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Dienstag, 22. Mai 2012
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Aus der Gosse (fast) ganz nach oben

Cocktail: „Alles klar“

Nichts macht so stark wie ein harter Gegner – im Wettstreit mit dem unnahbaren, weil geschmacksneutralen Wodka hat der höchst aromatische Gin kostbare Meter aufgeholt.

Zunächst aber stand es eher schlecht um seinen Ruf. Nachdem die englischen Truppen den Wacholderschnaps im 17. Jahrhundert aus Holland mitbrachten, stieg das Gesöff erst mal zur Elendsdroge ab. Während sich die Wohlsituierten an Cognac gütlich taten, machte in den Slums von London und Manchester der Gin Karriere. Schließlich eroberte er auch andere Kreise, meist in Gestalt äußerst gewagter Mischungen: mit Pfefferminzlikör („Gin & Pep“), Bier („Dog’s Nose“) oder italienischem Wermut („Gin & It“).

Eine bis heute legendäre Verbindung ging der einstige „Soldatenfusel“ allerdings erst in den britischen Kolonien ein. Dort hatte sich längst schon das chininhaltige „Indian Tonic“ als Malariaprophylaxe etabliert – allein, der rechte Kick fehlte noch. Mit einem ordentlichen Schuss Gin stellte er sich ein, und in dieser Kombination macht der herb duftende Gefährte noch heute eine gute Figur. Ganz nebenbei beseelt er auch den Klassiker jeder Cocktailbar: den Martini.

Ob er dem Wodka jemals den Rang ablaufen wird, bleibt fraglich. Aber er arbeitet daran – und sei es um den Preis von Aromazusätzen, die den starken Wacholdergeschmack ein wenig mildern sollen.

espa

Foto: convenience-guide food studio