Artikel dieser Ausgabe aus Essen & Trinken
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Aber bitte mit Sahne!
Nicht gerührt, nicht geschüttelt: Ostfriesentee
Einer der kürzesten Ostfriesenwitze könnte lauten: „Quasseln zwei Ostfriesen miteinander ...“ In Wirklichkeit nämlich geben sich die Bewohner diesseits der Deiche eher wortkarg und distanziert. Logisch also, dass der im Rest der Republik geheiligte Kaffeeklatsch hier chancenlos bleibt – vom Umstand ganz abgesehen, dass das Nationalgetränk der Ostfriesen der Ostfriesentee ist.
Seit 300 Jahren in aller Friesen Munde
Ein Ostfriese ohne seinen Tee, das ist wie
in der Tat fällt es schwer, einen ebenbürtigen Vergleich zu finden. Doch das war nicht immer so. Ehe die Engländer und Holländer Anfang des 18. Jahrhunderts die Teepflanze aus den Tropen nach Europa brachten, sprachen die Nordmänner bevorzugt dem Bier zu, um in Stimmung zu kommen. Bald zeigte sich jedoch, dass selbst abgekochtes Wasser Laune machen kann – zumindest unter Beigabe einiger Teeblätter. 1777 allerdings war es erst mal vorbei mit dem sorglosen Teetrinken an der Westküste, ein Erlass Friedrichs des Großen wollte es so. Gut möglich, dass die Lobby der Bierbrauer Anteil daran hatte – in jedem Fall wurde Tee mit einem Mal als „chinesisches Drachengift“ verunglimpft. Eine Aufrechterhaltung dieser Verordnung scheiterte letztlich am gesunden Trotz der Flachländer, und so setzte sich der köstliche Import dauerhaft hierzulande durch.
Die Mischung machts
Es mag immer noch Menschen geben, die in unseren nordischen Breiten nach Teeplantagen Ausschau halten. Hauptbestandteil der ostfriesischen Teemischung aber ist Assamtee, und dessen Gedeihen verlangt nach treibhausähnlichen Klimabedingungen. Feucht und warm muss es sein, damit die Blätter der wilden, ca. 20 m hohen Teesträucher im Nordosten Indiens (Assam) ihre herausragende Qualität erreichen. Der hieraus gewonnene Tee ist überaus kräftig und aromatisch und wird weltweit für die verschiedensten Mischungen genutzt. Mit von der ostfriesischen Partie sind – in deutlich geringerem Umfang – blumiger Ceylon- und Darjeelingtee oder auch eine Prise Java.
„Echt“ stark
Ostfriesentee gibt es glücklicherweise weit über die norddeutschen Grenzen hinaus, doch ausschließlich in Friesland ansässige Teehandelsbetriebe dürfen ihrem Erzeugnis das Prädikat „echter Ostfriesentee“ geben. Das sagt aber noch nichts über die Qualität der Konkurrenz aus. Fest steht nur, dass die ostfriesischen Teekoster eine sehr feine Nase besitzen und bereits feine Unterschiede in der Mischung herausschmecken können.
Jede Menge Fettnäpfchen
Es bedarf einer gewissen Sachkunde, um im Kreis von Tee trinkenden Ostfriesen nicht unangenehm aufzufallen. Schließlich folgen die Zubereitung und der Genuss des starken Getränks strengen Regeln. Das fängt bereits mit der Kanne an. Um jede Geschmacksverfälschung zu vermeiden, sollte ausnahmslos die Ostfriesenmischung darin aufgebrüht werden. Im Laufe der Zeit bekommt ihre Innenseite eine entsprechende Patina – und die darf keinem Spülmittel zum Opfer fallen.
Pro Tasse rechnet man einen gehäuften Teelöffel sowie einen weiteren „für das Gefäß“. Der erste Aufguss mit kochendem Wasser sollte gerade mal die Blätter bedecken. Nach 3 (wirkt anregend) bzw. 5 Minuten (wirkt beruhigend) wird die restliche Menge heißen Wassers nachgefüllt. Durch das Nachziehen kann der Tee bitter werden; deshalb empfiehlt sich im Anschluss ein Umgießen in ein zweites Gefäß (z. B. Isolierkanne) mit einem Sieb.
Nun kommen zwei oder drei Stücke „Kluntje“ (weißer Kandis) in die Tasse – erst dann nämlich knistert es beim Eingießen so schön. Natürlich süßt auch schnöder Zucker, doch längst nicht so angenehm mild. Ist der Tee in der Tasse, kommt das „Wulkje“ (Wölkchen), ein Schuss echter Sahne, hinzu. Doch Vorsicht: Nur wer die Sahne mit Bedacht (am besten am Tassenrand) hineinlaufen lässt, setzt dem Getränk eine wirklich schöne Krone auf. Eine weitere Regel lautet: Bloß nicht umrühren! Vielmehr wird jede Tasse Ostfriesentee in drei Stufen genossen: Der erste Schluck fällt cremig-sahnig aus, die folgenden zwei, drei dagegen recht herb – und erst zum Ende hin entpuppt sich der Tee dank „Kluntje“ als wahre Praline.
Weitere Infos über Ostfriesentee und andere Teesorten finden Sie unter www.tee.de.
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