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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Jeder braucht ein warmes PLÄTZCHEN

Praktische Backtipps für die Vorweihnachtszeit

Ohne Gebäck läuft in diesen Wochen gar nichts mehr. Es herrscht sozusagen „süßer Ausnahmezustand“, denn sogar im Büro steht alle naslang ein Teller mit Kuchen und Keksen auf den sonst so hochoffiziellen Konferenztischen. Und wenn Anfang Dezember mit dem 1. Advent die Vorweihnachtszeit offiziell eingeläutet wird, dann geht’s rund in Deutschlands Küchen.

Plätzchenbacken – das gehört zur Vorweihnachtszeit wie der Adventskranz und das Türchenöffnen vom Adventskalender. Die Großen mögen’s – und die Kinder lieben es sowieso. Rühren, kneten, Formen ausstechen und vor allem immer wieder zwischendurch naschen, das macht besonders in Gesellschaft großen Spaß.

Gut vorbereitet ins Backvergnügen

Was liegt da also näher, als sich jetzt mit der ganzen Familie in die Küche zu begeben, Schürzen umzubinden und sich gemeinsam auf die Weihnachtszeit einzustimmen? Sie können natürlich auch gerne Freunde ihrer Kinder dazu einladen, vielleicht macht’s dann sogar noch mehr Spaß. Aber an ein paar kleine Dinge sollten Sie denken, bevor es in der Küche losgeht:

Zuallererst dies: laden Sie auf keinen Fall mehr Kinder ein als Platz in der Küche ist, sonst wird aus dem fröhlichen Backereig­nis ganz schnell eine kleine Rangelei. Und damit der zwar leckere, aber dennoch sehr klebrige Teig nicht auch noch die Kleidung verziert, empfiehlt sich für jedes Kind eine Schürze. Unser dritter Tipp: Stellen Sie am besten alle Zutaten und Back-Utensilien schon vor dem Eintreffen der Kinder bereit. Sie wissen, wie ungeduldig die Kleinen sein können!

Achten Sie darauf, dass ausreichend Schüsseln sowie Rührlöffel etc. vorhanden sind. Denn wenn’s erst einmal „rund geht“, braucht jeder „Bäcker“ sein eigenes Werzeug. Und nicht vergessen: Kinder lieben Verzierungen! Besorgen Sie also ausreichend bunte Streusel, Schoko-Dekor oder Glasuren, in möglichst auffälligen Farben.

Für Kreativität sorgen aber nicht nur die Farben, sondern auch die Formen. Merkwürdigerweise schmecken selbst uns Erwachsenen immer die Kekse am  besten, die uns von ihrer Form her am meisten ansprechen. Da geht es den Kindern nicht anders. Je toller also die Form, desto lieber wird’s gebacken - und gegessen. Sie können natürlich gekaufte Ausstechformen verwenden, oder aber mit Schabolen ganz individuelle Lieblings-Figuren anfertigen. Wie auch immer Sie’s machen: Es wird ein toller Spaß für die ganze Familie, versprochen!

Nur Selbstgebackenes macht’s möglich

Aber Backen macht nicht nur viel Freude, sondern durch Selbstgebackenes kann man sowohl auf individuelle Vorlieben als auch auf gesundheitliche Probleme besser eingehen. Denn es ist nicht zu leugnen: immer mehr Kinder und Erwachsene leiden unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die auch vor Kuchen und leckerem Gebäck nicht Halt machen. Milcheiweißallergien oder Neurodermitis sind leider keine Seltenheit mehr. Für alle, die „gesund“ backen möchten, haben wir ein paar informative Tipps, wie man sich die Vorweihnachtszeit trotzdem schön gestalten kann.

Je dunkler das Mehl …

Ähnlich wie beim Kauf von Brot trennt sich auch bei der Wahl des Mehls, das man zum Backen verwenden möchte, quasi die „Spreu vom Weizen“. Manche lieben ihr helles Weizenbrot über alles und würden es niemals gegen ein anderes, dunkleres Brot eintauschen, egal, wie viel gesünder es eventuell ist.

