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Dienstag, 22. Mai 2012
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Die wahrscheinlich größte Beere der Welt

Er sieht gut aus, schmeckt herausragend lecker und macht auch sonst eine gute Figur: der Kürbis.

Nein, kein Scherz. Streng botanisch gesehen sind Kürbisse Beeren – und was für welche: Bis zu 500 Kilogramm schwer kann so eine »Beere« schon werden (derartige Zuchtergebnisse sind allerdings nur mit Tricks zu erreichen …).

Auch die Sortenvielfalt ist beachtlich: Über 800 verschiedene Sorten sind bislang bekannt, die sich in Form, Farbe und Größe unterscheiden. Und wer sich jetzt im Herbst mal auf einem Kürbisfest umschaut, wird das Gefühl haben, schon wieder ein paar neue Sorten zu entdecken.

Sommers wie winters
Eine strenge Klassifizierung in Garten-, Riesen-, Moschus- oder Feigenblattkürbis ist für den Hausgebrauch nicht zweckmäßig, vor allem, weil man die Sorten aufgrund der vielfachen Kreuzungen kaum mehr richtig zuordnen kann. Sinnvoller ist die Unterscheidung in Zier- und Speisekürbisse, wobei viele Speisekürbisse auch eine Zierde sind. Für den Küchengebrauch hat sich jedoch die Einteilung nach Sommer- und Winterkürbissen bewährt.

Sommerkürbisse, dazu gehören beispielsweise alle Zucchiniarten, haben folgende Merkmale: Sie sind eher klein bis mittelgroß (werden nie so groß wie Winterkürbisse), wachsen schnell, haben eine weiche Schale, weiche Kerne und helles, festes Fruchtfleisch. Sie werden zwischen Spätfrühling und Frühherbst unreif geerntet. Die Haltbarkeit ist beschränkt: Bis zu drei Wochen lassen sie sich im Kühlschrank aufbewahren.
Winterkürbisse haben durch die Bank eine harte Schale, beispielsweise »Gelber Zentner«, »Butternut« oder »Sweet Dumpling«. Sie brauchen mehr Zeit und vor allem mehr Wärme, um zu reifen – erst ab Frühherbst kann mit der Ernte begonnen werden. Dick und hart muss die Schale sein und der Stil möglichst holzig – das Fruchtfleisch ist aber überraschenderweise weicher als das der Sommerkürbisse, zum Teil auch faseriger.

Der Lagerfähigkeit sind (fast) keine Grenzen gesetzt, an einem kühlen Ort kann sich so ein Kürbis bis zum Frühjahr halten, manche sogar ein ganzes Jahr lang. Aufgeschnittene Kürbisse bewahren ihr Aroma, verpackt im Kühlschrank, noch bis zu zwei Tage. Reste von einem großen Kürbis sollten in Stücke geschnitten oder püriert tiefgefroren werden.

Kein Solo für den Kürbis
Viele Jahre hat der Kürbis in unserer Küche ein Schattendasein geführt. Auch wenn seine Geschichte und Tradition über 8000 Jahre alt ist. Erst durch die von Amerika überschwappende Halloween-Welle hat er auch bei uns sein wohl verdientes Comeback gefeiert.

Bevor ein Kürbis zu einer Mahlzeit verarbeitet wird, sollte ein erster Geschmackstest durchgeführt werden. Ist er bitter – weg damit. Denn: Ein Kürbis kann so genannte Cucurbitacine enthalten und die wiederum können zu Magenkrämpfen, Übelkeit oder Erbrechen führen. Wenn er nicht bitter schmeckt, dann einfach genießen – gebraten, gegrillt, gebacken, gekocht oder eingelegt. Bis auf den sehr aromatischen Hokkaido-Kürbis müssen Winterkürbisse auf jeden Fall auch geschält werden. Und gewürzt.

Ohne Gewürze schmeckt ein Kürbis – gelinde gesagt – nach wenig. Aber mit Gewürzen wird er zu einem geschmacklichen Chamäleon. Ingwer, Chili, Zwiebeln, Essig oder Knoblauch passen beispielsweise bei einer pikanten Zubereitung ausgezeichnet dazu. Die süße Variante hingegen verträgt sich sehr gut mit Zimt, Ananas, Äpfeln, Erdbeeren, Orangen, Himbeeren, Süßweinen und Likör.

Der Vielseitige
Aus und am Kürbis lässt sich so gut wie alles verwenden. So macht er sich als herbstliche Deko ausgesprochen gut, ausgehöhlt und beleuchtet wird er – vor allem zu Halloween – eine schöne Lampe.

Aus den Samen der Kürbisse, die ungefähr 55 Prozent Öl enthalten, wird Kürbiskernöl gepresst. Ein äußerst gesundes Öl, das aus der Gesundheits- und vor allem Feinschmeckerküche kaum wegzudenken ist. Es enthält reichlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren, viele Vitamine
(A, B1, B2, B6 und E) und das Spurenelement Selen.

Die Medizin wiederum schätzt das wertvolle Innere der Kürbiskerne, die schon seit vielen Jahren bei Blasenfunktionsstörungen und Prostatakrebs eingesetzt werden.

Und nicht zuletzt das Kürbisfleisch,
aus dem sich die köstlichsten Gerichte kochen lassen. Von Suppen über Ge­-
müse, Füllungen und Kuchen bis hin zu Marmelade.her

David und Goliath
Der kleinste Kürbis ist nur wenig größer al ein 1-Euro-Stück. 3,5 cm lang mit einem Durchmesser von 2 cm und einem Gewicht von 25 Gramm passt er in jede Hosentasche.

Der größte Kürbis der Welt kommt aus Topfsfield in Amerika. Der Züchter Joe Jutras hat im September vor zwei Jahren seinen Kürbis offiziell wiegen lassen.: 1698 englische Pfund, das sind etwa 766,8 kg.

Foto: Shutterstock