Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Schlank - aber mit Verstand!
Welche Diäten sinnvoll sind und welche man besser bleiben lassen sollte.
Hurra, das Frühjahr naht! Doch bei der Kleid-Anprobe vorab sagt der Spiegel: »Hm … Was sind denn das da für Röllchen unter dem luftigen Stoff? Die waren letztes Jahr doch noch nicht da?« Da hilft nur eins: Ich mache eine Diät!
Aber welche ist die Richtige? Man könnte zum Beispiel tagelang nur von Reis, Kohlsuppe oder Instantpulver mit Erdbeergeschmack leben. Nach einer perfekten Laufsteg-Figur klingt aber eher die »Karl-Lagerfeld-Diät«, bei der es zudem so feine Gourmet-Gerichte wie Kalbsschnitzel an Rosmarinzweigen zu genießen gibt. Allerdings funktioniert diese Diät nur, wenn man täglich rund 15 Kapseln mit Vitaminen, Appetithemmern und anderen Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nimmt, die man – exklusiv und teuer – direkt über Lagerfelds Leibarzt Dr. Houdret beziehen muss.
Nur noch »halbe Sachen« essen?
Etwas ordinär, aber recht plausibel klingt das Diätkonzept »Friss die Hälfte (FdH)«: einfach die Portionen halbieren, die auf den Teller kommen. Das Problem daran ist jedoch: Wer sich vor dieser Diät schon falsch ernährt hat, der tut das nun auch weiterhin. 50 Prozent weniger davon machen aus Pommes/Currywurst keinen echten Gesund- und Schlankmacher!
Normalerweise versteht man unter »Diät« den vollständigen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel. Aber auf welche? »Kohlenhydrate sind die schlimmsten Dickmacher!«, sagen die Vertreter der so genannten »Low-Carb«-Diäten, bei denen vorzugsweise Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis weggelassen werden.
Hierzu gehört zum Beispiel die für die Filmstars der 1920er entwickelte »Hollywood-Diät«, bei der nur 600 bis 800 Kilokalorien täglich erlaubt sind. Diese werden hauptsächlich aus eiweißreichen Shrimps, Fisch, Lamm und Geflügel sowie aus exotischen Früchten bezogen.
Sehr proteinlastig ist auch die in den 1950er-Jahren entwickelte »Mayo-Diät«, nach deren Vorgaben unter anderem Liz Taylor pro Woche über 20 Eier verzehrte – was aus heutiger Sicht sehr bedenklich ist.
In den 1970er-Jahren setzte der amerikanische Arzt Robert Atkins dann Speck, Wurst, Käse und Sahne in unbegrenzten Mengen auf den Diätplan. Neben Eiweiß ist auch Fett okay, fand er – nur die bösen Kohlenhydrate nicht. Wer keine Angst davor hat, seine Cholesterinwerte hemmungslos in die Höhe zu treiben, kann es ja einmal mit dieser Variante probieren.
Langfristig vernünftig
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Stiftung Warentest und andere Prüfstellen raten von diesen Diätformen ab. Nicht nur, weil sie zu einem Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen führen können, sondern auch, weil nach Abschluss der Diät umgehend Heißhunger auf das lange Verbotene einsetzt – und damit der bekannte »Jojo-Effekt«.
Klüger als jede kurzfristige Reduktionsdiät ist es nach Expertenmeinung, sich auf Dauer für eine bewusste, gesunde Ernährung zu entscheiden – und diese zusätzlich durch körperliche Aktivität zu unterstützen. Nur so kann man sich von der Lebensweise befreien, die einen zu dick gemacht hat.
Als guter Einstieg in die Umstellung gelten die so genannten »Low-Fat«-Diäten, die sich an die Devise halten: »Wie schon der Name sagt: Fett macht fett!« Hierzu gehören zum Beispiel die von der Schauspielerin Christine Neubauer kreierte »Vollweib-Diät« oder die »Pfundskur« nach Dr. Volker Pudel, bei der neben dem bewussten Konsum von nur 20 »Fettaugen« täglich (= 60 Gramm Fett) Ernährungstagebücher und schriftlicher Austausch mit Fachleuten dabei helfen, das individuelle Essverhalten zu verbessern.
Die Gewichtswächter und die »Glyx«-Diät
Bei den »Weight Watchers« dagegen trifft man sich einmal in der Woche in der Gruppe, um einander gegenseitig zum Durchhalten zu motivieren. Hier ist allen Lebensmitteln eine bestimmte Punktzahl zugeordnet, deren tägliches Limit individuell für jeden Teilnehmer festgelegt wird. Zahlreiche im Handel erhältliche »Weight Watchers«-Gerichte erleichtern die linientreue Ernährung.
In aller Munde sind heute auch die so genannten »Glyx«-Diäten, bei denen nicht auf Kalorien, sondern auf den glykämischen Index (GI) geachtet wird. Dieser Index erfasst die Wirkung der Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel nach der Faustformel: je höher der GI, desto schneller werden wir schon bald nach dem Essen wieder von Heißhungerattacken gebeutelt.
Ein GI unter 50 gilt als gut, ein GI über 70 als kritisch. Figurfeinde sind demnach zum Beispiel – neben Süßigkeiten, Weißbrot oder geschältem Reis – auch gekochte Karotten (= GI 85), während rohe Karotten (= GI 30) sowie brauner Reis und andere Vollkornerzeugnisse, fettarme Milchprodukte, Fleisch, Eier und Früchte zu den Figurfreunden gehören.mimu
Was »Diät« ursprünglich meint
Das Wort »Diät« ist vom griechischen Begriff »díaita« abgeleitet, der schon von Hippokrates von Kos, dem Vater der modernen Medizin, in einem sehr weit gefassten Sinne als »Lebensweise« verstanden wurde. Gemeint ist hier also mehr als nur ein »Abspecken auf die Schnelle«. Vor allem findet eine Diät nicht nur auf dem Teller statt - sondern auch in der Sporthalle oder auf dem Jogging-Pfad!







