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„Pinselohr“auf leisen Sohlen
Der Luchs
Dass der Luchs auch einmal im deutschsprachigen Raum weit verbreitet war, kann sich heutzutage kaum mehr jemand vorstellen.
Ein Trost: Wiederansiedlungskampagnen wurden längst gestartet.
Einst war der Luchs (lat. Lynx lynx) – auch Nordluchs genannt – in ganz Europa weit verbreitet. Tragischerweise verfolgte man ihn in weiten Teilen Europas, so auch in Deutschland, wegen seines kostbaren Pelzes und weil man ihn als eine große Bedrohung empfand.
Wie dem Wolf und dem Bären stellte man dem Luchs erbittert nach und rottete ihn durch Blei, Schlageisen, Fallen und Gift aus. Tief saß die Furcht vor der „Bestie“ in den Köpfen der Menschen – und diese Furcht ist bis heute noch nicht ganz überwunden.
Mehr Luchse braucht das Land
Natürliche Luchsvorkommen gibt es in Europa heute noch in weiten Teilen Skandinaviens, im östlichen Polen, entlang des Karpatenbogens und in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Alle anderen derzeitigen Luchspopulationen sind auf Wiederansiedlungen zurückzuführen. So wurden z. B. in den Achtzigerjahren auf tschechischer Seite in einer offiziellen Aktion insgesamt 17 Tiere im Bereich des heutigen umava-Nationalparks freigelassen. Ausgehend von diesem Grundstock hat sich der Luchs seit Anfang der Neunzigerjahre in den grenznahen Hochlagen etabliert.
Jeder erwachsene Luchs durchstreift übrigens ein festes Revier, wobei die Gebiete der Männchen, in der Jägersprache auch Kuder genannt, fast doppelt so groß sind wie die der Weibchen. Im Durchschnitt kommt auf je 100 Quadratkilometer ein Luchs.
So siehts aus
das hochbeinige „Kätzchen“: Ohne Frage ist er ein schönes Tier, der Luchs. Kraftvoll. Geschmeidig. Aber dennoch zeichnen ihn drei recht „amüsante“ Merkmale aus: seine langen, großen Ohren, an deren Spitzen pinselartige Haarbüschel thronen. Es sind kleine Antennen, die es ihm ermöglichen, noch aus 65 Meter Entfernung eine Maus im Gras rascheln zu hören. Dann diese Riesenpfoten! Man denkt immer, sie wären ein Zeichen dafür, dass er noch wachsen würde, so wie es bei Hundewelpen der Fall ist. Doch hier gehören sie so. Auch die dichten Haarpolster am Rand und zwischen den Ballen haben einen Sinn: Sie verbreitern nicht nur die Sohlenfläche, sondern schützen die Pfoten auch gegen Schnee und Kälte und dienen perfekt als „Schneeschuhe“. Und nicht zu vergessen: sein auffallend kurzer Schwanz. Nun ja, die Natur wird sich dabei schon etwas gedacht haben
Das Leben kann hart sein
Die Paarungszeit des Luchses ist März/April und nach ca. 70 Tagen Tragzeit bringt die Kätzin zwei bis drei Junge zur Welt, die sie allein aufzieht. Nach zehn Monaten verlassen die Jungen ihre Mutter, bleiben aber für die nächsten Wochen noch im vertrauten Revier.
Statistiken zeigen, dass dies wohl die schwierigste Zeit im Leben eines Jung-Luchses ist. Von fünf geborenen Jungen überlebt nur eines bis zur Etablierung eines eigenen Reviers, wobei die häufigsten Todesursachen Krankheiten wie Katzenseuche oder Räude sowie Unfälle auf Straße, Schiene oder beim Beutemachen sind.
Nachts sind alle Katzen grau
Dass wir Menschen Luchse nur so selten sehen, liegt hauptsächlich daran, dass Luchse vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs sind.
Tagsüber schlafen sie oder betreiben ausgiebig Körperpflege. Der Luchs ist keineswegs scheu! Und da er häufig auf seine hervorragende Tarnung vertraut und nicht gleich flüchtet, kann es durchaus zu Begegnungen zwischen Luchs und Mensch kommen.
Sollten Sie also das seltene Glück haben, einen Luchs in freier Wildbahn zu sehen, dann gehen Sie nicht weiter auf das Tier zu, sondern bleiben Sie ruhig stehen oder setzen Sie sich hin. Der Luchs wird wahrscheinlich das Gleiche tun! Mehr wird kaum sein. Denn dass der etwa schäferhundgroße Luchs Menschen angreift, ist ein Irrglaube.
Ein weiterer ist, dass er nur kranke, schwache, junge und alte Tiere erbeutet. Es ist eher eine Frage von „vorsichtig oder nicht“: Denn eine unachtsame Beute, die hat der Luchs schnell, wachsame Tiere dagegen lassen ihn gar nicht so nah an sich heran, dass ein Angriff gelingen könnte. Der Luchs ist schließlich ein Lauerjäger. Daher sind Spürsinn und Geduld seine Stärke und der Überraschungsangriff seine Taktik. Zum Beutespektrum des Luchses gehören Mäuse ebenso wie Hirsche, Füchse, kleinere Katzen, Marder und Huftiere.
Da die Anwesenheit des Luchses die Interessen gleich mehrerer gesellschaftlicher Gruppen und Verbände berührt, z. B. der Jäger, Förster und Landwirte, und bei jedem dieser Vertreter unterschiedlichste Reaktionen auslöst, ist anzunehmen, dass die Wiederansiedlungsversuche des Luchses noch lange Stoff für heiße Diskussionen liefern werden.
chris





