Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Mit Stil genießen
Wer die Grundregeln der Tischkultur beherrscht, macht auch in größerer Runde und bei öffentlichen Anlässen eine gute Figur.
Was so leichtfüßig als »Tischkultur« daherkommt, ist in Wirklichkeit das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Werte, Einstellungen und Regeln, die – je nach Tradition und Lebensstil – bei, vor und am Tisch eingehalten werden (sollten).
Bis zum heutigen Tag sind gute Manieren bei Tisch und eine gepflegte Tischkultur ein Zeichen dafür, wie es um die gute Kinderstube bestellt ist. Wenn auch nicht am heimischen Küchentisch, so fallen Verfehlungen in der Gesellschaft meist unangenehm auf. Es muss nicht der fünftägige »Benimmkurs« sein, der auf alle Eventualitäten eine Antwort weiß – aber mit ein paar Basics ist man zumindest ganz gut vorbereitet.
Mehr als gute Sitten
Klar ist, dass bei Tisch ein Mindestmaß an guten Sitten oder auch Manieren einzuhalten ist. Aber das würde dem Begriff »Tischkultur« nicht ganz gerecht werden, sie sind nur ein Teilbereich davon, die sich leicht lernen lassen. Vielmehr ist die Rede von »Kultur« – und dazu gehört Tradition, Kommunikation, Kunst und Gesellschaft.
Es ist eine Lebenseinstellung, zu der Genuss ebenso gehört wie die Verständigung auf Spielregeln, die von allen freiwillig eingehalten werden. Es geht um Rituale, die für alle Beteiligten die Freude am Essen vergrößern. Sei es, wenn es darum geht, den anderen zuzuhören oder sie ausreden zu lassen, sich eine geschickte Sitzordnung zu überlegen, einen Fisch sachgerecht zu filetieren (um die Gräten möglichst vollständig zu entfernen) oder dadurch, dass man einvernehmlich auf Störungen wie das Telefonieren oder Rauchen verzichtet. Nicht zuletzt gehört auch die optische Komponente dazu wie ein schönes Geschirr oder liebevoll und angemessene Tischdeko.
Jetzt neu: mit Gabel
Die Sitte, auf vornehme Weise die Mahlzeiten zu sich zu nehmen, ist noch nicht besonders alt. Noch bis ins 17. Jahrhundert hinein wurde ungeniert mit den Fingern zum Mund geführt, sogar der Sonnenkönig Ludwig der XIV. hat das Ragout mit seinen Fingern gegessen, nur der Holzlöffel und das Messer waren damals als Ess-Werkzeuge bekannt. Die Gabel wurde lediglich zum Aufspießen von Obst oder Konfekt benutzt. Erst mit der industriellen Massenproduktion hat sich die Gabel bei Tisch durchgesetzt.
Gemessen an der Gesamtbevölkerung jedoch ist Besteck, so wie wir es kennen, nicht das meistgenutzte Hilfsmittel. In China wird schon seit 3500 Jahren mit Ess-Stäbchen gegessen, mehr aus praktischen Gründen, da die meist heiß frittierten Speisen dort dringend einen »Sicherheitsabstand« brauchten. Getoppt wird diese Art zu Essen nur noch durch die guten alten Finger. Über vier Milliarden Menschen verlassen sich weder auf Stäbchen noch auf Besteck. Auch bei uns hält diese Sitte wieder mehr und mehr Einzug: Fastfoodgerichte werden in der Regel mit und aus der Hand gegessen und auch so genanntes Fingerfood ist auf größeren Veranstaltungen wie Empfängen immer mehr im Kommen.
Benimm ist in!
Auch das schönste Ambiente und die erlesensten Speisen können ungehobeltes Verhalten bei Tisch nicht wettmachen. Nicht nur im privaten Kreis, auch bei offiziellen Anlässen sind es gerade die kleinen, aber feinen Details bei Tisch, die als Beweis für ein so genanntes gutes Elternhaus dienen. Auch Firmen testen gerne die gastronomische Parkettsicherheit potenzieller Mitarbeiter. Hier die wichtigsten Grundregeln kurz zusammengefasst:
- Den Startschuss zum Essen gibt der Gastgeber – es ist sein Abend und er ist der Regisseur.
- Wer zum Salz- und Pfefferstreuer greift, ohne vorher probiert zu haben, beleidigt Koch und Gastgeber gleichermaßen.
- Besteck wird weder als Dirigierstab benutzt (zur gestenreichen Untermalung nachdrücklicher Worte) noch wird das Messer abgeleckt.
- Die Reihenfolge in Sachen Besteckbenutzung ist ganz einfach: immer von außen nach innen (sofern mehrere Gänge vorgesehen sind). Oberhalb des Platztellers, also parallel zur Tischkante, liegt das Besteck für das Dessert.
- Brot oder Brötchen werden nicht geschnitten, nur abgebrochen – alles weitere findet auf dem Brötchenteller statt. Der steht, wie auch der Salat, links vom Platzteller.
- Mit Gläsern verhält es sich ähnlich wie mit dem Besteck: Grundsätzlich stehen sie rechts vom Gedeck und auch hier heißt es: von (schräg rechts) vorn nach (schräg links) hinten.
- Die Serviette hat um den Hals oder auf dem Tisch nichts zu suchen – sie gehört auf den Schoß.
- Zu guter Letzt: Die Arme haben unter dem Tisch nichts verloren. Und immer Haltung bewahren!
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