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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Meister Lampe greift zum Farbtopf

Bunte Farben gehören zum Frühling wie das Ei zum Hasen. Nun ja, zumindest dann, wenn Ostern vor der Tür steht ...

Ostern ist für die meisten Christen das heiligste Fest. Seine Bräuche mit anderer Herkunft machen es aber auch zu einem Fest der Kinder, die mit Feuereifer jedes Sofakissen umdrehen und hinter alle Sträucher im Garten luschern, ob dort nicht eine bunte Überraschung versteckt ist. Und die allergrößte Freude ist wie immer die Vorfreude: die Osterbastelei!

Klar, bunte Eier kann man fix und fertig kaufen. Sie selbst zu färben und zu dekorieren macht aber eindeutig mehr Spaß. Wer auf künstliche Farben verzichten möchte, da sie oft bis ins Eiweiß färben oder weil man allergische Reaktionen fürchtet; wer Spaß am Experimentieren hat und gerne bastelt, der braucht nur zuzugreifen: Mutter Natur reicht uns die gesamte Farbpalette.

Probieren Sie doch mal Heidelbeeren mit Petersilie!
Natürliche Färbungen sind oft nicht so kräftig wie chemische, aber mit etwas Fantasie und Geduld bekennt am Ende jedes Ei Farbe und trägt Ihre ganz persönliche Note.

Ob ausgeblasen oder gekocht: Vor dem Färben empfiehlt es sich, die Eier gründlich mit Essigwasser zu reinigen, damit sie die Farbe besser annehmen. Freilandeier, wie sie hier im Markt erhältlich sind, eignen sich am besten, da ihre Schalen kräftiger sind und der Inhalt – nebenbei bemerkt – auch viel besser mundet!
Hier nun ein paar Beispiele zur natürlichen Farbherstellung aus Küche, Garten und Wald:

So wird es bunt!

  • rot:Malventee, Schwarze Johannisbeeren, Apfelbaumrinde, Birkenrinde
  • violett: Rote Bete, Rotkohlblätter
  • blau: Heidelbeeren, Holunderbeeren (beides auch als Saft)
  •  grün: Petersilie, Spinat, Efeublätter, kalter Matetee
  • hellgelb: heißer Matetee
  • gelb: Kamillenblüten, Safran, Apfelbaumblätter
  • gelbgrün: Brennnessel, welke Birkenblätter
  • orange: wer hätte das gedacht: Karotten
  • braun: Kaffee, Tee, Zwiebelschalen
Färbematerial
Menge für 2 l Wasser
Einweichzeit
Kochzeit
Frischpflanzen, Gemüse
500 g
30 – 40 Minuten
30 – 40 Minuten
Blätter, Blüten, Beeren
30 – 100 g
einige Stunden
30 – 60 Minuten
Wurzeln, Rinden, Hölzer
30 – 100 g
1 – 2 Tage
1 – 2 Stunden
Pulver
3 – 4 TL
30 Minuten
30 Minuten
Tee, Kaffee
30 – 50 g
20 – 30 Minuten
20 – 30 Minuten

Zum Sortiment des Apothekers gehören Rot- und Blauholzspäne, Krappwurzel (auch »Färberröte« genannt) und rotes Sandelholz sowie Kurkumawurzel (Gelbwurz), Wermutpflanzenkraut für einen Grünstich und vieles mehr. Lassen Sie sich beraten!

Ein Ei mit Charakter
Um den Farbsud herzustellen, muss unter Umständen eine gewisse Vorlaufzeit eingeplant werden. Große Pflanzenteile (zum Beispiel Rote Bete, Karotten) werden geraspelt. Manche Substanzen wie Rinden oder getrocknete Beeren müssen zunächst eingeweicht werden.

Ist der Sud fertig, sollte er zunächst gefiltert werden (zum Beispiel durch eine Kaffeefiltertüte oder ein aussortiertes Baumwolltuch). Zusatzstoffe wie Pottasche intensivieren die Farbe, Eisensalz verdunkelt (vor allem Gelb und Grün) und Essig dient der Aufhellung.
Hart gekochte Eier sollte man noch abschrecken, bevor sie in den erkalteten Sud gelegt werden. Jetzt heißt es »Abwarten und Tee trinken«, bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist. Ist die Farbe trocken (dazu legen Sie die Eier am besten auf ein Küchentuch), verhilft eine Politur mit ein paar Tropfen Speiseöl dem ovalen Meisterwerk zu wahrem Glanz.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Verzierungstechniken variieren von »total simpel« bis »fürchterlich schwierig«. Einfach ausprobieren! Da wäre zunächst das Marmorieren: Verteilen Sie mit einem Plastikhandschuh etwas Farbe auf einer glatten Fläche und wälzen Sie das gekochte Ei darin, solange es noch warm ist. Nachdem die Farbschicht getrocknet ist, wiederholen Sie den Vorgang so oft, bis die gewünschte Intensität erreicht ist.

Etwas Fingerspitzengefühl erfordert die Wickeltechnik: Man umwickelt das Ei mit Zwiebelschalen, bindet es in einen Nylonstrumpf und legt es in den Sud (man kann auch Motive mit einarbeiten, indem man beispielsweise Efeublätter mit dem Strumpf am Ei fixiert). Erst wenn die Farbe getrocknet ist, kann der Strumpf entfernt werden.

Eine weitere Möglichkeit heißt Batik: Vor dem Färben können mit Zitronensaft (oder Konzentrat) Muster auf das gekochte Ei aufgetragen werden. Hier eignen sich feine Pinsel oder Wattestäbchen. Die behandelten Stellen nehmen keine Farbe an.

Zwei linke Hände mit lauter Daumen? Oje, dann stellt die Wachstechnik eine echte Herausforderung dar: Hier werden mit einem Stecknadelkopf, der in flüssiges Kerzenwachs getunkt wird, filigrane Muster auf die Schale aufgetragen. Für einen besseren Griff steckt man das spitze Ende der Nadel in das stumpfe Ende eines Buntstiftes.
Nach dem Färben und Trocknen vorsichtig die Wachspünktchen mit einem weichen Tuch entfernen. Mit etwas Übung kann sich das Ergebnis wirklich sehen lassen!

tide

 

Fotos: Shutterstock