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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Vielfalt ist ihre Stärke!

Die Kartoffel – ein echter Tausendsassa.

Wenn gesagt wird, dass man aus Kartoffeln beinahe alles machen kann, dann ist da wirklich was dran. Nicht umsonst zählt die Kartoffel neben Mais, Weizen und Reis weltweit zu den wichtigsten Nahrungsmitteln.

Gängige Kartoffelsorten

Marabel

Vorwiegend festkochende Sorte, besonders gut zum Backen, Rösten und Frittieren geeignet.

Linda

Festkochend, zählt zu den wichtigsten Sorten, die ab Mitte September auf den Markt kommen, prima geeignet für Salate und zum Garen.

Nicola

Gelbfleischige Kartoffel, die sich gut lagern lässt und sich gut für Salate und zum Garen eignet.

Afra

mehligkochend, gut geeignet für Eintöpfe, Püree und Aufläufe.


Da sie einen recht neutralen Eigengeschmack hat, ist sie ein idealer Begleiter zu fast allen anderen Lebensmitteln, sie sättigt schnell und ist zudem auch noch sehr gesund.

Die Heimat der Kartoffel liegt in Südamerika und man vermutet, dass sie schon seit 3000 v. Chr. als wichtigste Nahrungspflanze von der Andenbevölkerung genutzt wurde. Als die Spanier vor über 400 Jahren auf der Suche nach Gold und Mineralien Peru eroberten, entdeckten sie die Kartoffel und brachten sie nach Europa. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam sie – zunächst als beliebte Zierpflanze – schließlich auch nach Deutschland.

Doch zuerst stieß diese „tolle Knolle“ auf heftige Ablehnung. Getreu dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“ stand die Bevölkerung ihr äußerst skeptisch gegenüber. Einer der Gründe war sicherlich die fehlende „Gebrauchsanweisung“: Viele Menschen probierten die Kartoffeln roh und oft noch unreif, so dass die Begeisterungsstürme natürlich auf sich warten ließen.

Eine bewegte Geschichte

Das Ansehen der Kartoffel stieg erst, als Friedrich der Große, der „Alte Fritz“, zu einem ungewöhnlichen Mittel griff: Er zwang die Bauern quasi zum Anbau und ließ die Kartoffeln durch Soldaten bewachen. So erkannten auch die Preußen, dass diese Knollen wohl etwas Besonderes sein mussten. Gott sei Dank, möchte man meinen, denn schließlich war es die Kartoffel, die immer wiederkehrende Hungerperioden lindern half. Heute findet man auf dem Grab Friedrichs des Großen auf der Terrasse von Schloss Sanssouci in Potsdam übrigens häufig eine Kartoffel – als Zeichen des Dankes.

Für jeden Geschmack die richtige Knolle

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland stark gewandelt und die Anbaufläche ist drastisch zurückgegangen. Einer der Gründe dafür ist, dass Kartoffeln früher noch an Schweine verfüttert wurden, doch in den 70er-Jahren schwenkte man aus Kostengründen auf das Verfüttern von Getreide um.

Zum anderen spielt die Kartoffel in unserer heutigen Ernährung nicht mehr eine so tragende Rolle wie nach dem Krieg. Und nicht zuletzt haben zunehmende Kartoffelimporte aus anderen Ländern dazu beigetragen, dass in Deutschland weniger Kartoffeln angebaut werden als früher. Dennoch liegt Deutschland im EU-weiten Vergleich bei der Kartoffelerzeugung mit seinen rund 26 % immer noch auf dem ersten Rang vor Frankreich.

Etwa 75 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland bauen Kartoffeln an.

Der Anbauschwerpunkt liegt mit 43 % in Niedersachsen, vornehmlich in der Lüneburger Heide. In Schleswig-Holstein wird die Kartoffel seit zirka 200 Jahren kultiviert. Die Anbaugebiete liegen hier vor allem an der Westküste, auf der Geest und in Süd-Ostholstein. In Bayern werden etwa 18 % und im Rheinland 10,5 % der deutschen Kartoffeläcker bestellt. Anbauschwerpunkte sind in Schwaben im Donau-Ries und Donaumoos. Zu den weiteren bedeutenden Anbaugebieten zählen aber auch die Münchner Schotterebene, die Region um Regensburg und Plattling herum, Mittelfranken und die nördliche Oberpfalz.

Übrigens: Bereits bei der Anbauplanung muss das spätere Verwertungsziel der Kartoffel bekannt sein, um den unterschiedlichen Ansprüchen am Markt zu genügen. Jeder Verwertungszweck stellt schließlich besondere Qualitätsanforderungen an Pflanzgut, Düngung und Pflege. Deutsche Landwirte bauen Kartoffeln in solch einer großen Auswahl an Eigenschaften an, dass alle Kartoffelfans unter den rund 160 Sorten problemlos „ihre Lieblingsknolle“ finden müssten!

Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel

Bei einer so großen Sortenauswahl gilt: Probieren geht über studieren. Nehmen Sie beispielsweise die Frühkartoffeln. Sie werden bereits Ende Mai/Anfang Juni geerntet und gelten als besondere Delikatesse, müssen aber schnell und schonend verarbeitet werden.

Mittelfrühe Kartoffeln dagegen sind festkochend und ab August auf dem Markt. Für sie ist ihr festes, gelbes Fruchtfleisch sehr charakteristisch. Den vollsten Geschmack bieten schließlich die Spätkartoffeln, die im Herbst geerntet werden.

Die Süßkartoffel wiederum hat eine dünne, weiße, gelbe, orangenfarbene oder rote Kartoffelschale, die man durchaus mitessen kann. Ihr meist gelbes oder orangenfarbenes Fruchtfleisch schmeckt leicht süßlich.

Die Süßkartoffel eignet sich prima zum Einfrieren, da sie im Gegensatz zur „normalen“ Speisekartoffel nicht ihre Struktur verliert und wässrig wird.

Die inneren Werte zählen

Längst weiß man die Kartoffel als einen wertvollen Bestandteil einer zeitgemäßen Ernährung zu schätzen. Der richtige Umgang mit ihr ist jedoch sehr wichtig, denn nur bei „guter Behandlung“ behalten Kartoffeln ihre wichtigen Nährstoffe wie das hochwertige Eiweiß (2 %), die Kohlenhydrate (16 %), sowie die Fülle von Vitaminen und Mineralstoffen.

In der Kartoffel finden sich nennenswerte Mengen Beta-Karotin, Vitamin C (aufgrund ihres recht hohen Vitamin-C-Gehaltes werden sie auch „Zitronen des Nordens“ genannt!), Vitamin B1, Vitamin B2 sowie Niacin.

Besonders sticht der Kaliumgehalt hervor, er liegt bei ca. 440 mg je 100 g. Aber auch bei Magnesium, Phosphor und Eisen kann die Kartoffel zur Bedarfsdeckung beitragen.

Zusätzlich enthalten Kartoffeln – obwohl sie zu 80 % aus Wasser bestehen – wichtige Ballaststoffe, die die Darmtätigkeit und damit die Verdauung positiv beeinflussen. Wer Kartoffeln nicht schält, sondern nur bürstet und auch die Schale mitisst, gönnt seinem Körper weitere Ballaststoffe, die kalorienmäßig nicht ins Gewicht fallen, vom Darm aber begrüßt werden. Apropos Kalorien: 100 g Kartoffeln enthalten nur 70 kcal und nur 0,1 % Fett.

Ihr gefällt die Dunkelheit

Generell gilt: Der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen in der Kartoffel steigt mit zunehmender Reife, nimmt aber mit der Länge der Lagerdauer wieder ab. Wichtige Voraussetzungen für eine gute Lagerfähigkeit sind eine unbeschädigte Schale sowie eine trockene Oberfläche. Da Kartoffeln frost- und nässeempfindlich sind, sollten sie grundsätzlich dunkel, trocken und luftig bei 4–8 °C gelagert werden.

Aber Achtung: Nicht alle Kartoffeln lassen sich einlagern: Die „Neuen“, also die Frühkartoffeln, sollten möglichst schnell verarbeitet werden.

Tipps fürs gute Gelingen

Im Schnitt verspeist jeder Deutsche rund 70 kg Kartoffeln pro Jahr. Und dabei liegt beileibe nicht immer nur die klassische Salzkartoffel auf dem Teller! Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Pommes frites, Püree oder Folienkartoffeln haben ihr längst den Rang streitig gemacht.

Grundvoraussetzung für das Gelingen des Kartoffelrezeptes ist die Auswahl der richtigen Kocheigenschaft: Mehlig kochende Kartoffeln sind ideal für Suppen, Pürees, Klöße und Eintöpfe.

Festkochende Kartoffeln da­gegen bleiben „gut in Form“, egal, ob man sie kocht, brät oder backt. Sie eignen sich für alle Gerichte, bei denen ein Auseinanderfallen der Knolle unerwünscht ist, wie z. B. Salz-,
Pell- oder Bratkartoffeln. Vorwiegend festkochende Sorten sind die anpassungsfähigsten und beliebtesten Kartoffeln, da sie beim Kochen
fest bleiben.

Wie bei vielen Obst- und Ge­müsearten finden sich auch bei der Kartoffel die meisten Nährstoffe direkt unter der Schale. Daher empfiehlt es sich, die Knolle vor dem Garen möglichst nicht zu schälen, sondern am besten als Pellkartoffeln zu kochen.

Wer Salzkartoffeln bevorzugt, sollte sie möglichst kurz vor dem Garen erst schälen und nicht zu viel Wasser verwenden, da ihnen sonst zu viele Vitamine und Mineralstoffe entzogen werden.

chris

Foto: mcm-Archiv