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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

2009 ist sein Jahr

Tier und Mensch: Eisvogel

Nach 1973 wurde der Eisvogel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) erneut zum Vogel des Jahres gewählt! Damals wie heute gilt er als Beleg für saubere Gewässer und lebendige Flüsse.

Nirgendwo in Deutschland kommt der Eisvogel (lat. Alcedo atthis) wirklich häufig vor, aber dort, wo man ihn sieht, spricht alles dafür, dass die Natur mit sich noch »im Reinen« ist. Denn der Eisvogel sucht ausschließlich unverschmutzte Gewässer auf, er braucht naturnahe Bäche sowie unverbaute Flüsse und Seen. In stark industrialisierten und dicht bevölkerten Regionen ist er daher mittlerweile ein ausgesprochen seltener Gast.
Laut Aussage des Naturschutzbundes NABU steht der Eisvogel auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten, und es wird geschätzt, dass derzeit in Deutschland etwa 5600 bis 8000 Brutpaare leben, wohingegen der europäische Gesamtbestand etwa 120 000 Paare umfasst.

Eine schillernde Persönlichkeit
Klingende Beinamen wie »fliegender Edelstein« oder »blauer Blitz« schmücken den Eisvogel. Kein Wunder: denn sein farbenprächtiges, bunt schillerndes Gefieder macht diesen Vogel unverwechselbar. Man erkennt deutlich seine Herkunft aus den Tropen, wo heute noch die Mehrzahl der über 90 verschiedenen Eisvogelarten lebt.

Die Oberseite seines Gefieders wirkt je nach Lichteinfall kobaltblau bis türkisfarben und tarnt ihn beim Flug über das Wasser perfekt, die Unterseite hingegen schimmert orangebraun und lässt ihn harmonisch mit dem Geäst des Baumes verschmelzen, und sein Hals zeigt weiße Flecke an jeder Seite. So ist der Eisvogel, der nur etwa 16 bis 18 Zentimeter lang ist und federleichte 35 bis 40 Gramm wiegt, auch aus größerer Distanz für uns noch leicht zu identifizieren.

Am ehesten wird man jedoch auf ihn aufmerksam, wenn er seinen durchdringenden, hohen Ruf ausstößt. Aus diesem Ruf lässt sich schließen, dass er sich gerade im schnellen und gradlinigen Flug direkt über der Wasserfläche befindet und auf Nahrungssuche ist.

Kleine Fische bevorzugt
Beute findet der Eisvogel ausschließlich in Gewässern bzw. in Gewässernähe. Seine bevorzugte Jagdmethode ist das Stoßtauchen: Kopfüber durchstößt er aus schnellem Flug die Wasseroberfläche und angelt sich mit seinem großen, spitzen Schnabel hauptsächlich die kleinen, länglichen Süßwasserfische. Aber auch bei Insekten, kleinen Fröschen und Kaulquappen ist er kein Kostverächter.

Das Nest ist voll
Brutzeit ist bei den monogam lebenden Eisvögeln die Phase von Ende März bis Ende September. Gebrütet wird in der Regel zweimal, manchmal auch dreimal im Jahr. So kann es gut sein, dass ein Eisvogel-Paar pro Brutsaison durchaus 20 Jungvögel aufziehen muss, denn jedes Mal legt das Weibchen etwa sechs bis sieben Eier.

Zu den bevorzugten Brutplätzen gehören langsam fließende oder stehende Gewässer, die ein reiches Angebot an Kleinfischen und Sitzwarten aufweisen. Hier baut der Eisvogel seine Nisthöhle dann an die Steilufer, die den Jungen ein gewisses Maß an Sicherheit bieten sollen.

Erhaltet die naturnahen Fließgewässer!
Nur leider führen wasserbauliche Maßnahmen immer wieder zum Verlust von natürlichen Steilufern, auf die der Eisvogel zum Anlegen seiner Brutröhre so sehr angewiesen ist. Da also der Bestand der Eisvögel vom Brutplatzangebot abhängt, ist hier ein Umdenken gefragt. Die Erhaltung der noch verbliebenen naturnahen Fließgewässer sollte unbedingt im Mittelpunkt des Interesses stehen, fordern Wissenschaftler.

Ebenfalls wichtig für den Eisvogel wäre auch die Verbesserung der Wasserqualität. Je artenreicher die Fischfauna ist, desto größer ist das Nahrungsangebot für diesen seltenen Vogel. Neben den Umbauten an Gewässern und dem Risikofaktor »Verschmutzung« können sich jedoch auch schon strenge Winter negativ auf den Bestand der Eisvögel auswirken. Doch die sind bei uns in Deutschland ja Mangelware geworden und aufgrund der veränderten Klimaverhältnisse kaum noch zu befürchten.

Strebt man also den Schutz dieses schönen Vogels an, so schlägt man mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe, da alle Erhaltungsmaßnahmen automatisch eine Verbesserung der natürlichen Verhältnisse bedeuten.

Wer sucht die Tiere des Jahres aus?
Der Naturschutzbund Deutschland e.V. – NABU – möchte Menschen dafür begeistern, sich durch gemeinschaftliches Handeln für die Natur einzusetzen. NABU setzt sich dafür ein, dass auch kommende Generationen eine Erde vorfinden, die lebenswert ist, die über eine große Vielfalt an Lebensräumen und Arten, sowie über gute Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und ein Höchstmaß an endlichen Ressourcen verfügt.
www.nabu.de

chris

Fotos: Shutterstock (2)