Archivierte Artikel im Detail

 
Sie sind hier: Archiv / Artikel
Samstag, 19. Mai 2012
...

Single aus Überzeugung!

Der Feldhamster

„Die Erde ist aller Wesen Erhalterin, sowohl des Menschen, der sie bebaut, als auch des Hamsters, der sie durchwühlt.“
Dieses wunderbare Zitat entstammt der Feder von Friedrich Gabriel Sulzer (1749 – 1830), einst Naturforscher, Arzt und Weggefährte Goethes, der mit seinem Werk „Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters“ eine lesenswerte Grundlagenlektüre schrieb.

Wir sehen also, dass der Nager bereits vor 200 Jahren einen gewissen Stellenwert in der Natur zu besitzen schien. Was ist also so besonders an dem putzigen Kerlchen mit den Pausbäckchen?

Fakten, Fakten, Fakten …

Der Hamster gehört zu den Säugetieren und der Ordnung der Nagetiere (Rodentia). Er hat die typisch gebogenen Schneidezähne in Ober- und Unterkiefer, die unaufhaltsam ein Leben lang weiterwachsen. Lediglich das Nagen trimmt diese immer wieder auf die richtige Länge. Der Hamster bildet seine eigene Unterfamilie innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae). Zu ihr zählen auch der Goldhamster und die Dschungaren (Zwerghamster). Der Feldhamster (Cricetus cricetus) gehört zu den Großhamstern und ist der Einzige seiner Art. Er misst eine Größe von 20 – 35 cm und wiegt 200 – 500 g. Das ist mehr als das Dreifache eines Goldhamsters, weshalb er zu den größeren Nagetieren gerechnet werden kann.

Kleider machen Hamster …

Über seine Garderobe hat sich unser Feldhamster gründlich Gedanken gemacht. Sein buntes Fell ist für einheimische Säugetiere einzigartig. Es sieht nicht nur besonders hübsch aus, sondern dient in Notsituationen sogar der Feindabwehr. Begegnet er etwa einem ungebetenen Gast, welcher ihm offensichtlich überlegen ist, zieht er alle Register. Er wirft sich blitzschnell auf den Rücken und zeigt dem Feind seinen schwarzen Bauch mit den weißen Füßen. Daraufhin wird sein Gegner einen gehörigen Schreck bekommen, denn er glaubt, einem Raubtier mit weißen Reißzähnen ins Antlitz zu schauen.

Ganz schön gerissen!

Wir sehen also, dass „Willy“ einfach zu härteren Bandagen greifen muss, um sein ohnehin schon kurzes Leben zu sichern – meist wird er in freier Wildbahn nicht älter als ein Jahr. Wenn ein Eindringling naht, versucht er also zunächst, durch eine Fallröhre seinen Bau zu erreichen. Seine kurzen Beine können ihm leider nicht zu einer schnellen Flucht verhelfen. Daher hat er eigene Drohgebärden entwickelt. Sollte sich sein Bau z. B. nicht in greifbarer Nähe befinden, bäumt er sich vor seinem Feind auf, d. h., er stellt sich auf die Hinterbeine und bläst seine Backen­taschen auf, um doppelt so groß zu wirken. Darüber hi­naus fletscht er seine Zähne und versucht durch lautes Knurren und Zischen, seinen Feind zu erschrecken. Wenn das alles nicht funktioniert, bedient er sich seines Tricks, das Raubtiermaul zu imitieren (s. o.).

Und als Hauptspeise: Abwechslung!

Der Feldhamster ist ein Allesfresser und hat somit eine recht große Auswahl an Gerichten auf seinem Speiseplan stehen. Er frisst zum Beispiel Halme, Knollen, Möhren, Kartoffeln, Wildkräuter, aber auch proteinhaltige Nahrung wie Regenwürmer, Käfer – ja, sogar Feldmäuse werden vernascht.

Im Spätsommer kommt das Sandmännchen!

Ende August ist es dann so weit. Der Feldhamster verabschiedet sich in den Winterschlaf. Was nicht heißen soll, dass er von nun an ein halbes Jahr durchschläft. Umgeben von seinen angelegten Vorräten legt er anfangs noch täglich Fresspausen ein. Allmählich werden diese Pausen jedoch immer seltener. Dann verlieren die Tiere ein Drittel ihres Körpergewichts. 2 – 4 kg Nahrungsvorrat benötigen sie. Hat ein Hamster nicht genug Nahrung zusammentragen können, wird er den Winter leider nicht überleben. Ende März dann verlässt er wieder seinen Bau und entwickelt – passend zur Jahreszeit – Frühlingsgefühle.

Singlebörse aktuell

Eigentlich liebt der Feldhamster sein Singleleben über alles, doch bekommt auch er hin und wieder das Bedürfnis, eine Familie zu gründen. Dies geschieht in der ersten Paarungsperiode Ende April bis Mitte Mai. Die Männchen besuchen die Weibchen in ihren Bauten und begatten sie dort. Meist paart sich ein Hamster-Mann in seinem Revier sogar mit mehreren Hamster-Frauen.

Bereits 12 Tage nach der Geburt bringen die durchschnittlich 4 – 12 Jungen schon 40 g auf die Waage, und ab dem 21. Lebenstag sind sie selbständig und suchen sich einen eigenen Platz. In dieser Zeit ist die Verlustrate sehr hoch, da die Hamster noch unerfahren sind und sich ein eigenes Reich schaffen müssen. Mit zweieinhalb Monaten werden die kleinen bereits geschlechtsreif und können im Sommer, zur zweiten Paarungszeit, ihre ersten Jungen bekommen.

Wer neugierig geworden ist und noch ein wenig mehr über Hamster erfahren möchte, schaut einfach mal auf den Seiten von www.feldhamster.de rein.

juwel

Fotos: Klaus Bogon