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Dienstag, 22. Mai 2012
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Unser Norden: Diese Bio-Graphie macht Sinn

Biomilch vom Hofe Aewerdieck

Nicht zu fassen, was man manchmal zu lesen vorgesetzt bekommt. Mitunter halten es 17-jährige Möchtegern-Superstars für nötig, uns Weisheiten aus der prall gefüllten Schatztruhe ihres erfüllten Lebens zu offenbaren. Keine Frage, Biographien sind in. Zumindest bei jenen, die sich ein goldenes Näschen damit verdienen. Aber es gibt auch Biographien, die sind auf den Vorteil aller bedacht.

Von der Biographie zur Bio-Graphie

Als ich Jörg Aewerdieck auf seinem Hof am südlichen Stadtrand von Lübeck aufsuche, bekomme ich schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das Thema Bio. Der Landwirt ist bei einem Tier seiner Herde, welches sich keinen besseren Zeitpunkt hätte aussuchen können, um zu kalben. Zur Versüßung der Wartezeit bekomme ich Kaffee und leckeres Eis von Aewerdiecks Frau Regina kredenzt. Kurze Zeit darauf erscheint der Landwirt und heißt mich willkommen.

Er sei nicht immer schon Bio-Bauer gewesen. Gelernt und gearbeitet hat er 15 Jahre in der konventionellen Landwirtschaft. Über die Motive seines Wechsels berichtet er frei heraus, dass er quasi zu seinem Glück gezwungen wurde. Der Vertrag für den mittlerweile in dritter Generation geführten Pachtbetrieb lief aus, und die Aussicht auf einen neuen Vertrag war gekoppelt an die Bedingung ökologischer Landwirtschaft.
Zunächst war er skeptisch. Dieser Schritt erforderte ein Umdenken und das Brechen mit alten Gewohnheiten. Aber er hatte die Traute! Seit dem 01. Juli 1999 ist er offiziell Bio-Bauer. Mittlerweile würde er auch nicht mehr tauschen wollen. Überrascht ist er manches Mal, was auch ohne Pflanzenschutzmittel möglich ist.

Ein hoher Standard

Wie die meisten Bio-Bauern in Deutschland, so gehört auch Aewerdieck einem Bio-Anbauverband an. In seinem Falle ist es der Biopark. Alle orientieren sich an den EU-Richtlinien, doch jeder einzelne unter ihnen wartet mit unterschiedlichen Auflagen und Bestimmungen auf. Dies ist ein kleines Manko in der ansonsten vorbildlich transparenten Bio-Welt.

Kontrollierte Qualität

Eine hervorragende Qualität darf der Verbraucher angesichts eines Bio-Siegels allemal voraussetzen, denn die allgemein gültigen Auflagen sind scharf und die Kontrollen engmaschig. Aewerdieck ist der Einsatz der meisten Pflanzenschutzmittel untersagt, weiterhin ist Stickstoffdünger verboten. Als Futter für die Tiere kommt ebenfalls nur von derlei Mitteln und von gentechnischen Änderungen verschontes in Frage. Es wird nur hofeigenes Futter von zertifizierten Flächen verwendet.
Dies ist zugleich Hauptkostenfaktor für den Bio-Landwirt, da eine größere Fläche benötigt wird, um die gleichen Ernteerträge zu erzielen. Gut für die Umwelt hinter dem Tellerrand! So wird der Einfuhr von Sojaschrot aus gebrandrodeten Regenwaldgebieten der Nährboden genommen.

Drum prüfet, wer sich ewig schindet

Im Gegensatz zu der etwa alle drei Tage nach Milchgüteverordnung kontrollierten, konventionell erwirtschafteten Milch wird Aewerdiecks Biomilch täglich auf Hemmstoffe und andere Parameter überprüft. Jedes Jahr aufs Neue muss sich der Agrarökonom seitens des Verbandes und einer unabhängigen Kontrollstelle zertifizieren lassen. Der präventive Einsatz von Antibiotika ist nach den Bio-Richtlinien nicht zulässig. Der intensive Austausch mit dem Tierarzt und das Vertrauen auf homöopathische Mittel genießen höhere Priorität.

Landluft macht gesund

Bio-Kühe haben mehr Platz. Neben dem vorgeschriebenen täglichen Auslauf stehen ihnen auch im Stall mehr Quadratmeter Fläche zu. Welche Auswirkungen hat nun dieser gänzlich andere
„Lebensstil“ auf das Naturprodukt? Zum einen weist Bio-Milch einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren auf. Diese sind bekannt für ihre blutdrucksenkende, gefäßschützende und entzündungshemmende Wirkung. Hinzu kommen weiche Faktoren wie z. B. besserer Geschmack von Biomilchprodukten.

Milch macht müde Gläser munter

An diesen hochwertigen Gütern mangelt es der coop nicht. Allein über die Meierei Aewerdiecks, die Gläserne Meierei, bezieht sie jährlich 500 000 Liter Biomilch. Und wenn Sie jetzt das Augenmerk auf Ihr leer stehendes Glas richten, werden Sie feststellen, dass es sich nichts sehnlicher wünscht als eine Änderung des Status quo.

Weitere Informationen unter www.glaeserne-meierei.de