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Samstag, 19. Mai 2012
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Kein komischer Vogel

Die Lachmöwe

Larus ridibundus … so lautet ihr wissenschaftlicher Name, welcher jedoch problemlos einer von Harry Potters Zaubersprüchen sein könnte. Mit Harrys „wutschen und wedeln“ hat die Lachmöwe allerdings weniger am Hut, und wenn sie ihre Artgenossen ruft, klingt es aus ihrem Schnabel nicht wie Gelächter, sondern wie ein kurzes, knappes „kik“.
Woher hat sie also ihren humorvollen Namen? Ganz einfach: Sie brütet gern an flachen Gewässern namens (Wasser-)Lachen.

Bekannt wie ein bunter Hund

Die Möwe mit der schwarzen Maske ist wahrscheinlich der verbreitetste Küstenvogel überhaupt. Ihre Gattung ist mit 38 Arten weltweit vertreten und fehlt lediglich in der Antarktis. Im Wattenmeer brüten zurzeit geschätzte 130 000 Paare, womit die Lachmöwe dort der häufigste Brutvogel ist. Zwischen 1965 und 1990 hat sich ihr Bestand dort verzehnfacht. Sobald der Winter näher rückt, zieht ein Großteil von ihnen jedoch wärmere Gefilde in Richtung Südwesten vor. Nur ca. 40 000 Lachmöwen überwintern in unseren Breitengraden.

Klein, aber oho

Die Lachmöwe ist mit bis zu 38 cm die kleinste und mit einem Gewicht zwischen 200 und 400 g auch eine der leichtesten. Ihre Flügelspannweite erreicht eine maximale Länge von 105 cm. Das Gefieder ist oberseitig hellgrau und läuft zu den Spitzen schwarz aus. Schnabel und Beine sind rötlich gefärbt. Männchen und Weibchen tragen ungewöhnlicherweise dasselbe Federkleid, was in der Tierwelt eher selten vorkommt.

Ganz erstaunlich! Die älteste bekannte Lachmöwe kam aus Holland und wurde sage und schreibe 30 Jahre alt!

Larus „flexibelibus“

Unser eigentlicher Meeresküstenbewohner ist über die Jahre hinweg ziemlich flexibel geworden. Nicht nur was den Lebensraum angeht, sondern auch den Speiseplan. Sie lebt in Sümpfen, an Teichen, Seen, Häfen sowie an Stränden und Märkten, ja sogar von stinkenden Müllkippen ist sie nicht mehr wegzudenken. Dabei scheint sie sich – wahrscheinlich wegen des üppigen Nahrungsangebotes – sehr gern in der Nähe des Menschen aufzuhalten.

Es werden schon lange nicht nur Fische verdrückt, sondern eigentlich alles, was ihren Hunger stillen kann. Sogar Schnecken, Käfer, Libellen und Aas sind ihr willkommen. Gerne suchen Lachmöwen auch auf Feldern Nahrung und folgen dem Pflug –
wie Krähen auf der Suche nach Insekten, Würmern und sogar Mäusen. Feinschmecker wäre wohl das falsche Wort für unsere „Luftpiraten“, für die der Beuteraub bei anderen Vögeln ebenfalls eine wichtige Nahrungsquelle ist.

Die Fortpflanzung

Die Lachmöwe befindet sich von April bis Juli in der Brutzeit. Während sie im Winter einen weißen Kopfschmuck mit einem schwarzen Fleck hinter dem Auge trägt, so kleidet sie im Sommer eine schwarze Maske. Gebrütet wird in großen Kolonien, die sich stets in der Nähe von Gewässern befinden. Das Weibchen legt meist drei olivbraune Eier mit schwarzen Flecken in das aus Pflanzenteilen gefertigte Nest. Die Möweneltern wärmen nun zu gleichen Teilen 22 bis 25 Tage ihre Eier, bis die Kleinen schlüpfen. Nach vier bis sechs Wochen sind die Jungvögel flügge, womit die größte Hürde aber noch vor ihnen liegt, denn die Sterblichkeit ist direkt nach dem Ausfliegen am größten.

Flügge Jungvögel haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa vier Jahren, jedoch sterben 50 % im Alter von zweieinhalb Jahren. Die schwarze Gesichtsmaske bekommen die Jungvögel das erste Mal mit drei Jahren und erhalten damit den Zutritt zu den Brutkolonien, in die ausschließlich Vögel mit dieser Kennzeichnung hineingelassen werden. Häufig brüten die Lachmöwen in ihren Kolonien zusammen mit Seeschwalben. Obwohl die Möwen eigentlich zu den Nesträubern gehören, können sich die Schwalben während der Brutzeit auf den Schutz der aufmerksamen Schwarzköpfe verlassen.

Die Möwe und das Buch …

„Es war Morgen und die Sonne flimmerte golden über dem Wellengekräusel der stillen See. Von einem Fischerboot, eine Meile von der Küste, wurden die Netze ausgeworfen. Blitzschnell verbreitete sich die Nachricht in der Luft und lockte einen Schwarm Seemöwen an. Tausende flitzten hin und her und balgten sich kreischend um ein paar Brocken. Ein neuer Tag voller Geschäftigkeit hatte begonnen …“

Dies ist nur ein kleiner Auszug des Buch-Klassikers „Die Möwe Jonathan“ von Richard Bach, erschienen im Ullstein-Taschenbuchverlag.

Es richtet sich an diejenigen Menschen, die verstanden haben, dass man aus Überzeugung und mit Willensstärke vieles im Leben bewirken kann. Wer neugierig geworden ist, sollte sich dieses lesenswerte Buch nicht entgehen lassen.

juwel

Fotos: mein coop magazin (3)