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Samstag, 19. Mai 2012
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Immer für die Menschen da...

Konsumgenossenschaften in Europa.

Seit der Gründung der ersten dauerhaften Konsumgenossenschaft im Jahre 1844 in Großbritannien hat sich die konsumgenossenschaftliche Idee über die ganze Welt verbreitet.

Rochdale bei Manchester ist der globale Wallfahrtsort für Konsumgenossenschafter. Aus dem ersten Genossenschaftsladen ist ein rege besuchtes Museum geworden. Wie aus so manchem anderen auch, was im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden war.

Großbritannien
Die Briten hatten schon vor 100 Jahren zahlreiche eigene, genossenschaftlich organisierte Fabriken, die inzwischen jedoch fast alle geschlossen sind. Jahr um Jahr verloren sie Marktanteile, bis sie diese vor einigen Jahren bei fünf Prozent stabilisieren konnten. Seitdem geht es wieder aufwärts. Durch den Zukauf einer größeren Ladenkette konnte der Marktanteil auf über acht Prozent gesteigert werden.

In der Rangfolge der Einzelhändler in Großbritannien stehen die Genossenschaften auf Platz fünf. Zwar gibt es hier auch etliche kleinere, der Sektor wird jedoch beherrscht von »The Co-operative Group«, die mehr als 80 Prozent des konsumgenossenschaftlichen Umsatzes von knapp 15 Milliarden Euro auf sich vereint und über drei Millionen Mitglieder zählt. Beschäftigt werden 110 000 Menschen in 4900 Märkten.

Traditionell verfügen die britischen Konsumgenossenschaften über große landwirtschaftliche Betriebe, in denen sie Obst und Gemüse produzieren. Eine weitere Besonderheit ist der Betrieb von Apotheken, allein 800 durch »The Co-operative Group«. Zu den Besonderheiten der britischen Organisation gehören schließlich die Beerdigungsinstitute, bei denen sie mit über 200 Standorten der Marktführer sind. Auch unterhalten sie eine eigene Bank und eine Versicherungsgesellschaft.

Schweiz und Italien
Das Land der Genossenschaften ist die Schweiz. Bei den Konsumgenossenschaften stehen sich zwei Gruppen mit ganz unterschiedlicher Geschichte gegenüber. Da ist zunächst die kleinere Gruppe Coop mit einem Jahresumsatz von 13 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 20 Prozent, die allein zweieinhalb Millionen Mitglieder zählt und 53 000 Beschäftigte. Auch die Schweizer Coop hält eigene Apotheken. Sie verfügt über ein Tankstellennetz und über etliche Produktionsbetriebe, zum Beispiel über eines der größten Fleischwarenunternehmen. Die Schweizer Coop ist Marktführer bei Bioprodukten und hält sich viel darauf zugute, dass sie sehr viel für den Verkauf von Fair Trade-Produkten tut.

Größer noch als die Coop ist die Migros-Gruppe mit 82 000 Beschäftigten und 17 Milliarden Euro Umsatz. Während die Coop aus traditionellen Konsumgenossenschaften entstanden ist, die nach und nach fusioniert haben, ist die Migros als Privatunternehmen von Gottlieb Duttweiler aufgebaut worden, der sein Unternehmen schließlich seinen Kunden geschenkt hat. Bemerkenswert ist das soziale Engagement der Migros, beispielsweise in der Form des Bildungsprozents. Ein Prozent des Umsatzes wird für Maßnahmen der Volksbildung zur Verfügung gestellt, und so findet man in der Schweiz überall Bildungseinrichtungen, die von der Migros finanziert werden.

Auch in Italien gehört das Engagement für soziale Projekte zum Selbstverständnis der Konsumgenossenschaften. Es gibt beispielsweise eine coop-Kreditkarte, bei der automatisch ein vorher festgelegter Prozentsatz der Einkaufssumme an einen sozialen Fonds überwiesen wird, den die Konsumgenossenschaften gemeinsam mit der Caritas verwalten. Neben etlichen kleinen gibt es in Italien neun große Konsumgenossenschaften, die das ganze Land abdecken und über einen Marktanteil von rund 18 Prozent verfügen.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Mitgliederzahl der italienischen Konsumgenossenschaften auf rund sieben Millionen verdreifacht. Auch hier spielen die Coop-Eigenmarken eine große Rolle. Sie machen fast 20 Prozent des Umsatzes aus. Die Qualität der Eigenmarkenprodukte wird über ein ausgefeiltes System garantiert. Bevor ein Produkt den Stempel »Coop« bekommt, muss es umfangreiche Geschmacks- oder Tauglichkeitstests bei speziellen Mitgliedergruppen bestehen. Insgesamt 38 000 Mitglieder der italienischen Kooperativen sind in diesem Prozess der Qualitätssicherung eingebunden.

Skandinavien
Die skandinavischen Konsumgenossenschaften haben sich im Jahre 2002 zur »Coop Norden« zusammengeschlossen. Diese Aktiengesellschaft sollte in Schweden und Dänemark das Einzelhandelsgeschäft betreiben, während die norwegischen Konsumgenossenschaften sich nur dem gemeinsamen Einkauf angeschlossen haben.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die gemeinsame Vertriebsorganisation nicht gut funktionierte und insbesondere im schwedischen Teil des Unternehmens erhebliche Verluste produzierte. In der Folge ist »Coop Norden« umgewandelt worden in eine reine Einkaufsorganisation, die nun allerdings mit erheblicher Marktmacht auftreten kann, da die drei skandinavischen Länder einen konsumgenossenschaftlichen Marktanteil von durchschnittlich rund 30 Prozent aufweisen. Zu der Einkaufsorganisation sind inzwischen auch die starken finnischen Konsumgenossenschaften hinzugestoßen.

Ein besonders genossenschaftliches Land ist Finnland. Dort leben 5,3 Millionen Menschen, von denen 1,8 Millionen einer Konsumgenossenschaft angehören, deren Mitgliederzahl sich in acht Jahren verdoppelt hat. Nahezu jede Familie in Finnland ist der Konsumgenossenschaft angeschlossen. Lidl bemüht sich darum, in Finnland Fuß zu fassen, ist aber über einen Marktanteil von vier Prozent nicht hinausgekommen. Der Marktanteil der finnischen Konsumgenossenschaften hat sich von 1992 bis 2007 um 25 Prozentpunkte auf 41 Prozent erhöht.

Wenn man sich in Europa umsieht, dann gibt es für die Zukunft der Konsumgenossenschaften keinen Grund zum Pessimismus. Die Genossenschaftsidee lebt, die genossenschaftlichen Unternehmen wachsen und gedeihen.
Dr. Burchard Bösche

Garantierte Qualität bietet die eigenmarke der coop in Italien.
Wie auch in Deutschland liegt der Fokus bei der coop Italien auf absoluter Frische und natürlichen Produkten.
Fotos: coop Italien (4), coop Großbritannien (2)