Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Kristalle vom Zuckerbäcker
Kandis
Es gibt sie in allen Größen, von hell bis dunkel und sogar als Spezialität am Faden oder am Holzstäbchen. Die Rede ist vom Kandis.
Zu einem gepflegten Teestündchen gehört in jedem Fall Kandiszucker, und wer stilvoll auftrumpfen will, reicht seinen Gästen einen Kandisstick.
Kandis hat eine alte Tradition und wurde schon lange vor der englischen „Tea Time“ von Arabern und Ägyptern als Heilmittel eingesetzt. Sie müssen an die Kraft des Süßen geglaubt haben, denn bei den an Edelsteine erinnernden Gebilden handelt es sich bloß um grob kristallisierten Zucker.
Auf die Finger geschaut!
Obwohl der Kristallisationsprozess ein natürlicher Vorgang ist, wird zur Kandisherstellung fachmännisches Können benötigt. Eine hochkonzentrierte Zuckerlösung wird in ein „Potte“ genanntes Gefäß gegeben und bei hoher Raumtemperatur manchmal über Wochen auskristallisiert. Das sensible Jonglierspiel mit Zuckergehalt, Konsistenz und Raumtemperatur rechtfertigt den Spezialisten. Nur wer den richtigen Umgang mit diesen Zutaten meistert, kann später als Belohnung den Kandis aus der Potte brechen.
Als besondere Leckerbissen (auch fürs Auge) werden Fadenkandis und Kandis am Stäbchen gehandelt. Für deren Fertigung ist handwerkliches Geschick gefragt. Nicht ganz so viel Sorgfalt erfordert die Herstellung von Krusten- und Krümelkandis – ausreichend Zeit zum Reifen brauchen allerdings auch diese Artikel.
Geschmacks-Geständnis!
Wie schmeckt denn der Tee nun besser? Fans verfechten eisern die Meinung, der Tee schmecke nur mit Kandis gut, jedoch kann dies lediglich auf die braune Variante zutreffen. In den dunklen Brocken ist der Röststoff Karamell enthalten, der durch starkes Erhitzen gebildet wird und ein feines Aroma spendet.
Die weiße Sorte hingegen unterscheidet sich zumindest stofflich nicht vom allgemein gebräuchlichen Raffinadezucker. Aber weil das Auge bekanntlich mitisst, ist es wohl eher seine schmuckvolle Erscheinung, die dem Kandis im Wettbewerb aufs Treppchen hilft. Zudem löst er sich nur ganz langsam Tasse um Tasse und lädt so auch den schnelllebigen Menschen zum inneren Verweilen ein.
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