Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Deutschland im Adventsfieber
Eine kulinarische Reise zur Vorweihnachtszeit
Für viele Menschen beginnt die schönste Zeit des Jahres Ende November, wenn es draußen oft zum ersten Mal bitterkalt wird: der Advent. Er steht für feierliche Beleuchtung, festliche Musik, besinnliche Stimmung und Glühweinduft. Und dazu gehören stets auch Teller mit allerlei Gebäck und Süßigkeiten.
Vom Warten und Fasten
Dabei war die Adventszeit ursprünglich eine Zeit des Fastens, in der das Warten einen zentralen Platz einnahm: das Warten auf die Ankunft Jesu (lat. adventus „Ankunft“). Die ersten kirchengeschichtlichen Anzeichen des Advents finden sich im Spanien und Gallien des 4. Jahrhunderts. Aus dem 5. Jahrhundert ist bekannt, dass er aus einer vierzigtägigen Fastenzeit bestand, die sich bis zum damaligen Erscheinungsfest am 6. Januar erstreckte.
zum Schmücken und Backen
Von diesem Brauchtum hat sich bis heute erhalten, dass die Menschen während einer vierwöchigen Zeit die Straßen und Häuser schmücken und sich auf diese Weise auf das Weihnachtsfest einstimmen. Einige Rituale, wie das Aufstellen von Kerzen an verschiedenen Stellen, entstammen auch alten germanischen Traditionen. Unsere Vorfahren taten dies zur Abwehr von bösen Kräften, wenn die Nächte immer länger wurden.
Im Mittelalter gab es ein Ritual, nach dem im Advent an bestimmten Tagen nicht die Herrschaft das Sagen hatte, sondern die Mägde und Knechte, denen die Herrschenden dienen mussten. Bei dieser Gelegenheit wurde ein würziger Fladenkuchen, der Lebkuchen, gebacken und verteilt. Auch Arme erhielten ihn als Geschenk.
Regionaltypische Bäckerei
In den verschiedenen Regionen Deutschlands werden seit jeher unterschiedliche Weihnachtsfeste gefeiert. Eines ist jedoch in allen Orten stets gleich geblieben:
Das traditionelle Weihnachtsgebäck. Oft wird damit schon in der Adventszeit begonnen, und es ist speziell für Kinder fröhlicher Auftakt der Festzeit, wenn sie der Mutter beim Kneten, Formen und Backen unterschiedlichster Spezialitäten helfen können.
Inzwischen hat nahezu jede Region in Deutschland eine eigene leckere, gebackene Spezialität zu bieten, wenn Ende November die letzten vier Wochen vor dem höchsten christlichen Fest im Jahr beginnen. Die Rezepte für die Backwaren sind häufig gut behütete Familiengeheimnisse, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Besonders im heimischen Backofen findet sich das traditionelle Gebäck verschiedener Landstriche.
Beginnen wollen wir unsere kulinarische Adventsreise auf der Suche nach leckerem Gebäck im Südwesten der Republik. Dort treffen wir auf das
Stuttgarter Hutzelmännchen
„Hutzeln“ oder „Hutzen“ sind getrocknete Birnenschnitze, aus denen Früchtebrot oder -wecken gebacken werden. Ursprünglich ist es ein bäuerliches Weihnachtsgebäck. Je nach Region wurde und wird das Brot auch mit anderen gedörrten Früchten wie Zwetschgen oder Feigen gebacken. Der Begriff „hutzelig“ bedeutet im Schwäbischen soviel wie „runzlig“ und beschreibt damit treffend das Aussehen der getrockneten Früchte.
Im Jahr 1853 widmete Eduard Mörike sein Märchen vom „Stuttgarter Hutzelmännlein“ dieser schwäbischen Spezialität. Seither werden aus getrockneten Birnen, Rosinen, Gewürz und Hefeteig besonders gerne Figuren geformt und Hutzelmännchen genannt. In der Geschichte schenkt ein Hutzelmännchen einem Schustergesellen zwei Paar Glücksschuhe und einen Laib Hutzelbrot, der sich nie verbraucht. Damit soll er für seine Reise durchs Schwäbische gut gerüstet sein.
