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Freitag, 10. September 2010
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Über den Tellerrand geschaut

Wer kulinarische Genüsse sucht, der wird in der Republik Servien fündig. Diese Balkanküche ist ein bunter Mix aus Tradition und Offenheit neuen Einflüssen gegenüber.

Nicht nur die Küche der serbischen Hauptstadt Belgrad, sondern auch die ihres Umlandes ist so vielfältig wie die im Lande lebenden Volksgruppen. Kein Wunder, dass der serbischen Küche innerhalb der Balkanregion eine besondere Rolle zukommt. Außerdem wird sie von vielen Kochkünsten anderer Nationalitäten beeinflusst: Und so wird aus einer Prise Mitteleuropa, einem Hauch Österreich, einer Messerspitze Griechenland und Türkei sowie einem Esslöffel Ungarn ein sehr interessanter Mix.

In den größeren serbischen Städten trifft der Besucher natürlich auch auf Restaurants, die sich beispielsweise auf die italienische, griechische oder chinesische Küche spezialisiert haben. Doch wer das besondere kulinarische Flair des Landes kennen lernen möchte, der sollte sich in Richtung der Dörfer aufmachen. Denn dort findet man noch die meisten urtypischen Gerichte und Speisen. Und: Man darf hier miterleben, was es bedeutet, gemütlich zu essen und zusammenzusitzen.

Hauptsache deftig und feurig.
An der serbischen Küche fällt auf, dass sie zu sehr kräftigen und wahrlich nicht kalorienarmen Fleischgerichten tendiert. Deftig Gegrilltes gesellt sich auf den Speisekarten gern zu heimischen Spezialitäten wie Cevapcici (Hackfleischröllchen),
Raznjici (Rind- und Schweinefleischspieße mit reichlich Zwiebeln) und Sarma (in Wein- oder Sauerkrautblätter gerolltes Rindfleisch mit Reis). Aber auch die dünnen Hackfleischfladen namens Pljeskavica verwöhnen die Gaumen. Als Nationalgericht zählt neben Djuvec (serbisches Reisfleisch mit Gemüse) und Pihtije (Schweine- oder Entenfleisch in Sülze) Musaka, ein Auflauf aus Kartoffeln und Hackfleisch. Wer Fisch und Meeresfrüchte bevorzugt, sollte sich in den Küstenregionen aufhalten. Dort ist die Chance auf ein leichteres Fischmenü am größten.

Die Serben mögen es aber nicht nur deftig, sondern auch gut gewürzt. So finden neben Gewürzen wie Ajvar, Kajmak, Rosmarin, Pfeffer, Thymian und Salbei auch Zitronen, Essigsäure, Senf und der so beliebte Sauerrahm häufig Verwendung beim Kochen.

Durchhaltevermögen gefragt.
Man sollte sich als Besucher des Landes mit einem gewissen Maß an Hunger an den Tisch setzen, denn wenn die serbischen Köche erst einmal angefangen haben, zu brutzeln, zu kochen und backen, dann gibt’s kein Halten mehr. Daraus resultiert wohl auch die Tatsache, dass ein serbisches Mahl gern aus einem kleinen Aperitif, einer Vorspeise, zwei bis drei Hauptgängen sowie einem süßen Nachtisch besteht.

Mit einem Gläschen Birnen-, Aprikosen- oder Quittenschnaps wird der Startschuss für das üppige Mahl erteilt. Als Vorspeise werden dann nicht nur gern verschiedene Käsesorten, geräucherter Speck, ein paar Oliven, gekochte Eier oder klein geschnittener Paprika gereicht; auch Suppen aller Art sind beliebte Auftaktgerichte. Dies gilt vor allem für die Serbische Bohnensuppe (Pasulj). Diese Suppe hat drei große Pluspunkte: Sie schmeckt nicht nur sensationell lecker und macht satt, sondern sie lässt sich auch bequem in größeren Mengen vorbereiten, sodass man am nächsten Tag noch einmal gut von ihr hat. Die Grundlage dieser Suppe bilden über Nacht gequollene, weiße Bohnen, angebratener Bauchspeck, Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch sowie gehäutete Tomaten. Verfeinert wird das Ganze dann mit ungarischer Salami und roten Paprikastreifen.

Leicht gesättigt von der Vorspeise betritt man nun das weite Feld der Hauptgänge, und da heißt es: durchhalten! Denn hier wird eigentlich alles nacheinander präsentiert, was Küche und Köchin (beziehungsweise Koch) so hergeben. Natürlich dürfen jetzt die beliebten Kohlrouladen sowie Spanferkel und gebratene Rinderkeule nicht fehlen! Vielleicht hilft es, nach den schweren Mahlzeiten einen der vielen exzellenten Schnäpse zu ordern. Ein Gläschen Sliwowitz, Maraskino oder Pelinkovac als Digestif kann manchmal Wunder bewirken.

Das gebietet die Höflichkeit.
Hut ab vor jedem, dem es möglich ist, sich nach diesem kleinen kulinarischen Gewaltakt noch auf die Nachspeise zu freuen. Denn jetzt kommen süße Speisen wie Torten oder anderes Backwerk sowie frisches Obst, gehackte Nüsse in Honig oder Türkischer Honig auf den Tisch. In einem traditionellen serbischen Haushalt serviert man besonders gern Gibanice, strudelähnliche Kuchen mit Mohn, Äpfeln oder Sauerkirschen. Aber was tut man nicht alles, um seinen Gastgeber nicht zu enttäuschen! Dies wird übrigens auch in dem Moment wichtig, wenn man eine Tasse des stark aromatischen, türkischen Kaffees angeboten bekommt. Selbst eingefleischte Teetrinker sollten jetzt tapfer bleiben und dieses Angebot annehmen – im Sinne der Höflichkeit ...chris

In dieser Ausgabe: Serbien.
Die Belgrader Altstadt ist ein echter Insidertipp: Sehenswürdigkeiten, Bars und Cafés säumen die Straßen.
Serbisches Nationalgericht: Pihtije - Schweine- und Entenfleisch