Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Alles andere als ein Flop: der Plop
Der Erfolg der Flensburger Brauerei
Um eines vorwegzunehmen: Ob das ultimative Bier aus Deutschlands hohem Norden kommt, kann auch dieser Artikel nicht beantworten. Immerhin buhlen rund 1 300 Brauereien hierzulande um die Gunst des Genießers, und sie alle tun es nach den strengen Regeln des Reinheitsgebots von 1516. Ein wirklich schlechter, sprich gepanschter Gerstensaft ist folglich ausgeschlossen. Aber natürlich ist auch Bier eine Frage des Geschmacks – und der fällt im Falle des Flensburger Pilsener erfrischend herb aus.
Wer also ein „Flens“ bestellt oder aus dem Kasten zieht, huldigt damit zugleich einer norddeutschen Mentalität: die des trocken-hintersinnigen Flachländers, den nichts so leicht aus der Fassung bringt.
Die Ruhe im Sturm
Dass die Flensburger Brauerei inzwischen bis zu 1 Million Bügelverschlussflaschen täglich auf die Reise schickt, hat sie nicht allein ihren hochwertigen Produkten zu verdanken, sondern zu einem guten Teil auch ihrer witzigen Werbung. Längst sind die Spots des Bierherstellers Kult – nicht nur nördlich der Elbe.
Ein Beispiel: Ein schwerreicher Texaner betritt eine schleswig-holsteinische Schenke und lässt nichts unversucht, die wortkargen Gäste zu beeindrucken. Als das Gespräch auf das Thema Grundbesitz kommt, merkt er prahlerisch an, dass er einen ganzen Tag benötigen würde, um mit seinem Nobelschlitten sein Land zu umrunden. Worauf ein Bauer entgegnet: „Jo, so ein Auto hatte ich auch mal.“ Plop!
Hopfen, Wasser, Malz und Hefe
Weniger ist mehr – hierin liegt das Geheimnis des hochwertigen deutschen Biers, dessen Bestandteile seit rund 500 Jahren gesetzlich festgelegt sind. Hopfen, Wasser, Malz und Hefe, mehr gehört nicht hinein, und mehr muss es auch nicht sein.
Gleichwohl besitzen die vielen deutschen Erzeugnisse ihr mehr oder weniger eigenes Geschmacksprofil. Zum einen, weil jede Brauerei diese Ingredienzien nach einer individuellen, streng gehüteten Rezeptur miteinander kombiniert, zum anderen, weil Malz nicht gleich Malz ist und Wasser nicht gleich Wasser.
Die Rohstoffe im Einzelnen
Den Anfang macht das Braugetreide, und das ist zu über 90 % die Braugerste. Gegenüber den anderen Getreidearten schützt die Gerste als bespelztes Getreide (die sogenannten Spelzen umschließen das Korn) während des Mälzens den Keimling (aus der Gerste wird schließlich das Malz gewonnen). Während des Brauprozesses filtert sie auf natürliche Weise die vergärbare Bierwürze von den festen, unlöslichen Kornbestandteilen. Malz hat maßgeblichen Anteil am Endprodukt und gibt dem Bier seine Farbe und seine Geschmacksfülle.
Dem Hopfen kommt das Privileg zu, dem Bier seine Würze zu verleihen, denn es ist seine Seele. Die in ihm enthaltenen Weichharze sorgen für den typischen feinbitteren Geschmack und machen es ganz nebenbei auch noch haltbar. Über Jahrhunderte wurde der Hopfenanbau in mühseliger Handarbeit betrieben. Moderne Technologien haben dem zwar ein Ende gesetzt, der Aufwand aber liegt nach wie vor um ein Vielfaches höher als beim Getreide.
Um den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure zu verwandeln, wird Hefe benötigt. Die meisten Brauereien züchten ihre Hefe in Reinzucht, also aus einer Ursprungszelle, womit eine gleich bleibende Geschmacksnote und Bierqualität sichergestellt wird.
