Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Very British
Die traditionelle Tea-Time
Der alltägliche „five oclock tea“ ist in Großbritannien mehr als eine alte Tradition. Auch heute werden im Vereinigten Königreich jeden Tag noch mehr als 170 Millionen Tassen Tee getrunken.
Auf den Tee gekommen
Seinen Weg von China nach Europa trat der Tee erst Anfang des 17. Jahrhunderts an. Ab 1669 begannen die Engländer dann selbst mit dem Import ihres heutigen Nationalgetränkes, nachdem sie herausgefunden hatten, wie der Teeanbau in der Kronkolonie Indien möglich ist. Allerdings war Tee im 18. Jahrhundert noch so kostbar, dass es nicht einmal den Dienern der Wohlhabenden erlaubt war, ihn zuzubereiten: Sie durften nur die Utensilien an den Tisch bringen, die Zubereitung gebührte der Hausherrin. So entstand auch in England eine rituelle Form der Teezubereitung – ähnlich wie in China oder Japan, wo die Teezeremonien nach jahrhundertealten, strengen Regeln durchgeführt werden.
Um den kleinen Hunger in der langen Zeit zwischen Lunch und Dinner zu stillen, erfand der Legende nach Lady Bedford 1840 den „five oclock tea“. Für die gelangweilten, wohlhabenden Damen der Gesellschaft war es ein willkommener Zeitvertreib, sich täglich um fünf Uhr auf ein Tässchen Tee mit Gebäck zu treffen. Speziell die Oberschicht zelebrierte diese Zwischenmahlzeit prestigeträchtig mit feinen Tischdecken, Silberkannen und kostbarem Porzellan.
Gar nicht so einfach
Ein traditioneller „afternoon tea“ braucht Zeit und Muße. Schon die Mischung eines Fünf-Uhr-Tees ist anders zusammengesetzt. In England werden hauptsächlich kräftige Teesorten konsumiert, meistens Assam und Ceylon, aber auch Darjeeling.
Der Schwarztee wird lose in die Kanne gegeben und mit kochendem Wasser übergossen. Die Teeblätter werden aber nicht wieder herausgefiltert, sondern bleiben bis zur letzten Tasse im Gefäß. Dadurch wird der Tee zunehmend bitter und sehr stark. Aus diesem Grund gehört zur Ausstattung immer eine Kanne mit heißem Wasser, so dass man die Möglichkeit hat, den Tee zu verdünnen.
Danach wird der Tee aber nicht einfach in eine Tasse gegossen: Man muss sich entscheiden, ob man ein klassischer Mif oder eher ein Tif ist. Die Mifs („milk in first“) gießen zuerst die Milch in die Tasse und danach den Tee. Dieses Verfahren entstand bei den Anhängern feinen Porzellans, das leider oft zersprang, wenn man heißen Tee hineingoss. Eine kleine Pfütze mit kühlender Milch am Boden der Tasse milderte den Temperaturschock und verhinderte so den Verlust des teuren Geschirrs.
Die Tifs („tea in first“) sind risikofreudiger und gießen den Tee in die leere Tasse. Sie argumentieren mit dem Geschmack, den sie bei behutsam eingerührter Milch für besser halten. Die richtige Zubereitung und Verköstigung eines „five oclock tea“ ist heute noch häufig Bestandteil britischer Mädchenerziehung.
Tee allein macht nicht glücklich
Neben dem Tee ist aber auch eine Vielzahl an Gebäckarten und kleinen Snacks wichtiger Bestandteil der nachmittäglichen Tea-Time. Frisch gebackene Scones, eine Art Teebrötchen, dürfen bei keinem „afternoon tea“ fehlen. Dazu gehört unbedingt Clotted Cream, eine dicke, gelbliche Sahne, die auf die lauwarmen Scones gestrichen wird. Darauf kommt ein Klecks Himbeer- oder Erdbeerkonfitüre. Genauso unverzichtbar wie die Scones sind die dünnen, weichen Sandwiches aus Toastbrot. Belegt werden sie meist mit dünnen Gurkenscheiben und Kresse, mit Ei, Cheddar-Käse oder Lachs.
Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Varianten, je nach Geschmack. Zu den typischen Backwaren, die zusätzlich zum „five oclock tea“ angeboten werden, gehören Welsh Cake (Kekse mit Korinthen), Shortbread (Mürbeteiggebäck), englische Muffins, Früchtekuchen oder Fairy Cakes. Unter britischen Hausfrauen gibt es häufig noch einen wöchentlichen Backtag, an dem sie ihren Wochenvorrat an Selbstgebackenem herstellen.
Any time is tea time
Neben dem berühmten Fünf-Uhr-Tee haben die Briten aber noch weitere Tea-Times eingeführt, um möglichst oft das geliebte Getränk genießen zu können: zum Beispiel gleich nach dem Aufstehen der „early morning tea“, gefolgt vom „breakfast tea“.
Während der Arbeit genehmigen sich die Angestellten dann vormittags und nachmittags gerne eine Teepause, die schon Anfang des 19. Jahrhunderts mit Streiks durchgesetzt wurde. Nach dem „afternoon tea“ bekommt man schließlich zum Abendessen ebenfalls eine Tasse Tee gereicht, die „high tea“ genannt wird.
Auch in Deutschland und anderen Ländern erfreut sich die gepflegte Teepause nach englischem Vorbild inzwischen großer Beliebtheit, so dass zumindest dieser Teil der
britischen Küche in die Welt geht.
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