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Dienstag, 22. Mai 2012
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Frisch vom Strauch

Tomaten

Jahrhundertelang haben wir uns gegen die Tomate gesperrt, und das schön blühende, aber scheinbar nutzlose Gewächs war den Ziergärten adeliger Herrenhäuser vorbehalten. Der leicht bittere Geschmack brachte ihr den Ruf ein, giftig zu sein, und tatsächlich ist das in unreifen Tomaten enthaltene Solanin (typisch für Nachtschattengewächse) der Gesundheit abträglich – was man damals aber nicht wusste: Es verschwindet beim Reifen!

Heute rangiert die Tomate auf der Gemüse-Hitliste weltweit auf den vorderen Rängen und ein Tag ohne Tomate ist kaum vorstellbar, anders ist es nicht zu erklären, dass wir pro Kopf und Jahr 21 Kilogramm davon verdrücken.

Im Liebeswahn

Ihren Erfolg verdankt das „übel Gewächs“ (so sagten die Ärzte noch vor 300 Jahren) nicht zuletzt dem Umstand, dass man es für ein Aphrodisiakum hielt. Erkennbar an den volkstümlichen Namen, die ihm gegeben wurde: Liebesapfel sagen die Deutschen, „Pomme d’amour“ die Franzosen, „Love apple“ die Engländer. Manche waren sogar der Meinung, dass es sich bei dem Apfel im Paradies in Wirklichkeit um eine Tomate gehandelt habe – Österreicher sagen noch heute „Paradeiser“. Wirklich bestätigt wurden diese Gerüchte nie, nichtsdestotrotz handelt es sich um eine recht „gehaltvolle“ Frucht mit reichlich Mineralstoffen und Vitaminen. Dazu kommen bioaktive Stoffe, vor allem Karotinoide, die vor freien Radikalen schützen. Entwässerndes und harntreibendes Kalium gehört ebenfalls dazu, wie auch Zink und Ballaststoffe.

Rund, länglich, groß oder klein

Runde Tomaten sind von allen die Beliebtesten, sie werden bis zu 100 g schwer, haben eine recht dicke Schale und – aufgrund des hohen Anteils an Fruchtsäuren – einen leicht säuerlichen Geschmack. Fleischtomaten sind mit bis zu 300 g die größten Vertreter. Sie sind mehr oder weniger gerippt, haben viel Fruchtfleisch und weniger Samen als die anderen. Die kleinsten hingegen sind die Cocktail- oder Kirschtomaten (Neudeutsch auch als Cherry-Tomaten bekannt). Sie kommen farbenfroh daher – es gibt sie in Gelb, Rot oder Orange – und bringen es auf höchstens 2 bis 3 cm Durchmesser. So ungefähr müssen die Urtomaten ausgesehen haben, die vor 500 Jahren ihren Weg von Südamerika nach Europa gefunden haben. Flaschentomaten zeichnen sich durch einen eher süßen Geschmack und ein intensives Aroma aus. Das Schälen fällt bei ihnen besonders leicht, weshalb sie sich besonders gut als Dosentomate eignen.

Der Strauch macht’s

Immer beliebter werden Tomaten, die nicht an langen Stöcken wachsen, sondern an niedrigeren Büschen. Geerntet und verkauft werden sie an der Rispe, was den Vorteil hat, dass die Tomaten nicht so schnell faulen (der Fäulnisbefall geht besonders gerne von der Stielansatzstelle aus). Beim Anbau ist es wichtig, den Boden mit Folie oder Mulch zu bedecken, da die Früchte sonst am Boden liegen und verfaulen würden. Strauchtomaten zeichnen sich durch saftiges und schnittfestes Fruchtfleisch aus, sie haben ein herrliches Aroma, da sie an der Pflanze ausreifen und mit dem ganzen Zweig gepflückt werden. Außerdem sehen sie schön aus. Und mittlerweile gibt es bis auf Fleischtomaten die meisten Sorten auch an der Rispe zu kaufen. Gerade die holländischen Gärtner haben hervorragende Sorten auf den Markt gebracht. Dabei verzichten sie immer mehr auf die chemische Keule und setzen auf die Natur. So wird beispielsweise der Hauptschädling der Tomaten, die weiße Fliege, durch Schlupfwespen in Schach gehalten.

Bitte nicht drücken!

Reife Tomaten sind sehr druckempfindlich und faulen leicht. Deshalb werden sie oft noch leicht grün geerntet und reifen dann „vor Ort“ nach. Tomaten mögen es nicht, im Kühlschrank gelagert zu werden – sie rächen sich mit Aromaverlust und werden hart. Sind die Tomaten noch nicht ganz reif, am besten bei Zimmertemperatur mit anderem Obst lagern, das beschleunigt den Prozess.

Besser durch Kochen

Die Tomate gehört zu den wenigen Lebensmitteln, dessen Qualität durchs Kochen noch gesteigert werden kann. Das Vitamin C geht dabei zwar teilweise verloren, aber dafür steigt der Gehalt an dem wichtigen Inhaltstoff Lycopin. Es macht die Tomaten einerseits rot, beugt aber andererseits Herzerkrankungen vor und gehört zu den so genannten sekundären Pflanzenstoffen. Auch geschmacklich durchlebt die Tomate eine Wandlung beim Kochen: Frisch oder nur kurz gegart entfaltet sie ihr ureigenes, delikates Aroma. Nach etwa einer Stunde im Ofen ist sie süß und saftig, nach zwei Stunden wird sie richtig würzig.

Gut zu wissen

  • Das recht stark und eigentümlich riechende Tomatenblatt hält Insekten fern.
  • Wenn die Tomaten vom Blütenansatz in Scheiben geschnitten werden, halten sie besser zusammen.
  • Damit der Saft beim Schneiden nicht herausspritzt oder die Tomate gequetscht wird, am besten ein spitzes und sehr scharfes Messer verwenden, mit welchem man die harte Haut der saftigen Früchte durchschneiden kann.


her

Foto: convenience-guide food studio