
Meine Gesundheitsapotheke
Frau Holles Lieblingssüppchen.
Schmeckt nicht nur, sondern ist auch gesund: die »Fliederbeersuppe Kieler Art«.
In ganz Norddeutschland, wo in der kalten Jahreszeit eine besonders »steife Brise« weht, gehört die fruchtige rote Fliederbeersuppe, die Frösteln in wohliges Wärmegefühl verwandelt, zu den traditionellen Wintergerichten.
Der Saft aus den Beeren des Schwarzen Holunders, die im Norden »Fliederbeeren« genannt werden, Apfelstückchen und dazu je nach Region wahlweise Grieß- oder Mehlklößchen sind die klassischen Zutaten zu dieser Köstlichkeit. In Kiel wählt man Mehlklößchen (auch »Klackerklümp« genannt) und gibt als kleines Extra noch Pflaumen hinzu.
Erkältungsmedizin aus dem Knick.
Die wichtigste Zutat, den Fliederbeersaft, kann man sich bequem im Handel beschaffen – oder man pflückt seine Fliederbeeren Dolde für Dolde selbst vom Strauch. Holunderbüsche findet man vor allem in den Knicks, in den Feld- und Wiesenbegrenzungen also, die das Gesicht der schleswig-holsteinischen Landschaft prägen.
Im Oktober sind die Beeren reif. Am besten macht man sich mit der ganzen Familie ans Werk, denn es gibt viel zu tun, bis man eine brauchbare Menge Früchte zusammen hat. Pflücken Sie nur die dunklen, reifen Beeren – keinesfalls die grünen. Von Naschereien bei der Ernte ist ebenfalls abzuraten, denn rohe Fliederbeeren enthalten Sambunigrin, das Übelkeit auslösen kann. Erst durch Erhitzen wird dieser leicht giftige Stoff zerstört und die Beeren entfalten ihre gesunde Wirkung.
Die auch »Knicksupp« genannte Spezialität gilt seit alters her als wirksames Mittel gegen Erkältungskrankheiten; und das haben neuere medizinische Studien auch bestätigt. Wahrscheinlich entstand die Suppe aus dem heißen Holunderbeersaft, den die Hausapotheke bei Fieber verordnet. Am besten genießt man den Saft oder die Suppe gleich bei den ersten Anzeichen einer herannahenden Erkältung.
Holunder hat zwei Mal Saison.
Statt als heiße Suppe kann man den Mix aus Fliederbeersaft, Apfelstücken und Klößchen im Sommer auch als sättigende Kaltschale genießen. Doch im Mai und Juni hält der Holunder noch eine weitere Spezialität für uns bereit: Aus der zartweißen Blütenpracht, die jetzt die Sträucher in den Knicks ziert, lässt sich nämlich ein köstlicher Sirup oder auch Sekt zubereiten.
Als wollte der Holunder seine weitere Nützlichkeit im Winter schon vorab ankündigen, rieseln die Blüten dann im Sommer wie Schnee aus dem Busch. Erinnert Sie das an das Märchen von »Frau Holle«, die ähnliche Effekte durch das Ausschütteln ihres Bettzeugs erzielte? Zu Recht! Der Holunderbusch war früher der germanischen Göttin Holda geweiht, die sich hinter der Grimm’schen Märchenfigur verbirgt. Wie schon der Name sagt, war diese Ur-»Frau Holle« eine freundliche, den Menschen, Tieren und Pflanzen holde Göttin, die ihnen im Winter Schutz gab, Krankheiten heilte und neues Leben einhauchte; ganz so, wie ihr Süppchen es heute noch tut!mimu





