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Dienstag, 22. Mai 2012
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Back dich in Stimmung

Backgewürze

Die Tage werden kürzer und grauer. Ein guter Grund, es sich jetzt mit der Familie oder Freunden daheim schön gemütlich zu machen und vielleicht sogar schon einen Hauch Weihnachtsstimmung ins Haus zu holen.

Wie? Ganz einfach: mit aromatischen Gewürzen in Heißgetränken oder Kuchen und Plätzchen. Duftet es irgendwo nach Zimt oder Vanille, dann bekommen wir sofort Weihnachtsgefühle – „Oh, die Kekse riechen nach Weihnachten!“ –, ja, so sind wir geprägt. Für uns hat jede Jahreszeit nicht nur ihr eigenes Wetter, sondern auch ihren ganz speziellen Duft – und zur bevorstehenden „Saison“ gehören Gewürze wie Zimt, Vanille, Nelken, Kardamom und Stern­anis einfach dazu.

Heute gehen wir im Lebensmittelgeschäft wie selbstverständlich ans Gewürzregal, hangeln uns auf der Suche nach dem von uns benötigten Gewürz – vom Alphabet begleitet – von oben nach unten und haben nach kurzer Zeit meist das richtige gefunden.

Echte Schätze
Früher sah das mit den Gewürzen aber ganz anders aus: Sie waren einst so kostbar wie Gold. Und die Gewürze aus dem Orient waren so sehr begehrt, dass Seefahrer aus ganz Europa über Jahrhunderte hinweg im Fernen Osten untereinander Kriege austrugen, um damit die Herrschaft über den Gewürzanbau und den Gewürzhandel zu erringen.

Damit Sie ein bisschen mehr über unsere typischen Weihnachtsgewürze erfahren, hier ein kurzer Steckbrief in alphabetischer Reihenfolge (wie Sie es von der Gewürzauswahl in Ihrem Einkaufsmarkt ja gewohnt sind):

Duftende Knospen: Gewürznelken
Unverzichtbar zum Aromatisieren von Glühwein, Punsch und anderen Heißgetränken sind Gewürznelken. Da sie aber nicht nur als ganze Blütenknospe, sondern auch als Pulver angeboten werden, kann man sie in gemahlener Form auch zum Backen von Weihnachts- und Gewürzgebäck verwenden. Gewürznelken verströmen ein warmes, duftendes Aroma und ihr Geschmack variiert je nach Dosierung von süßlich-würzig bis scharf.

Bei Gewürznelken handelt es sich um die getrockneten Blütenknospen des immergrünen Nelkenbaumes, der am besten im tropischen Meeresklima gedeiht. Ursprünglich stammt der Nelkenbaum von den Molukken, den „Gewürzinseln“, einer indonesischen Inselgruppe zwischen Neu-Guinea und der Insel Sulawesi. Heute sitzen die Exporteure für Nelken aber fast ausschließlich auf Madagaskar und Sansibar.

Ein scharfes Zeug: Kardamom
Das aus Indien stammende Kardamom gilt, wie Safran und Vanille, als eines der ältesten und teuersten Gewürze der Welt. Auch heute noch ist Indien weltweit der größte Kardamom-Lieferant. Das Gewürz wird aus den unreifen, rötlich braunen Samen des Kardamomstrauches gewonnen.

Kaum ein anderes Gewürz ist so variabel in der Küche einsetzbar: Kardamom unterstreicht durch seinen süßlich-scharfen Geschmack sowohl süße als auch herzhafte Gerichte hervorragend. Als typisches „Kardamom“-Weihnachtsgebäck gelten Gewürzkuchen und ‑plätzchen, Spekulatius, Lebkuchen und Stollen. In der Vorweihnachtszeit wird Kardamom aber nicht nur zum Backen, sondern gern auch als Glühwein- oder Punschgewürz genutzt.

Ähnlich, aber nicht gleich: Sternanis
Wortverwandt, aber dennoch von anderer Herkunft als der Anis ist der Stern­anis, der hauptsächlich in Südostasien angebaut wird. Es handelt sich bei diesem Gewürz um die Früchte des immergrünen Stern­anisbaumes, der in Japan als heiliger Baum verehrt wird. Sternanis riecht und schmeckt ebenso süßlich wie der Anis, ist vom Aroma jedoch etwas feiner als sein „sternloser“ Geselle.

Möchte man warme Getränke wie zum Beispiel Grog, Glühwein oder Teemischungen zubereiten, kann Sternanis im Ganzen mitgekocht werden. Für Gebäck wie beispielsweise Lebkuchen und Pfeffernüsse verwendet man dagegen besser das gemahlene Gewürz. Und noch etwas: Sternanis eignet sich auch hervorragend für die weihnachtliche Dekoration!

