Artikel Essen & Trinken im Detail

 
Sie sind hier: Essen & Trinken / Artikel
Dienstag, 22. Mai 2012
...

Der Energie-Aufschwung aus dem Süden

Für Sie geerntet: Spanische Orangen

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn …“ – mit diesem Lied bringt Mignon in Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ mediterranen Zauber in die herbstliche Lesestunde. Und diesen Zauber lassen wir uns gerade in den dunklen Monaten des Jahres gern auch direkt auf der Zunge zergehen.

Einfach aus der Schale pellen und Spalte für Spalte genießen – das ist nicht nur die bekannteste, sondern auch die gesündeste Art, Orangen zu verzehren. Denn ihr Fruchtfleisch enthält sogenannte Bioflavonoide, die das Vitamin C vor Oxidation bewahren und seine Wirkung verstärken. Doch auch ein guter Schluck (frisch gepresster?) Orangensaft ist ein probates Mittel gegen die nahende Winterschläfrigkeit und Frühjahrsmüdigkeit!

Das kommt uns zu Recht köstlich spanisch vor …

In Europa glühen die Goldorangen vor allem in Spanien, wo sie auf den Namen „naranja“ hören. Unser deutsches Wort „Apfelsine“ (= „Apfel aus China“) verweist auf die ursprüngliche Heimat der in Asien bereits seit rund 4000 Jahren bekannten Frucht. Mit den Arabern gelangte sie im 12./13. Jahrhundert nach Spanien.

Doch bevor im 17./18. Jahrhundert die ersten süßen – und damit genießbaren – Zitrusfrüchte gezüchtet wurden, erfreute man sich zunächst – etwa in den Orangerien von Versailles oder Sanssouci – nur am frischen Duft und an der schönen Form der Blüten und Früchte. Die ersten Orangenplantagen entstanden im 19. Jahrhundert in Spanien bei Valencia.

Im Garten des Alcazars von Sevilla steht jedoch ein Orangenbaum, der bereits vor 600 Jahren von den Mauren gepflanzt worden sein soll. Normalerweise sind diese Pflanzen allerdings nicht so langlebig: Gut 20 Jahre braucht ein Orangenbaum, bis er Früchte trägt, und diese können dann im Schnitt 60 Jahre lang geerntet werden.

Eine ziemlich große Beere!

Für eine gute Ernte erwarten Orangen reichlich Sonnenschein und Temperaturen von über 30 °C. Aufmunternd orangefarben werden sie nur, wenn die Nachttemperatur tief genug ist und Chlorophyll freigesetzt werden kann. Sonst bleiben auch reife Orangen grün. Je länger die Früchte am Baum hängen, desto süßer werden sie. Südeuropäische Orangen werden von November/Dezember bis Anfang März geerntet.

Botanisch gesehen handelt es sich bei Orangen um eine Beerenart, die Endokarpbeere. In der Familie der „Riesenbeeren“ versammeln sich viele verschiedene Temperamente, so z. B. die großen, kernfreien und leicht schälbaren Navel-Orangen, an deren Nabel (englisch „navel“, eben die Stelle, an der die Frucht am Baum hängt) eine Sekundärfrucht eingebettet ist, sowie die süßen, gut zum Auspressen geeigneten Blondorangen (wie die „Valencia“), ebenso pigmentierte Orangen (Blutorangen), die durch extrem tiefe Nachttemperaturen entstehen, und Bitterorangen oder Pomeranzen, die überwiegend für Marmeladen und Öle oder als Gewürz verwendet werden.

Die Kulturfrucht

Nicht bei nur Goethe kam die Orange zu künstlerischen Ehren. Henry Miller schrieb ein Buch mit dem Titel „Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch“, und musikalisch erklingt „Die Liebe zu den drei Orangen“ in einer Oper von Sergej Prokofjew. Um 1580 malte Giuseppe Arcimboldo – der späten Reifezeit dieser Frucht entsprechend – eine Allegorie des Winters, bei der ein Zweig mit einer Orange und einer Zitrone aus dem Hals unter dem wurzelförmigen Kopf herauswächst.

mimu

Fotos: convenience-guide food studio