Archivierte Artikel im Detail

 
Sie sind hier: Archiv / Artikel
Samstag, 19. Mai 2012
...

Schlechte Karten für Otti

Der Eurasische Fischotter

Ottis Personalien

Der Eurasische Fischotter

Art: Fischotter (Lutra lutra)
Gattung:Lutra
Ordnung: Raubtiere
Familie:Marder
Überfamilie: Hundeartige
Unterfamilie: Otter

Der niedliche Zeitgenosse ist leider nur höchst selten in freier Wildbahn anzutreffen, und so können wir ihn eigentlich nur in Tierparks oder Naturschutzeinrichtungen bestaunen.

Grund dafür ist, dass um die Jahrhundertwende allein in Deutschland bis zu 10 000 Otter jährlich getötet wurden –
einerseits, weil er als Fischdieb und somit Nahrungskonkurrent des Menschen galt, zum anderen, weil aus seinem wunderbar dichten Fell wärmende Kleidung gefertigt werden konnte. Heutzutage sind der zunehmende Straßenverkehr sowie Fischreusen seine größten Feinde.

Der Fischotter zählt zu den bedrohtesten Säugetierarten überhaupt und darf zum Glück in Deutschland seit 1968 nicht mehr gejagt werden. Engagierte Tierschutzorganisationen haben sich des Erhalts des Fischotters angenommen und versuchen, den Bestand zu vergrößern. Dies funktioniert natürlich nur, wenn „Otti“ wieder einen Lebensraum findet, in dem er sich „zu Hause“ fühlt und wo ihm der Sinn nach Familienplanung steht. Daher wird versucht, die natürliche Entwicklung der Gewässer (Uferbildung etc.) wieder anzukurbeln, um dem Fischotter vernünftige Lebensbedingungen zu schaffen.

Guten Tag, mein Name ist Otti

Wenn man ihn sich so anschaut, bekommt man doch sofort das Gefühl vermittelt, es mit einem unheimlich verspielten und klugen Kerlchen zu tun zu haben. Hat er doch immer dieses lustige Blitzen in seinen Kulleraugen, als würde er gleich zum nächsten Streich ausholen. Dem ist natürlich nicht immer so. Als reiner Fleischfresser ist er ein hervorragender Jäger, im Wasser sowie an Land.

Er ernährt sich von Fischen, Fröschen, Krebsen, Würmern, Mäusen oder Ratten, also eigentlich allem, was gerade seinen Weg kreuzt. Kleine und langsam schwimmende Fische werden natürlich bevorzugt sowie Amphibien zur Laichzeit oder Vögel zur Brutzeit. Wie wir sehen, ist sein Nahrungsspektrum so breit gefächert, dass er sich immer von dem bedienen kann, was gerade „leichte Beute“ ist.

Eine haarige Angelegenheit

Wir erblassen vor Neid, wenn wir hören, dass Otti 50 000 Haare pro qcm mit sich rumträgt (dem Menschen wachsen lediglich bis zu 200 Haare pro qcm). Somit hat der Fischotter das dichteste aller Felle der heimischen Säugetiere. Und damit sein Körper auch noch wunderbar gegen Kälte geschützt ist, bilden sich zwischen den Haaren einzelne Luftkammern, die das Wasser von der Hautoberfläche fernhalten.

Der Fischotter ist also ganz fantastisch an ein Leben im Wasser angepasst. Neben dem Nerz ist er das einzige Tier, welches zwischen allen fünf Zehen mit Schwimmhäuten ausgestattet ist und somit im Wasser richtig Tempo machen kann.

Junge Junge …

Ein ausgewachsener Otter wiegt etwa 7 bis 12 kg. Sein Körper misst eine Länge von 110 bis 130 cm, von denen ca. 40 cm allein auf den Schwanz entfallen.

Die kräftig ausgeprägten Barthaare, auch Vibrissen genannt, dienen ihm auch in trüben Gewässern zur Orientierung. Augen, Ohren und Nase sind so angeordnet, dass er seinen flachen Kopf nur minimal aus dem Wasser strecken muss, um eventuelle Feinde herannahen zu sehen.
Man kann dem Fischotter also mit Recht eine Luxus-Ausstattung attestieren.

Einzigartig – das Otter-Zentrum

Im Mai 1988 öffnete in Hankensbüttel (Niedersachsen) die in Europa einzigartige Naturschutzeinrichtung ihre Tore. Direkt am Isenhagener See gelegen mit einer Fläche von 60 000 qm Freigelände, verzichtet das Otter-Zentrum auf eine künstliche Gartengestaltung, sondern gibt den Besuchern (jährlich ca. 100 000) Einblicke in die Vielfältigkeit heimischer Lebensräume. Dort gibt es nicht nur Otter zu bestaunen, sondern auch seine nächsten Verwandten wie Dachs, Hermelin, Iltis und sogar Otter-Hunde, eine vom Aussterben bedrohte Hunderasse. Beste Voraussetzungen also für Kinder, dort spielerisch etwas über die unterschiedlichsten Tiere zu lernen. Ein weiteres Plus: Das über 3 km lange Wegenetz ist auch für Rollstuhlfahrer sehr gut passierbar. Gönnen Sie sich also einen Ausflug ins Otter-Zentrum: Sie werden überrascht sein, wie viel Spannendes und Ungewöhnliches es dort zu erfahren gibt. Außerdem werden jährlich bis zu 60 Sonderveranstaltungen geboten. Also nix wie hin!

Wenn Sie Genaueres über das Otter-Zentrum erfahren möchten, wenden Sie sich an:

Aktion Fischotterschutz e.V.
OTTER-ZENTRUM, 29386 Hankensbüttel
Telefon: (0 58 32) 98 08-0
Fax: (0 58 32) 98 08-51
www.otterzentrum.de

juwel

Fotos: Michael L. Baird, StealThisPicture (1), © Otter-Zentrum Hankensbüttel (3)