Artikel Essen & Trinken im Detail

 
Sie sind hier: Essen & Trinken / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Rundherum winterfest

Kohlgemüse ist zwar das ganze Jahr hindurch im Angebot; doch jetzt, wo Herbst und Winter nahen, ist die Auswahl größer denn je.

Die Kohlfamilie ist nicht gerade eine Kleinfamilie. Große »Dickköpfe« wie Weiß- und Rotkohl, Wirsing oder Spitzkohl sind hier ebenso Mitglied wie der handliche Kohlrabi und der niedliche Rosenkohl. Feingliedrig und zum Teil recht bizarr geformt gesellen sich Grünkohl, Broccoli, Blumenkohl und Romanesco zum Verwandtenkreis.

Teltower Rübchen, Steckrüben, Raps und Senf werden ebenfalls zu den Kohlpflanzen gezählt. Und natürlich der Chinakohl, ein – auch botanisch gesehen – eher entfernterer »Cousin« unserer heimischen Gemüsekohlarten.

Das Oberhaupt und sein Kraut
Der Vitamin-C-reiche Weißkohl, der vor allem im Herbst und Winter Saison hat, ist der wichtigste und bekannteste aller Kohlköpfe. Er gilt als »typisch deutsches« Gemüse. Der Spitzname »Krauts«, den die Engländer und Amerikaner den Deutschen im Zweiten Weltkrieg gaben, hängt unmittelbar mit dem bei uns auffallend gern genossenen Sauerkraut zusammen, das aus Weißkohl gewonnen wird.

Eine Variante des Weißkohls ist der Spitzkohl, der sich von seinem großen Bruder nicht nur durch die spitz zulaufende Form, sondern auch durch eine zartere, lockerere Blattstruktur, einen dezenteren Geschmack und bessere Verdaulichkeit unterscheidet.

Der »Krauskopf« Wirsing schmeckt ebenfalls etwas milder als der Chef der Kohlfamilie. Dies gilt vor allem für den Frühwirsing, der schon im Sommer geerntet wird, während der festere Herbstwirsing mit einem ausgeprägteren Aroma aufwartet.
Grünkohl und Rosenkohl erscheinen als letzte beim Familientreffen. Sie entfalten ihren vollen Geschmack erst dann, wenn sie nach dem ersten Frost geerntet werden.

Die Gerüchteküche und die Garzeit
Zu Unrecht wird dem Kohl nachgesagt, dass er schwer im Magen liegt. Wenn es nach einem deftigen Kohleintopf im Bauch grummelt, dann ist daran garantiert nicht das von Haus aus kalorienarme Gemüse schuld. Zu den wahren Tatverdächtigen zählen vielmehr die fettigen Zutaten drumherum oder auch eine zu lange Kochzeit.

Kohl sollte nur so lange erhitzt werden, bis er gar, aber noch bissfest ist. Wer ihn zu lange köcheln lässt, zerstört nicht nur wichtige Vitamine, sondern auch die in diesem Gemüse ursprünglich vorhandenen Begleitstoffe, die es bekömmlicher machen. Gewürze wie Kümmel, Lorbeerblätter, Knoblauch und Fenchel runden Kohlgerichte geschmacklich ab und regen zusätzlich die Verdauungssäfte an.

Wenn sich das »Großprojekt« Kohlkopf nicht mit einer Mahlzeit bewältigen lässt, kann der angeschnittene Kopf abgedeckt gut noch einige Zeit im Kühlschrank gelagert werden.

Kohlblätter statt Taschentücher
Als klassisches Wintergemüse kommt uns der Kohl gerade recht: Er enthält eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die unserem Organismus entgiften und die Körperzellen vor Viren und Bakterien schützen. Je öfter Sie Ihren Kohldampf also mit Kohl stillen, desto besser funktioniert Ihr Abwehrsystem und die nächste Erkältungswelle rollt ganz einfach an
Ihnen vorüber!

Nördlich-deftig
In Dithmarschen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste liegt Europas größtes Kohlanbaugebiet.
Auf rund 2800 Hektar wachsen hier alljährlich gut 80 Millionen Kohlköpfe heran.


Inhaltsstoffe in 100 g
verzehrbarem Anteil (Mittelwerte)


Weißkohl
Eiweiß 1,4 g
Kohlenhydrate 5,6 g
Fett 0,1 g
Brennwert 103 kJ bzw. 25 kcal

Wirsing
Eiweiß 3 g
Kohlenhydrate 2 g
Fett 0,3 g
Brennwert 100 kJ bzw. 24 kcal

Spitzkohl
Eiweiß 2,1 g
Kohlenhydrate 2,7 g
Fett 0,3 g
Brennwert 96 kJ bzw. 23 kcal

Foto: convenience-guide food studio