Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Für Sie geerntet: Altländer Äpfel
Der Jungbrunnen aus dem Alten Land
Jeder dritte deutsche Apfel stammt heute aus dem Alten Land, der Elbmarsch südwestlich von Hamburg. Die ersten Obstbäume wurden hier
bereits im 14. Jahrhundert von Benediktiner- und Prämonstratensermönchen aus Stade gepflanzt.
Ingrid Marie hat die Qual der Wahl: Um sie herum stehen der Schönling aus Boskoop, der noble Cox Orange, der bodenständige Holsteiner Cox – und alle winken ihr mit den prallen Früchten zu, die früher im Paradies einmal verboten waren.
Wie immer zur Erntezeit geht es nun hoch her im Alten Land, dem nördlichsten Obstanbaugebiet der Welt. Und schon kurz darauf haben auch Sie in unseren Märkten die Qual – und das Vergnügen! – der Wahl, welcher von den „Altländern“ Ihnen der oder die Liebste ist.
Ingrid Marie? Schadet nie!
Diese Dame mit dem süßsauren Geschmack und der leuchtend roten Schale, die heute zu den traditionellen Apfelsorten des Alten Lands gehört, stammt ursprünglich aus Dänemark. Hier wurde sie 1910 in der Gartenbauschule Flemløse auf Fünen als Zufallssämling gezogen und nach der Tochter des dortigen Lehrers benannt.
Boskop? Schmeckt nicht nur Bossen!
Der würzige Boskop dagegen, der auch zum Kochen und Backen besonders gern genommen wird, kam von Holland aus ins Alte Land geflogen. Sein traditioneller Name lautet: „Schöner von Boskoop“ – nach dem niederländischen Ort, wo er 1856 als fruchtender Trieb eines Wildlings entdeckt wurde. Ab 1863 wurde der gut lagerfähige Winterapfel zu einer weit verbreiteten Standardsorte. Aufgrund seines niedrigen Allergengehalts ist der Boskop auch für manche Apfelallergiker genießbar. Der ursprüngliche Schönling ist grün und nur an der Sonnenseite leicht rot gefärbt. Aus ihm wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auch ein rundherum roter Boskop gezüchtet.
Der feine Brite: Cox Orange
Cox Orange, der saftig-knackige Tafelapfel mit feinem Orangenaroma, wurde 1825 von dem Hobbygärtner Richard Cox aus Colnbrook Lawn in Großbritannien aus Kernen der Apfelsorte Ribston Pepping in einem Blumentopf gezogen. Ab 1840 trat das vielversprechende Resultat, das zunächst den etwas umständlichen Namen „Cox Orangenrenette“ trug, über die Baumschule Smale and Sons seinen Siegeszug an. Was Boden, Klima und Pflege betrifft, ist der noble Engländer äußerst anspruchsvoll und daher nur für Heimgärtner mit einiger Erfahrung geeignet.
Der Lokalmatador: Holsteiner Cox
Der Holsteiner Cox ist ein echtes norddeutsches Nordlicht, das auch nur hier angebaut wird. Er wurde um 1920 herum in Eutin, Schleswig-Holstein, von einem Lehrer namens Vahldik als Variante des Cox Orange entwickelt. Dass der Holsteiner Cox dann zu einem äußerst beliebten Tafelobst wurde, liegt aber wahrscheinlich weniger an dem Beruf seines Entdeckers, sondern eher an seinem saftigen Fruchtfleisch und seinem unverwechselbar würzigen Aroma. Im Alten Land wurde der schleswig-holsteinische „Insiderapfel“ dann züchterisch weiter optimiert und stark vermehrt.
Die Herren mit der rauen Schale
Während Ingrid Marie sich mit feminin glattem Teint präsentiert, ist bei den Herren aus dem Alten Land ein gewisser „Dreitagebart“ durchaus legitim. Diese sogenannte Berostung der Schale – beim Boskop schuppig bis mittelfein netzartig, beim Cox sternchen- oder punktförmig – stellt keinen Qualitätsmangel dar, sondern ist ein sortentypisches Merkmal.
Inhaltsstoffe in 100 g verzehrbarem Anteil
(Mittelwerte, je nach Reife und Sorte):
Wasser 85 g
Kohlenhydrate 10 – 13 g
Eiweiß 0,3 – 1 g
Fett 0,5 g
Vitamin C 12 mg
Kalium 100 – 135 mg
Kalzium 8 mg
Magnesium 6 mg
Natrium 4 mg
Energie/Brennwert 230 kJ bzw. 55 kcal
mimu




