«
»Unser Schneemann ist doch richtig klasse …«
»Und weißt du noch, bei der Schneeballschlacht, als Olli und Onur …«
Olli strahlt zufrieden in die Runde. »Das war der coolste Nachmittag seit langem!«

Catrin Liebscher 

Illustrationen: Karin Zander