Andere wiederum möchten sich vollwertig ernähren und haben gemerkt, dass dunkles Mehl satter macht und für eine aktive Darmtätigkeit von großem Vorteil ist. Natürlich kann dieses Mehl auch hervorragend zum Backen von Keksen und Kuchen verwendet werden.

Man muss allerdings beachten, dass dunklere Mehle bei der Teigzubereitung mehr Flüssigkeit benötigen – sei es Wasser, Milch oder eine Mischung aus beidem. Generell gilt folgende Faustregel: Wenn Sie Ihr gewohntes Backrezept statt mit dem „normalen“ Haushaltsmehl einmal mit anderen Mahlerzeugnissen probieren wollen, erhöhen sich die Flüssigkeitsmengen etwa um folgende Prozentsätze: Bei Weizenmehl der Type 1050 geben Sie 15 % mehr Flüssigkeit hinzu als gewohnt. Wenn Sie die Type 1050 und Weizenvollkornmehl je zur Hälfte verwenden: 15 – 20 % mehr Flüssigkeit einkneten. Noch mehr Flüssigkeit, nämlich 25 %, sind bei Weizenvollkornmehl als „Solo-Zutat“ nötig. Dies sind wie gesagt grobe Richtlinien, denn Mehl ist ein Naturprodukt und da kann es schon einmal sein, dass etwas mehr oder weniger Flüssigkeit benötigt wird, damit der Teig die gewünschte Konsistenz bekommt.

Dinkel & Co. – Uriges Getreide ist wieder „in“

Seit einigen Jahren gibt es sie wieder: Einkorn, Emmer und Dinkel! Jeder, der ihre speziellen Backeigenschaften kennt, wird bestätigen, dass man aus diesem Urgetreide durchaus herzhafte Brote, leckere Kuchen und viele andere Gebäckspezialitäten zaubern kann. Werfen wir einen Blick zurück: Schon vor tausenden von Jahren bauten unsere Vorfahren Urgetreidesorten wie diese an – Sorten, die leider durch die ertragreicheren Hart- und Weichweizen bald in Vergessenheit gerieten.

Während Emmer und Einkorn erst seit wenigen Jahren wieder in Deutschland angebaut werden, erlebt Dinkel bereits seit etwa 20 Jahren eine Renaissance – dem verstärkten Interesse an hochwertigen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln sei Dank.

Dinkel überzeugt vor allem durch seinen typisch nussigen Geschmack, seine hervorragenden Backeigenschaften und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. In Süddeutschland, dem heutigen Hauptanbaugebiet des Dinkels, wurde das Getreide früher vor allem für schwäbische Spätzle verwendet.

Längst weiß man aber, dass es sich auch hervorragend zu Hefegebäck, Rührteig und Brot verbacken lässt. Und weil Dinkel mehr Randschichten als Weizen besitzt, wird für den Teig auch mehr Flüssigkeit benötigt, was zur Folge hat, dass man zunächst zwar einen klebrigen, zähen Teig erhält, am Ende aber mit einem umso lockereren Gebäck belohnt wird.

Dinkel gedeiht übrigens selbst unter härtesten klimatischen Bedingungen. Dieses Getreide zeichnet sich gegenüber Weizen durch einen sehr hohen Protein-, Vitamin- und Mineralstoffgehalt aus. Ungewöhnlich stark ist auch der Gehalt an gesunder Kieselsäure im Dinkel, die sich positiv auf Haut und Haare auswirkt.

100 g Dinkel haben 320 kcal/1340 kJ und enthalten 12,5 g Wasser, 11,6 g Protein, 2,7 g Fett, 62,5 g Kohlenhydrate, 8,8 g Ballaststoffe, 3 mg Natrium, 349 mg Kalium, 24 mg Kalzium, 384 mg Phosphor, 114 mg Magnesium sowie 3 mg Eisen.

