Artikel Essen & Trinken im Detail

 
Sie sind hier: Essen & Trinken / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Steckrüben

Ein schmackhafter Dickkopf

Steckrüben sind regional unter verschiedenen Namen bekannt. Man nennt sie auch Erdrüben, Schmalzrüben, Bodenkohlrabi, Dorschen, Wurzen, Wruken, Kullochen oder Kohlrüben. Der letztgenannte Name ist botanisch gesehen am korrektesten, denn die Steckrübe gehört tatsächlich zur Familie der Kohlgewächse.
Mit dem süßen Sirupspender Zuckerrübe oder der vorwiegend als Viehfutter verwendeten Runkelrübe ist sie nicht verwandt.

Inhaltsstoffe in 100 g
verzehrbarem Anteil (Mittelwerte)
 
Wasser 82 g
Kohlenhydrate 7 g
Eiweiß 1 g
Fett 0 g

Brennwert 100 – 150 kJ
bzw. 24 – 36 kcal
Steckrüben enthalten wichtige Mineralstoffe wie Kalzium und Kalium sowie die Vitamine C, B1 und B2, Karotin (Provitamin A) und Niacin.Der ernährungsphysiologische Wert der Steckrübe liegt in ihrem hohen Zuckergehalt. Vor allem enthält sie viel Energie spendenden und belebenden Traubenzucker. Trotzdem haben Rüben ausgesprochen wenige Kalorien. Sie brauchen es beim Essen also nicht mit dem Riesengebirgsgeist „Rübezahl“ zu halten und jedes Rübchen einzeln zu zählen!

Jetzt kommt Handfestes auf den Tisch!

Woher diese vermutlich schon sehr alte Kulturpflanze ursprünglich stammt, ist unbekannt. Heute wird sie in allen gemäßigten Klimazonen der Welt angebaut. Den deutschen Markt bedient hauptsächlich die heimische Produktion. Ab September sind frische Steckrüben im Handel. Beim Kauf dieses gesunden Wintergemüses haben Sie dann wirklich etwas sehr Solides in der Hand: Die kopfgroße Wurzelknolle der Steckrübe ist 1–1,5 kg schwer. Unter ihrer rauen, je nach Sorte grünlichen, weißlich gelben oder rötlich braunen Schale verbirgt sich das zarte, gelbliche bis orangefarbene Fruchtfleisch mit seinem unverkennbaren Geschmack: leicht süßlich und gleichzeitig herb-würzig.

Suppe, Steak und Beilage zugleich

Wenn Sie Ihre Steckrüben-Beute nach Hause getragen haben, sollten Sie sie nicht länger als eine Woche im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Sonst verliert sie an Geschmack. Vor der Zubereitung werden die Rüben gewaschen, großzügig geschält und nach Bedarf in Scheiben, Würfel oder Stifte geschnitten. Dann ca. 30 Minuten in etwas Fett dünsten oder 40–45 Minuten kochen lassen. Ein Spritzer Essig oder Zitrone im Kochwasser verfeinert das Aroma.

Nach Geschmack mit Muskatnuss gewürzt, ergeben Steckrüben eine köstliche Beilage zu Fleischgerichten. Doch der wahre Klassiker ist natürlich ein deftiger, in Brühe gekochter Steckrübeneintopf. Auch als Püree („Rübenmus“), in Aufläufen oder als vegetarisches Steckrübensteak gebraten, schmeckt die Knolle ausgezeichnet. Sie können Steckrüben-Stäbchen sogar wie Pommes frites in die Friteuse geben.

Der berüchtigte „Steckrübenwinter“

Steckrüben waren lange Zeit ein etwas verpöntes Gemüse. Weil es in Notzeiten immer wieder das blanke Überleben sicherte, genoss es unter lukullischen Gesichtspunkten keine besondere Wertschätzung.
Vor allem im so genannten „Steckrübenwinter“ gegen Ende des ersten Weltkriegs (1916/17), in dem es aufgrund der schlechten Versorgungslage in Deutschland kaum noch etwas anderes zu essen gab als Rüben. Verständlich, dass eine Generation, für die über viele Monate hinweg „morgens Kohlrübensuppe, mittags Kohlrübenkotelett und abends Kohlrübenkuchen“ auf dem Speiseplan stand, etwas den Appetit darauf verloren hat …
Doch inzwischen ist die Steckrübe längst über die Rolle des „Kriegsgemüses“ hinausgewachsen. Heute kreieren stattdessen Europas Sterneköche auf ihrer Grundlage immer neue köstliche Gerichte.


mimu