Fehlt nur noch das Wasser, damit das Ganze auch trinkbar wird. Nicht selten liegen die Ansprüche der Brauer an diesen Rohstoff noch höher als die, die die geltende Trinkwasserverordnung vorschreibt. Logisch, dass die Flensburger Brauerei nicht ohne Stolz auf die unterirdischen Gletscherströme Nordskandinaviens verweist, aus denen sie ihr kristallklares Brauwasser gewinnt.
Ein Original wird gemacht
Wer ein „Flens“ verlangt, meint in der Regel das Flensburger Pilsener. Längst erfreut es sich der Gesellschaft vieler weiterer Biersorten, die die Flensburger Bauerei ebenfalls im Sortiment führt und nach denselben strengen Richtlinien erzeugt, doch noch immer ist es das Aushängeschild des Unternehmens. Und so wird es hergestellt:
Im Maischbottich gehen das fein geschrotete Malz und das gletscherreine Wasser eine folgenreiche Liaison ein. Beide Bestandteile werden erhitzt, so entsteht aus der Malzstärke der Malzzucker –
und damit die Würze. Anschließend geht es in den Läuterbottich. Einem Ufo nicht sonderlich unähnlich, ermöglicht er in seinem Innern dem wertvollen Gemisch, vollkommen rein durch den natürlichen Filter zu fließen, den die Schalen des Malzkornes bilden.
Nicht minder imposant fällt in der Flensburger Brauerei die weltweit größte und modernste Sudpfanne, der so genannte Merlin, aus. Auch wenn er äußerlich als Zauberer eine eher schlechte Figur macht, grenzt sein Können doch schon an Magie. Immerhin sorgt er dafür, dass unter Beigabe von feinstem Aromahopfen die kostbaren Vitamine und Ballaststoffe des Flensburger Originals weitgehend erhalten bleiben. Im Merlin werden die drei Rohstoffe so lange gekocht, bis sie die gewünschte Stammwürze des „Flens“ erreichen.
Vorläufig abgeschlossen wird der Brauprozess im Gärkeller der Brauerei. Dort kommt die Reinzucht-Hefe ins Spiel, die über einen Zeitraum von 7 Tagen und Nächten den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure umwandelt. Eine Zentrifuge trennt die Hefe schließlich vom Gerstensaft – darauf ist im Lagerkeller erst mal Ruhe angesagt.
Mit 3,5 bar in die Flasche
Makellos soll es sein, das „Flens“. Darum wird es im Filterkeller von allen Trübungsstoffen und den letzten Resten Hefe getrennt. Ist das geschehen, wird das Bier in Schale geschmissen. Mit 3,5 bar wird das Bier bis zu 1 Million Mal in die typische Bügelverschlussflasche abgefüllt, etikettiert und in die Kästen befördert. Oder auch in Fässer, die bis zu 120 l schlucken können.
Über einen Transporttunnel geht es nun in die Lager-, Verlade- und Sortierhalle – und von dort geradewegs zu den Getränke-Fachgroßhändlern deutschlandweit.
Obergärig, untergärig
Im Hinblick auf die Brautechnik lassen sich unsere Biere vereinfacht in zwei Gruppen einteilen: die Obergärigen und die Untergärigen. Obergärige Hefe wandert während des Brauvorgangs langsam nach oben und kann dort vom Sud abgeschöpft werden. Untergärige Hefe dagegen setzt sich beim Brauen auf dem Kesselboden ab.
In früheren Jahrhunderten waren es die klimatischen Bedingungen, die darüber entschieden, ob unter- oder obergäriges Bier gebraut wurde. Schließlich benötigt obergärige Hefe eine „Betriebstemperatur“ von 15–20 °C, während untergäriges Bier es deutlich kühler mag (4–9 °C). Darum spürt man selbst heute noch beim Betreten eines Gärkellers schnell am eigenen Leib, welche Art Bier dort hergestellt wird.
espa