Bei Neurodermitis Zucker nur in Maßen genießen

Neurodermitiker gehören leider auch zu denen, die die Vorweihnachtszeit aus kulinarischer Sicht oft nicht richtig genießen mögen, weil überall süße Versuchungen lauern, die einen Neurodermitisschub auslösen können, wie z. B. Äpfel, Nüsse, Mandeln und Gewürze. Aber auch in jedem Zimt­stern und jedem Lebkuchen könnten „riskante“ Bestandteile enthalten sein! Deshalb hier unser Hinweis, dass sich zum „neurodermitis-freundlichen“ Backvergnügen besonders angeröstete Haferflocken, Amaranth und Kokosflocken eignen.

Überzogen werden sollte das Gebäck danach mit Zuckerguss oder Glitzerperlen anstatt mit Schokolade. Und keine Furcht vor Bratäpfeln: Durch die Hitze beim Backen werden die Allergene zerstört und selbst Apfel-Allergiker vertragen diese Leckerei in der Regel gut.

Neurodermitiker müssen also nicht generell auf Weihnachtsgebäck verzichten, aber gerade bei industriell gefertigten Produkten sollten Betroffene Vorsicht walten lassen. Mit Selbstgebackenem dagegen ist die Sicherheit am größten, dass keine allergieauslösenden Zutaten enthalten sind.

Fassen wir also zusammen: Selbst backen macht nicht nur viel Spaß, nein, es stimmt die ganze Familie auch auf die gemütliche Vorweihnachtszeit ein – und das ist es doch, was gerade in den kommenden Wochen so groß geschrieben werden soll!

Wohl denen, die unbeschwert alles Leckere genießen können. Aber auch diejenigen mit Ernährungsschwierigkeiten müssen, wie Sie gesehen haben, in puncto Gebäck und Plätzchen nicht den Kopf hängen lassen. Vielmehr sollte jeder nur darauf achten, dass er seinen ganz persönlichen Weg findet. Und Selbstgebackenes macht’s möglich!

Also, wie wär’s? Laden Sie Ihre Kinder oder Ihre besten Freunde doch einmal zu einem netten, gemütlichen Backnachmittag ein! 

Backmittelzusätze

In Deutschland gibt es derzeit über 1000 nicht deklarierungspflichtige Backmittelzusätze. Diese Backmittelzusätze dienen ausschließlich dazu, die technische Verarbeitbarkeit bei der Brot- und Brötchenherstellung zu verbessern.

Mehl richtig aufbewahren

Haushaltsmehl lässt sich zwar gut aufbewahren, ist aber trotzdem ein sensibles Lebensmittel. Deshalb hier unsere Tipps:

Mehl darf nicht schwankender Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden. Deshalb in der Küche Vorsicht mit Kochdämpfen: Lagern Sie Ihr Mehl beispielsweise nicht in einem Oberschrank nahe dem Herd.

Schützen Sie Ihren Mehlvorrat vor direkter Sonneneinstrahlung, das schadet den Vitaminen und lässt das Mehl schneller altern. Im Schrank oder in einer gut schließenden Dose ist es gut aufgehoben.

Mehl nimmt leicht Fremdgerüche an: Deshalb nie in der Nähe von geruchsintensiven Lebensmitteln aufbewahren, wie z. B. Kaffee oder Gewürze, es sei denn, diese sind aromasicher verschlossen.

Übrigens kann man Mehl auch selber mischen, z. B. Mais-,
Reis- und Buchenweizenmehl mit Kartoffel- oder Maisstärke. Als Bindemittel kommt etwa Johannisbrotmehl zum Einsatz. Das Buchweizenmehl kann man auch austauschen gegen Amaranth-, Kastanien-, Kichererbsen- oder Quinoamehl.

chris

Fotos: Techniker Krankenkasse und mcm-Archiv