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Dienstag, 22. Mai 2012
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Der feine Unterschied

Heiße Trinkschokolade

Man nehme ein Glas voll Milch, verrühre darin 2 Esslöffel Kakao … und fertig ist die Trinkschokolade? Von wegen! Denn auch wenn Schokodrinks wie Nesquick & Co. ihre Qualitäten haben, so trennen sie doch Welten von einer richtigen „Chocolade“. Die nämlich wird deutlich aufwändiger zubereitet und stets heiß serviert.

Es war einmal in Amerika …

… genauer gesagt in Mittelamerika, denn dort liegt die Wiege der Kakaopflanze. Schon im 14. Jahrhundert war sie bei den Azteken bekannt. Sie betrachteten sie als ein Geschenk des Gottes Quetzalcoatl, was den Bohnen nicht nur den Ruf eines universalen Heilmittels einbrachte, sondern auch ihren Wert in die Höhe trieb. Als die Spanier das Land eroberten, entdeckten sie in den Schatzkammern des letzten Aztekenkönigs rund 25 000 Zentner davon. Eine stolze Menge, bedenkt man, dass ein Sklave damals für gerade mal 100 Kakaobohnen den Besitzer wechselte.

Bitte mit Zucker

Zeitgleich mit der Kartoffel, einer anderen kulinarischen Entdeckung vom „Ende der Welt“, trat der Kakao ab dem 16. Jahrhundert seine Reise durch Europas Küchen und Salons an. Doch wie beim Erdapfel brauchte es auch beim Getränk seine Zeit, bis die optimale Zubereitung gefunden war. Über seine durchweg positiven Eigenschaften allerdings war man sich schnell einig. So heißt es in einer Quelle aus dem beginnenden 18. Jahrhundert: „Es stärcket nemlich der Cacao den Magen, macht die Lebensgeister hurtig, verdünnt die Säfte und Geblüt, hilft zur Venus-Lust, stärcket das Haupt, lindert die Schmerzen und ist sein Lob sowohl zur Nahrung wie als Medicament nicht genug fast zu beschreiben.“ Kein Wunder, dass der Kakao seinerzeit nur in Apotheken erhältlich war.

Dies änderte sich erst, als dem dickflüssigen Getränk (auf der Basis von Wasser, nicht Milch!) noch eine gute Portion Rohrzucker beigemengt wurde. Fortan galt das Lieblingsgetränk des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Adelskreisen als Ausdruck äußerst exquisiten Geschmacks. Im Bürgertum hingegen machte die Kakaobohne eine weniger steile Karriere, dem Trunk haftete eine dekadente Note an.

Ein Glück nur, dass unsere Großmütter und Urgroßmütter mit Politik nichts am Hut hatten und uns dann und wann eine Freude machen wollten – mit einer richtigen Trinkschokolade, gefertigt aus bester Kuvertüre oder hochwertigem Kakaopulver und erhitzt im Emailletopf. Mmmmh … köstlich!

espa

Fot: mcm-Archiv