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Samstag, 19. Mai 2012
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Nicht nur zur Weihnachtszeit

Einblicke in die Welt des Rentiers

Wenn wir ans Rentier denken, denken wir zugleich an Schnee, klirrende Kälte und natürlich den Schlitten samt Glockengeläut von Santa Claus. Dass die zähen Burschen aber auch das ganze Jahr hindurch sehr vielseitige und geschickte Vierbeiner sind, ist hierzulande wohl den wenigsten bewusst. Zunächst aber sollte etwas klargestellt werden. Wer nämlich glaubt, die Pluralform des Rentiers sei Rentiere, unterliegt leider einem Irrtum. Man spricht hier von „Rens“, „Renen“ und „Renern“, wobei letztere die gebräuchlichste Form ist.

Von allem etwas...

Rener gehören der Familie der Hirsche an. Sie gelten als Symbol Nordskandinaviens und sind im Norden Europas, Nordamerikas und Asiens verbreitet. In Europa leben heute drei wilde Unterarten:

Das Fjellren ist die eigentliche Wildform, die im Hochgebirge Südnorwegens zu finden ist. Das wilde Waldren ist leider nur noch in Finnland anzutreffen. In Schweden ist es bereits ausgestorben. Ein großer Vorteil ist seine Langbeinigkeit, die es ihm ermöglicht, sich schnell im Tiefschnee fortzubewegen, um somit seinen Hauptfeinden, den Wölfen, zu entfliehen. Die letzte wilde Rentierart ist das Svalbardren, welches sich auf der Inselgruppe Svalbard, Spitzbergen, niedergelassen hat. Es ist kleiner und kompakter als seine Verwandten.

Eine gezähmte Art ist, wie der Name schon verrät, das Zahmren. Es lebt hauptsächlich in Norwegen und ist wahrscheinlich eine Mischung aus Fjellren und schwedischem bzw. finnischem Waldren. Das Zahmren lebt frei im Herdenverband und wird lediglich einmal jährlich zusammengetrieben, um den Nachwuchs zu markieren und Tiere auszusondern, die geschlachtet werden sollen.

Leben unter erschwerten Bedingungen

Das Rentier ist hart im Nehmen – das belegt allein schon sein Lebensraum. Anstatt die Idylle grüner Wiesen und Wälder zu genießen, setzt es  sich den langen schneereichen Wintern der Tundra aus. Zwei Drittel des Jahres verschwindet dort die Erde unter einer Schneedecke, was die Futtersuche erheblich erschwert.

Damit das Tier unter diesen Extrembedingungen leben kann, ist es von Mutter Natur mit ein paar Luxusartikeln ausgestattet worden. Ein besonders dickes Fell lässt es Temperaturen bis minus 50 °C ertragen. Die Haare sind dreimal so dicht wie bei anderen Tieren, so dass es in der Eiseskälte nicht einmal seinen Stoffwechsel beschleunigen muss, um nicht zu frieren. Zusätzlich kann es die Temperatur in den Beinen regulieren, was dem Wärmeverlust der Organe entgegenwirkt.

Die durchschnittliche Größe beträgt etwa 140 cm Schulterhöhe mit ca. 150 kg Körpergewicht. In Ausnahmefällen kann ein ausgewachsener Rentierbulle aber auch mal bis 250 kg wiegen. Bei den Renen tragen männliche und weibliche Tiere ein Geweih. Dies ist so unterschiedlich gewachsen, dass es keine Tiere mit identischem Geweih gibt. Das Rentier ist übrigens ein sehr genügsamer Esser. Es ernährt sich von Flechten, Gräsern, Blättern, Pilzen und Beeren.

Und wo lebt es im Sommer?

In den grünen Sommermonaten findet das Rentier zwar die beste Nahrung, jedoch lauern dort auch eine Vielzahl an Mücken und Bremsen, die bereits ab 7 °C aktiv werden und dadurch die schönste Jahreszeit zunichte machen können. Das im Gegensatz zum Winterfell sehr dünnhaarige Sommerkleid bietet den Insekten eine wunderbare Angriffsfläche. So kann es vorkommen, dass ein Rentier an einem einzigen Tag bis zu einem Viertelliter Blut verlieren kann und nach sehr insektenreichen Sommern unter Blutarmut leidet. Daher versucht das Rentier diesen Plagegeistern aus dem Weg zu gehen, indem es an windstillen Tagen auf höher gelegene Schnee- und Gletscherflächen flüchtet.

Mit Rudolph war das so ...

Zu guter Letzt wollen wir ein paar Worte über den wohl berühmtesten Vertreter dieser Hirschart verlieren: Rudolph nämlich. Alle Jahre wieder rief Santa Claus seine acht fleißigen Rener zusammen, die auch in diesem Jahr gewissenhaft den großen Schlitten ziehen sollten. Sie hießen: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder und Blitz. Tja und dann war da noch Rudolph mit der knallroten Nase. Kein anderes Rentier mochte ihn und wollte mit ihm spielen. Seine rote Nase schien ihnen suspekt, weshalb sie ihn hänselten. Bis zu dem Tag, als Santa Claus eine wunderbare Idee hatte. Er spannte Rudolph als erstes Tier ganz nach vorn an den Schlitten, denn mit Hilfe seiner glühenden Nase konnte er nun den anderen den Weg durch die Nacht leuchten. Von diesem Moment an wurde Rudolph von den anderen Tieren akzeptiert und geachtet. Niemand machte sich länger über ihn lustig.

Rudolphs Personalien

Art:
Rangifer tarandus
Gattung: Rentier (Rangifer)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Ordnung: Paarhufer
Unterordnung: Wiederkäuer
Unterfamilie: Trughirsche

Weihnachten aus Rudolphs Sicht:

Das Rentier
Der Weihnachtsmann ist noch nicht wach,
er schnarcht ganz friedlich in den Tag.
Da schrillt der Wecker, da schreit die Kuh,
die Rener scharren und schnaufen dazu.
Der Weihnachtsmann springt aus dem Bett,
weil er beinah verschlafen hätt.
Er ruft seine Rener, denn schnell muss er weg,
nur eines rührt sich gar nicht vom Fleck.
Er schimpft: „Nun mach schon, gleich geht es ab,
weil ich für die Kinder Geschenke hab!“
Da schaut das Rentier ganz trüb in die Welt,
als ob ihm das alles so gar nicht gefällt.
Der Weihnachtsmann schimpft:
„Verstehst du mich nicht?“
Da spricht es ganz leise:
„Und was kriege ich?“
(Verfasser unbekannt)

Wer neugierig geworden ist und mehr zu diesem Thema wissen möchte, schaut am besten auf der Internetseite http://de.wikipedia.org/wiki/Ren vorbei.

juwel

Fotos: mcm-Archiv, www.wild-golz.de, Postkarte ca. 1900