Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Von wegen Teekränzchen
Japanische Teezeremonie
Bei der japanischen Teezeremonie herrschen äußerst strenge Regeln.
Die Angelegenheit gestaltet sich komplex – was auf den ersten Blick verwundern mag, bedeutet doch das mit „Chanoyu“ bezeichnete Ritual nichts anderes als „heißes Wasser für Tee“.
Das klingt nicht unbedingt nach ausschweifendem Genuss, und so ist es auch gewollt. Denn die Teezeremonie zelebriert vor allem gegenseitigen Respekt und Bescheidenheit – Tugenden also, die für den Asiaten an höchster Stelle stehen und allein über den Weg der inneren Einkehr gefunden werden können.
Tee auf Umwegen
Diesem Anspruch folgt auch die Beschaffenheit des Teehauses! Es ist schlicht gehalten und birgt weder Möbel noch Kunstgegenstände, was ihm den Charme einer Einsiedlerhütte verleiht. Dafür steht es inmitten eines schönen japanischen Gartens, der die Verbindung von Körper und Seele symbolisiert. Ein kleiner Sandpfad, der zum Teehaus führt, soll den ersten Schritt der Erleuchtung darstellen.
Auf Einladung des Teemeisters kommen die Gäste zusammen, wobei ein Vorbesuch den eigentlichen Besuch einleitet. Der Titel Meister ist übrigens berechtigt, da es eigens Schulen zur Ausbildung in dieser Kunst gibt. Auch den Gebrauchsutensilien haftet der Geist des Besonderen an. Ein Becken mit Frischwasser steht bereit, ebenso ein Wasserkessel aus Eisen, ferner ein lilafarbenes Seidentuch und ein Teebesen aus Zedernholz. Nicht zu vergessen natürlich die Teeschale aus Ton und der Teebambuslöffel.
Den Höhepunkt stellen mehrere stärkere und schwächere Aufgüsse von Teepulver dar, die mit Hilfe des Besens schaumig geschlagen werden. Die Teilnehmer haben alle gesellschaftlichen Unterschiede an der Türschwelle abgelegt und trinken nun gemeinsam aus einer Schale.
Zen im Sinn
Japanische Pilger waren es, die die ursprünglich chinesische Teekultur mit nach Hause brachten. In Japan war die Teezeremonie zunächst nur Mönchen und der Kaste der Samurai vorbehalten, deren Werte denen der Zen-Buddhisten ähnelten. Heute ist es ein Brauchtum des gesamten Volkes. Im Zentrum steht für alle die Ruhe – was einem Europäer besonders schön erscheint, richtet sich unser Bewusstsein doch viel zu oft auf die hektische Außenwelt.
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