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Samstag, 19. Mai 2012
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Mein lieber Schwan!

Es heißt, der Schwan stimme kurz vor seinem Tod einen herzzerreißenden Gesang an, einen Schwanengesang eben. Aber bereits zu seinen Lebzeiten rührt er den Menschen – und das seit tausenden von Jahren.

Schönheit und Anmut sind seit jeher eine zuverlässige Quelle der Inspiration, und so wundert es nicht, dass sich der Schwan, symbolisch betrachtet, als wahres Multitalent präsentiert. Dichter und Denker haben seine märchenhafte Erscheinung schon früh mit zahllosen Bedeutungen belegt, die durchweg positiv gefärbt sind.

In der christlichen Kirche symbolisiert der Schwan laut einer Legende Martin Luther. 1415 soll der Vorreformator Jan Huus am Tag seiner Hinrichtung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, doch in 100 Jahren wird ein Schwan auferstehen.“ Tatsächlich folgte Luthers Thesenanschlag rund 100 Jahre später. So sieht man heutzutage noch in lutherischen Gemeinden einen Schwan anstelle eines Wetterhahns die Kirchturmspitze zieren. Zugleich steht der Schwan in der europäischen Mythologie für die Vollendung und Reifung. Dass er auch als Inbegriff der Reinheit gilt, wundert wohl kaum.

Von Schwänen und Menschen

Die Hobby-Astrologen unter uns wissen, dass der Schwan ein auffälliges Sternbild ist. Es erscheint im Sommer- und Herbsthimmel und wird als Nördliches Kreuz bezeichnet. Bereits Ptolemäus beschrieb in der antiken griechischen Astronomie 48 Sternbilder, zu denen auch das Bild des Schwans zählte. Sogar der Gott Zeus schlüpfte einst in die Gestalt eines Schwanes, um sich seiner Liebe Leda, Gemahlin des spartanischen Königs Tyndareos, zu nähern.

Auch heute noch läuft bzw. schwimmt uns der Schwan vielfach über den Weg. So liest man in den Geburtsanzeigen immer mal wieder den Namen „Swantje“. Dieser stammt aus dem Friesischen und bedeutet frei übersetzt „kleiner Schwan“. Ebenso geläufig ist die Redewendung „Mir schwant etwas“ – aber woraus leitet sie sich ab? Ganz einfach: Früher wurden den Schwänen hellseherische Fähigkeiten nachgesagt. Daher schwant es uns, wenn wir etwas ahnen.

Nüchtern betrachtet

Schwäne gehören der Unterfamilie der Gänse an, die wiederum aus der Familie der Entenvögel stammen. Von denen unterscheiden sie sich durch ihre langen Hälse, die es ihnen ermöglichen, in einer Wassertiefe von einem Meter zu gründeln, also nach Nahrung zu suchen. Bevorzugt werden Sumpf- und Wasserpflanzen gefressen; an Land stehen aber auch Insekten, Schnecken und Muscheln auf ihrem Speiseplan.

Ihre Körpergröße macht sie zu den größten und schwersten Wasservögeln, mit einer Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Metern und einem Gewicht von bis zu zweiundzwanzig Kilogramm. Die Mehrzahl ihrer „Pfunde“ sind allerdings durchtrainiert. An den Flügeln ist die Muskulatur sogar derart stark ausgeprägt, dass sie auf einem Flug rund tausend Kilometer zurücklegen können, um ihre Brutgebiete auf der Nordhalbkugel zu erreichen. Lediglich beim Start könnte man sie mit einem Flugzeug vergleichen, da sie einen „Anlauf“ von fast 100 Metern benötigen, um in die Lüfte zu entschweben.

Hier gibt’s keine Grauzone

Schwäne zeigen sich meistens im weißen Gewand oder tragen eine Mischung aus schwarzen und weißen Federn am Körper, wovon sie schätzungsweise 25 000 Stück besitzen. Rein weiße Schwäne können jedoch schwarze Flügelspitzen haben. Die einzige schwarze Schwanenart heißt, wie sollte es anders sein, Trauerschwan. Er hat weiße Flügelspitzen und einen rot gefärbten Schnabel.

Bei den Schwänen sehen sich, anders als bei Enten, die männlichen und weiblichen Tiere sehr ähnlich. Die Jungtiere werden gemeinsam von beiden Elternteilen großgezogen und verbringen knapp fünf Monate zusammen, bis sie in die Selbstständigkeit entlassen werden. Man schätzt ihre Lebenserwartung auf 20 bis 50 Jahre.


Liebe macht blind

Den Beweis hierfür hat ein Schwan aus Münster erbracht, der seit längerer Zeit bereits über beide Flügel verliebt ist – allerdings in ein schwanen­förmiges Tretboot. Gleichwohl kennt die Schwär­­merei keine Grenzen, weshalb Tier und Boot auch ihr Winterquartier teilen. Schade nur, dass dem Paar kein Nachwuchs vergönnt sein wird – was der legendären Monogamie dieser Tiere aber nicht im Weg stehen muss.

Wer’s genau wissen will

Klasse: Vögel
Unterklasse: Neukiefervögel
Ordnung: Gänsevögel
Familie: Entenvögel
Unterfamilie: Gänse
Tribus: Schwäne
Wissenschaftlicher Name: Cygnini
Gattungen: Coscorobaschwäne, Echte Schwäne


juwel