Die Königin: Vanille
Sie gilt als „Königin der Gewürze“: Vanille, die schöne Kletterpflanze aus der Familie der Orchideen. Ihre ursprüngliche Heimat ist Mexiko, und schon die Azteken würzten ihre Schokoladengetränke mit Vanille. Heute kommt Vanille vornehmlich aus Madagaskar und Indonesien, den Komoren und – nach wie vor – aus Mexiko.

Beachtliche vier Jahre braucht jede Vanillepflanze, bis sie zum ersten Mal Früchte trägt. Ist es dann so weit, werden die fast noch grünen Früchte kurz vor dem Aufplatzen gepflückt, mehrere Male abwechselnd in heißen Wasserdampf gehalten und anschließend getrocknet. Dabei entwickelt sich die charakteristische Farbe und der Geschmack, dessen Hauptträger das Vanillin ist. Vanillin ersetzt echte Vanille übrigens nicht, da Vanillin nur ein Wirkstoff unter mehreren anderen Aroma­bestandteilen ist.

Vanille gehört einfach zur Weihnachtsbäckerei dazu, denn sie verfeinert alle Gebäcksorten. Vanille verdankt ihre Beliebtheit ihrem lieblichen, aber dennoch intensiven Geruch und ihrem hocharomatischen, süßlich-würzigen Geschmack. Toll eignet sich Vanille auch in Kombination mit Zimt, Ingwer, Kardamom oder Nelken, wobei diese Zutaten dann allerdings sparsam verwendet werden sollten.

Ein Tipp: Vanillestangen bewahrt man am besten in einem verschließbaren Glasröhrchen auf, damit sie ihr feines Aroma behalten. Und zur Zubereitung dieser Hinweis: Vanillestangen werden an einer Längsseite aufgeschlitzt und das Mark mit einem Messer herausgeschabt. Sie können aber auch als ganze Stange aufgekocht werden.

Bestimmt nicht von der Stange: Zimt
Keine Adventszeit ohne Zimt! Dieses süß-aromatische, leicht holzig bittere Gewürz, das übrigens aus der Innenrinde des immergrünen Zimtbaums gewonnen wird, wird bei uns vor allem für Stollen, Punsch und Glühwein, Zimtsterne, Lebkuchen und Spekulatius verwendet.

Unter der allgemeinen Bezeichnung „Zimt“ versammeln sich sowohl der Ceylon-Zimt als auch die kräftigeren Varianten Kassia-(China-)Zimt und Padang-Zimt. Ceylon-Zimt kommt vorrangig in Stangenform auf den Markt, die beiden anderen werden hauptsächlich gemahlen angeboten.

Unser Tipp: Zum Backen ist das gemahlene Gewürz zu empfehlen, Zimtstangen kommen eher bei heißen Getränken zum Einsatz. Übrigens gilt als kleine Faustregel: Alles, was mit Zucker gesüßt wird, darf auch mit Zimt gewürzt werden!

Auch ein Plus für die Gesundheit
Die Weihnachtsgewürze machen nicht nur Getränke und Speisen unverwechselbar im Geschmack, sondern haben auch eine positive Wirkung auf unseren Körper. Gewürznelken sollen beispielsweise ein desinfizierendes und schmerzstillendes, ätherisches Öl enthalten, das unter anderem gegen Zahnschmerzen hilft. Außerdem wirken sie magenstärkend und durchblutungsfördernd.

Unser Tipp: Lassen Sie einfach in heißem Tee oder Honigmilch jeweils eine Messerspitze Zimt, Kardamom, Ingwer und/oder Nelkenpulver mit ziehen – das hilft garantiert gegen den vorweihnachtlichen Stress!

Über Kardamom wird zum Beispiel gesagt, er sei appetitanregend und verdauungsfördernd. Das Letztere gilt auch für den Sternanis, der jedoch sehr selten als Heilmittel eingesetzt wird. Vanille hingegen soll die Abwehrkräfte des Körpers stärken und sich positiv auf das Liebesleben auswirken (also zugreifen bei den Vanille­kipferln!). Und von Zimtöl weiß man, dass es antibakteriell wirkt, das Pilzwachstum hemmt und die Darmbewegung unterstützt. Alles in allem vielleicht ein guter Grund, auch außerhalb der Vorweihnachtszeit diese Gewürze zum Einsatz zu bringen, oder?

Unser Tipp: Gewürze sollten nicht länger als ein bis zwei Jahre gelagert werden. Damit die wohltuenden ätherischen Öle möglichst lange erhalten bleiben, wird empfohlen, die Gewürze erst kurz vor dem Gebrauch zu mahlen.

Und fürs Backen wünschen wir Ihnen „duftes“ Gelingen!
chris

Fotos: Fuchs-Gewürze, Henrik Matzen