Artikel Essen & Trinken im Detail

 
Sie sind hier: Essen & Trinken / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Über den Tellerrand geschaut

So kocht und schlemmt man in Bayern

Deutschland ist nicht nur aus landschaftlicher und kulturhistorischer Sicht ein sehr vielfältiges Land, nein, auch aus kulinarischer! Wir möchten deshalb nach und nach einen Blick in die Küchen unser Bundesland-Nachbarn werfen und schauen, was da Tolles gebrutzelt, gekocht und gebacken wird. Und wir fangen ganz im Süden an: im Freistaat Bayern.

Denkt man an die bayerische Küche, dann fallen einem sicherlich sofort eine salzige Brezen, eine Weißwurst und ein Weißbier ein. Aber diese Küche ist weitaus vielschichter! Denn in Bayern treffen Lebensfreude und Genuss, Tradition und Brauchtum harmonisch aufeinander.

Generell betrachtet ist das Essen in Bayern ziemlich kalorienreich, deftig und in seinen Ursprüngen eher bäuerlicher Natur. Es ist eine Küche, die durch ihre kulturelle und regionale Nähe durchaus verwandt ist mit der fränkischen, schwäbischen, böhmischen und österreichischen, und sie nahm schon frühzeitig durch das Wirken der bayerischen Herzöge Einzug in die bürgerlichen Häuser der Städte – um es kurz zu machen: eine ländliche Küche, die hoffähig wurde.

Auch Schwein gehabt?

Ohne Schwein geht nichts in der bayerischen Küche – egal, ob in Form von Krustenbraten, Sülzen und Haxen, egal, ob in Begleitung von Biersaucen und Knödeln. Am bekanntesten ist wohl die Schweinshaxe, die natürlich nicht ohne das obligatorische Sauerkraut serviert wird. Selbst der klassische Schweinsbraten wird mit Knödeln und Sauerkraut gegessen. Anstatt Sauerkraut gibt es aber auch oft Krautsalat und Speck.

Leberkäse – der Klassiker

Der Leberkäse ist ein Klassiker in Bayern, und seit mittlerweile mehr als 200 Jahren wird diese Komposition aus fein gehacktem Rind- und Schweinefleisch hergestellt. Ein Leberkäse erfreut sich immer wieder großer Beliebtheit. Man kann ihn zur Brotzeit am Vor- oder Nachmittag genießen, in dünne Scheiben geschnitten und zwischen zwei Semmelhälften gelegt verzehren oder als Hauptmahlzeit mit Kartoffelsalat, Spiegeleiern und süßem Senf verspeisen – ganz nach Belieben.

Man „zuzelt“ die Weißwurst

Einer Erzählung zufolge soll das Münchner Original genau am 22. Februar 1857 als eine Art „Fehlprodukt“ entstanden sein und ist dem damaligen Wirtsmetzger im Gasthaus „Zum Ewigen Licht“, Joseph Moser, zu verdanken. Eben jener Joseph Moser wollte eigentlich an diesem Morgen für seine Gäste die bestellten Kalbsbratwürste zubereiten, als er feststellte, dass er keine Schafssaitlinge mehr hatte. Kurzerhand füllte er das Brät in Schweinedärme. Da er befürchtete, dass ihm die Würste beim Braten platzen würden, brühte er sie im heißen Wasser.
Übrigens: Bei Weißwürsten wird der Darm nicht mitgegessen! Sie werden entweder „gezuzelt“, d. h., der Inhalt wird mit den Zähnen aus dem Darm gezogen, oder man isst sie, indem man sie zuerst auf dem Teller längs halbiert, so dass der Darm auf der Unterseite intakt bleibt und der Inhalt mit dem Besteck quer heruntergewälzt werden kann.

Diese Nudel macht Dampf!

Die Dampfnudel ist eine traditionelle Mehlspeise der süddeutschen Küche, hergestellt aus einem Hefeteig, der nach angemessener Gehzeit zu faustgroßen Kugeln geformt und in einem geschlossenen Topf gegart wird. Die Dampfnudel kann z. B. mit Kraut, Salat, Gurken oder mit Pilzen in Rahmsauce als Hauptgericht serviert werden. Als Dessert wird sie auch gern mit warmer oder kalter Vanillesauce oder mit Heidelbeerkompott genossen.

Dazu bitte ein Weißbier!

Zu einer „ordentlichen“ Mahlzeit gehört für den Bayern immer ein gekühltes Weizenbier oder, wie man dort sagt, ein Weißbier. Bevor Sie sich aber nun ein Weißbier bestellen, sollten Sie wissen, dass man bei Weizenbieren zwischen zwei Sorten unterscheidet: Es gibt zum einen das nach der Gärung durch Filtration von der Hefe und den Schwebstoffen befreite, klare Kristallweizen und das Hefeweizen, das durch in der Flasche befindliche natürliche Schwebstoffe und/oder Hefe trüb ist und wesentlich vollmundiger schmeckt als das eher spritzige Kristallweizen. Na, dann Prost!

chris

Fotos: mein coop magazin, Bayern Tourismus Marketing GmbH