Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
Meine Gesundheitsapotheke
Die gesunden „Wilden“
Sanddorn, Schlehen, Hagebutten und Holunder
Zugegeben, ganz so einfach kommt man an die „Wilden“ nicht ran.
Im Geschäft gibt es sie selten, auf dem Land dagegen häufig –
und dort am liebsten am Waldrand.
In diesen Wochen sind Sanddorn, Holunder & Co. reif zum Ernten und es lohnt sich, zum Spaziergang mal ein Körbchen und ein Messer mitzunehmen, um sich ein paar von den unkultivierten Vitamin C-Bomben mit nach Hause zu nehmen und zu verarbeiten.
Hagebutte
Was im Sommer noch als Hecken- oder Hundsrose duftet, kommt im Herbst als kleine, ovale bis runde Frucht daher, die ihre wahren Fähigkeiten erst im verarbeiteten Zustand offenbart – zum Rohessen eignen sich Hagebutten, in manchen Gegenden auch als „Hifte“ oder „Dornbuschklumpen“ bezeichnet, nicht.
Legendär ist ihr Gehalt an Vitamin C: 400 – 5000 mg pro 100 g! In einer einzigen, kleinen Hagebutte steckt 20-mal mehr Vitamin C als in einer ganzen Orange, allerdings geht beim Kochen ein Teil des Vitamins verloren. Hagebutten enthalten den Gerbstoff Tannin, der entzündungshemmend und antibakteriell wirkt. Außerdem haben die Früchte einen harntreibenden Effekt und werden u. a. in Krankenhäusern als Tee sehr geschätzt.
Hagebutten sind in der Verarbeitung nicht ganz unkompliziert, da die Früchte halbiert und von den Härchen und Kernen befreit werden müssen, die nicht ohne Grund unter der Bezeichnung „Juckpulver“ bekannt sind. Hat man diesen Teil der Arbeit erst mal erledigt, steht der Kreativität nichts mehr im Wege: Konfitüren, Chutneys, Gelees – auf Brötchen oder zu Geflügel und Wild. Hagebutten lassen sich zu Wein und Likör verarbeiten und vor allem in Bayern und Österreich wird eine kalte oder warme Suppe daraus.
Holunder
Süß, aber auch ein bisschen unangenehm schmecken die kleinen, violettschwarzen Wildbeeren, die in flachen, weitgefächerten Büscheln wachsen. Häufig in der Nähe von alten Klöstern oder Höfen zu finden, ist Holunder (auch Fliederbeeren, Holler oder Holder genannt) schon lange als Heilmittel bekannt. Schweißtreibend ist er und wirkungsvoll bei Fieber. Daneben finden sich entwässernde Mineralstoffe. Dazu kommen Vitamin C, B-Vitamine und die als Schutzstoffe geltenden Farbstoffe. Unreife Beeren, Blätter und Stiele enthalten zwar Sambunigrin, eine Brechreiz auslösende Substanz, diese wird aber beim Kochen komplett zerstört und verliert somit ihre Wirkung.
Holunderbeeren selbst zu Saft zu verarbeiten ist nicht schwierig, lediglich mögliche Saftflecken in der Kleidung könnten einem zu schaffen machen – die nämlich lassen sich nur sehr schwer entfernen. Auch für Gelee und Mus eignen sich die Beeren – von der köstlichen Sauce, die gleichermaßen zu Schwein und Wild passt, mal ganz abgesehen.
Sanddorn
Der Sanddorn, auch Sandbeere oder Fasanbeere genannt, ist ein eher anspruchsloses Gewächs, das Frost verträgt und in Europa und Asien zu Hause ist. Die etwa erbsengroßen, langen, ovalen Beeren leuchten in voller Reife orangegelb bis rot, sind von der Konsistenz fleischig-weich und schmecken recht würzig. Die reifen Beeren lassen sich nur schlecht pflücken, und die dornigen Äste machen die Angelegenheit auch nicht gerade komfortabel. Doch die Mühe lohnt sich.
Medizinisch gesehen ist Sanddorn ein wahres Vitamin-C-Wunder und zu Recht eine naturgeschützte Pflanze, die nicht ausgegraben oder beschädigt werden darf. Bis zu 1300 mg Vitamin C steckt in 100 g Beeren, dazu bemerkenswert viel Kalzium und Magnesium, die Vitamine A und E, einige B-Vitamine und für Obst außergewöhnlich viel Fett, ungefähr 7 Prozent.
Neben Sanddorngelee oder -saft hat Sanddornmark die vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten: Zu Quark, Müsli oder in Milchshakes, mit Eis und Sahne auf eine frische, heiße Waffel und sogar mit etwas Sekt aufgegossen gibt Sanddornmark eine gute Figur ab.
Schlehen
Der Schwarzdorn, ein dorniger Strauch, der in ganz Europa wächst, bringt im Herbst kleine Wildfrüchte hervor, die wie Pflaumen aussehen: schwarzblau oder graublau bereift, kugelig bis länglich und insgesamt sehr appetitlich anzusehen. Diese Schlehen, auch unter der Bezeichnung Schlehdorn, Schwarzdorn oder Schlehenpflaume bekannt, ist allerdings so sauer, dass sie roh kaum gegessen werden können.
Erst wenn es die ersten Fröste gab und sich die enthaltene Stärke in Zucker umgewandelt hat, dann kann Marmelade oder Gelee draus werden. Oder Saft. Der hilft gegen Magen- und Nierenbeschwerden und wirkt abführend und reinigend für die Nieren.
Am liebsten jedoch wird aus Schlehen ein ganz anderer „Saft“ hergestellt, Schlehenwein- und Schlehenschnaps. Und der kann auf seine Art auch „reinigend“ wirken
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