Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Zwischen Zwiebel und Spargel.
Sagen Sie lieber »Porree« oder lieber »Lauch«? Egal. Am würzigen Geschmack dieses Gemüses ändert sich dadurch gar nichts!
Lauch ist der Namensgeber der botanischen Lauchfamilie, zu der auch Zwiebeln, Schnittlauch, Knoblauch und Bärlauch zählen. Doch da die familientypischen schwefelhaltigen ätherischen Öle, die für den intensiven Geschmack und Geruch »derer von Lauch« sorgen, in den schlanken Porree-Stangen feiner dosiert sind als in ihren Verwandten, können wir sie nicht nur als würzende Zutat, sondern auch als Gemüse genießen.
Früher wurde »Ihre Durchlaucht« sogar »der Spargel des armen Mannes« genannt – da sie mit ihrem milden Geschmack und ihrem sanften Biss dem Edelgemüse durchaus das Wasser reichen kann. Auch gibt es Ähnlichkeiten im Anbau: Die vornehme Blässe der unteren Lauchstange nämlich kommt, wie beim Spargel, durch unterirdisches Wachstum zustande. Nur eben in der »Light-Version«: Porree gedeiht nicht ganz unterirdisch, sondern in rund 20 Zentimeter tiefen Gräben, in die die Bauern, während die Stängel wachsen, immer wieder Erde schütten. Der vor dem Sonnenlicht verborgene Teil der Pflanze kann so kein grün färbendes Chlorophyll entwickeln und bleibt weiß.
Das Gemüse mit den zwei Gesichtern.
Auch »intern« hat dieses vitamin- und mineralstoffhaltige Gemüse, das das ganze Jahr hindurch sehr günstig angeboten wird, seine zwei Seiten. Und die beschränken sich nicht nur darauf, dass es im grünen Bereich recht scharf, in der weißen Region dagegen fast
süßlich schmeckt.
Je nach Erntezeit gibt es sozusagen zwei Sorten Porree: Ab September (und bis ins kommende Frühjahr hinein) ist – frisch geerntet – der frostharte Winterporree mit dunkelgrünem Schaft im Handel, dessen kräftige Stangen insgesamt einen sehr herzhaften Geschmack haben. Von Juni bis September dagegen ist der hellgrüne, schmalere Sommerporree erhältlich, der insgesamt deutlich milder schmeckt.
Mehr als nur Suppengrün!
Um den Porree ranken sich allerlei Gerüchte. Das erste Gerücht meint, dass Porree nur dazu taugt, zusammen mit einer Möhre, einem Stück Knollensellerie und etwas Petersilie die Hühnersuppe zu beleben. Das kann der pikante Porree zwar tatsächlich sehr gut – doch er kann noch viel, viel mehr! In chinesischen Speisen oder in Pastagerichten, in sahniger Käsesoße überbacken und im Duett mit Kartoffeln, Champignons, Schinken oder Geflügel macht er eine gleichermaßen gute Figur. Auch als Alternativ-Belag auf dem Zwiebelkuchen wird Lauch immer beliebter.
Missverständnisse und Gerüchte.
Manche Gourmets behaupten zwar immer noch, dass man vom Porree nur den spargelähnlich weißen, geschlossenen Teil der Stange genießen sollte – doch dadurch bringt man sich um die meisten Nähr- und Wirkstoffe des Gemüses, die überwiegend in den herberen grünen Enden stecken.
Gerücht Nummer drei schließlich besagt, dass man Porree nicht roh verzehren sollte. Das geht auf einen mittelalterlichen Aberglauben in Bezug auf Lauchgewächse zurück – und verhindert unnötig viele köstliche frisch-grüne Röllchen auf dem Butter- oder Leberwurstbrot und pikante Rohkostsalate (kombiniert etwa mit Sellerie, Karotten und Äpfeln oder auch mit Orangen und Rosinen).mimu
In den »erlauchtesten« Kreisen beliebt.
Der sangesfrohe römische Kaiser Nero soll Porree – wegen seiner die Stimme pflegenden Senföle – so sehr geschätzt haben, dass man Nero auch »Porrophagus« nannte. Das klingt zwar sehr schön humanistisch gebildet, bedeutet aber schlicht nur »Lauchfresser«.
Inhaltsstoffe in 100 g
verzehrbarem Anteil (Mittelwerte)
Eiweiß 2,4 g
Kohlenhydrate 2,5 g
Fett 0,3 g
Brennwert 96 – 147 kJ bzw. 23 – 35 kcal