Unsere Route führt über Schwaben hinaus, Richtung Nordosten.
In Nürnberg angekommen empfiehlt man uns
Nürnberger Lebkuchen
In fränkischen Klöstern nahm die traditionsreiche Geschichte dieses Gebäcks ihren Anfang. Nach streng geheim gehaltenen Rezepturen und unter Beimengen von erlesenen Zutaten wurde der Lebkuchen geboren. Ursprünglich wurden sie als Heil- und Arzneimittel verteilt. Noch heute bildet die Oblate – das Messopfer der Nonnen und Mönche – den Unterbau für die feine Leckerei.
In vielen Varianten werden darin Nüsse und Mandeln zum Zeichen für Tod und Auferstehung (Schale und Kern) verbacken.
Seit dem Mittelalter ist Nürnberg weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt für seine köstlichen Lebkuchensorten.
Ihren Ruhm und ihre Tradition verdankt die Stadt nicht zuletzt ihrer verkehrsgünstigen Lage: Sie liegt am Kreuzungspunkt vieler Handelswege und alter Gewürzstraßen, zudem saßen die Bäcker durch die großen Bienengärten in den Wäldern rund um Nürnberg direkt an der süßen Honigquelle. Das älteste schriftlich überlieferte Lebkuchenrezept stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Von Nürnberg aus wenden wir uns weiter nach Nordosten, in das Herz von Sachsen. In Dresden finden wir den berühmten
Dresdner Stollen
Die Tradition, den berühmten Christstollen zu backen, ist wahrscheinlich schon über 700 Jahre alt. Historiker verfolgten den Weg dieses edlen Weihnachtsgebäcks, das in Sachsens Landeshauptstadt auch „Christbrod“, „Striezel“ oder „Strutzel“ genannt wurde, bis in das Jahr 1329 zurück. Unter dem Begriff „Christbrod“ tritt der Stollen erstmals im Jahre 1474 am Dresdner Hof als Fastengebäck aus dem Dunkel der Geschichte heraus.
Nach dem Dogma der Kirche durfte der Stollen einst nur aus Mehl, Hefe, etwas Öl und Wasser gebacken werden. Ohne Butter war er aber ein etwas fades Gebäck, so dass sich 1491 Papst Innozenz VIII. erweichen ließ, das Butterverbot aufzuheben. Volkskundliche Deutungen sehen in dem mit feinem Zucker überpuderten Laib ein Symbol für das in Windeln gewickelte Christkind.
Die letzte Etappe unserer Reise führt in den Norden Deutschlands. Die Hansestadt Lübeck ist bekannt für ihre
Lübecker Leckerli
Der Hauptbestandteil dieser Spezialität ist – wie könnte es anders sein – feines Marzipan. Die Geschichte dieser süßen Mischung aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser ist eng mit der Lübecker Tradition verbunden. Überliefert ist, dass es während einer Belagerung im Jahre 1407 nichts mehr zu essen gab, nur noch Mandeln und Zucker. Der Bürgermeister versprach jedem Bäcker, der daraus etwas machen könne, eine hohe Belohnung. Einer konnte es und stellte das Marzipan her, das heute so berühmt ist.
Kulturhistoriker hingegen sehen den Ursprung des Marzipans im arabischen Raum. Dort, wo auch der Mandelbaum beheimatet ist, sei es traditionell zum persischen Neujahrsfest zubereitet worden. Außerdem wurde es als Heilmittel für das Rückenmark und zur Stärkung der „natürlichen Begierde“ verabreicht. Auch Thomas Mann drängte sich bereits die Vermutung auf, dass beim Marzipan der Orient im Spiel sei. Er nannte es „Haremskonfekt“, das wahrscheinlich über Venedig „an irgendeinen alten Herrn Niederegger gekommen ist“.
mb





