Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Ein Bund fürs Leben
Zwiebelkuchen mit Federweißer
Traurig eigentlich, dass die Beziehungen zwischen Dingen zuweilen beständiger sind als die zwischen Menschen, aber wie heißt es so schön: Liebe geht durch den Magen. Kein Wunder also, dass bestimmte „Partner“ aus der kulinarischen Welt sich seit Ewigkeiten die Treue halten. Oder besser gesagt: von unsereins zu ewiger Treue verpflichtet werden.
Spaghetti? Nicht ohne meine Tomatensauce! Grünkohl? Aber bitte mit Kassler, Kochwurst und Schweinebacke. Und zum deftigen Zwiebelkuchen
gehört selbstverständlich ein spritziger Federweißer.
Da gärt noch was!
Während ein Weinkenner bei einem stark moussierenden, also perlenden Wein wohl eher die Nase rümpft, zählt dies beim Federweißen gewissermaßen zum guten Ton. Der aus weißen Rebsorten gewonnene Traubenmost gärt nach der Flaschenabfüllung weiter. Anfangs schmeckt er noch wie eine süffige Limonade mit einem Alkoholgehalt von ca. 2 – 3 %, doch mit den Tagen wird aus ihm ein durchgegorener, "erwachsener" Wein.
Dass der Most überhaupt gärt, ist der darin enthaltenen Hefe zu verdanken. Die in den Trauben gespeicherte Glukose und Fruktose wird in Alkohol und Kohlensäure gespalten – ein Vorgang, der als Glykolyse bezeichnet wird. Wie schnell oder langsam die Verwandlung vonstatten geht, hängt von Standort und Temperatur ab. So kann man also selbst entscheiden, ob man den Federweißen als mild-süßen Muntermacher serviert oder doch lieber als Partygetränk zu fortgeschrittener Stunde. In jedem Fall aber sollte er innerhalb weniger Tage verbraucht werden.
Manchmal sieht man auch rot
Neben weißen Reben finden natürlich auch rote Verwendung – dann ist vom sogenannten Federroten die Rede. Oder auch vom Roten Sauser. Doch wie man sich bei einem derart den Geist anregenden Schoppen denken kann, ist der Federweiße noch unter vielen weiteren Namen bekannt. In der Steiermark etwa bestellt man einen „Schilcher“, in der Pfalz wiederum ist er als „Bitzler“ in vieler Munde und die Franken bezeichnen den noch frühreifen Wein gern als „Bremser“ – möglicherweise weil sein Alkoholgehalt noch recht niedrig ist.
Stehen bleiben!
Federweißer wird je nach Weinlese von Anfang September bis Mitte/Ende Oktober verkauft. In Österreich ist die – großzügig bemessene – Zeitspanne sogar gesetzlich festgelegt: Sie reicht vom 1. August bis zum 31. Dezember. Womit im Mozart-Land der Jahreswechsel (zumindest theoretisch) auch mit diesem Schaumwein begossen werden kann.
Bis er seinen Weg ins Glas findet, muss Federweißer allerdings im Wortsinn standhaft bleiben. Weshalb die Flaschen auch im Markt stets nur stehend angeboten werden. Der Hintergrund: Sie dürfen nicht luftdicht verschlossen sein, da die fortschreitende Gärung das Glas sonst zum Platzen bringen würde. In früheren Zeiten machte die kurze Haltbarkeit des Getränks längere Transporte unmöglich, weshalb diese Spezialität lange Zeit nur in den klassischen Weinanbaugebieten bekannt war. Dank schneller Transportmöglichkeiten kann der junge Wein inzwischen auch über die Region hinaus genossen werden.
und dazu ein Stück Zwiebelkuchen
Auch der Zwiebelkuchen oder „Zwiebelplootz“, wie die Franken gern sagen, hat seinen Ursprung in den Weinbauregionen. Es handelt sich um einen Blechkuchen, manchmal auch runden Kuchen, auf der Basis eines Hefe- oder Mürbeteigs, der mit Zwiebeln, Sauerrahm oder Sahne, Speck, Butter und geschlagenen Eier belegt ist. Im Gegensatz zum Elsässer Flammkuchen, der übrigens nach einem dünnen Brotteig verlangt, werden beim Zwiebelkuchen die Zwiebeln zuvor in Butter gedünstet.
Genießen Sie diese Traumbeziehung von Federweißer und Zwiebelkuchen – das passende Rezept servieren wir gleich mit!
Zu Tränen gerührt ...
sind die Besucher des traditionellen Weimarer Zwiebelmarkts. Über 550 Marktstände und viele Aktionsbühnen zählt Thüringens größtes Volksfest, das jedes Jahr am zweiten Oktoberwochenende auf Weimars Straßen und Plätzen stattfindet. An diesen Tagen thront die siebenhäutige Knolle über allem und jeden: auf dem Kuchen, in der Pfanne, im Zopf, als Gesteck – und als Namenspatronin für Thüringens größtes Volksfest.
Neben Köstlichkeiten wie Zwiebelsuppe, Zwiebelkuchen und Zwiebelfleisch halten die Menschen auf dem früheren „Viehe- und Zippelmarckt“ auch Ausschau nach einem besonders attraktiven Zwiebelzopf. Rund 40 000 handgebundene Rispen bieten die Händler als dekorativen Schmuck feil. Der längste Zwiebelzopf, der je in Thüringen zur Schau gestellt wurde, maß über 5 Meter und zierte 1995 den Rathausturm. Übrigens: In diesem Jahr präsentiert sich das Fest deutsch-französisch!
Schauen Sie doch mal vorbei vom 13. – 15. Oktober 2006 auf dem Weimarer Zwiebelmarkt ...
espa








