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Samstag, 19. Mai 2012
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Frettchen – die Kobolde unter den Mardern

Das Frettchen

Frettchen gelten als die „domestizierte“ Form des Iltis und sind äußerst liebe und sehr verspielte Geschöpfe. Obwohl sie den Menschen sehr freundlich gesonnen sind, brauchen sie zum Glücklichsein unbedingt einen Artgenossen. Aber auch sonst ist einiges zu beachten, damit Frettchen ein artgerechtes Dasein führen können.

Die Vorfahren der Frettchen (lat. mustela putorius furo) sind die Iltisse, und genau wie sie waren Frettchen anfangs besonders gut zur Jagd geeignet. Bereits zur Zeit des römischen Kaisers Augustus war das Frettchen als Helfer bei der Kaninchenjagd bekannt: Beim so genannten „Frettieren“ wurden zahme Frettchen in die Kaninchenbauten geschickt. Vom intensiven Mardergeruch verschreckt flüchteten die Kaninchen meist schnell aus ihren Verstecken und wurden am Ausgang der Löcher von den Jägern abgefangen.

Nachfahre des Iltis

Heute werden Frettchen meistens aus reiner Liebhaberei gehalten. Denn diese kleinen, flinken Tiere verblüffen immer wieder durch ihre Intelligenz, und wenn man sie beim Spielen und Umhertollen beobachtet, kann man leicht vergessen, dass man es letztendlich mit einem Raubtier zu tun hat, dessen natürliches Beutetierspektrum weitestgehend dem einer Katze entspricht.

Durch die Züchtungen sind Frettchen längst nicht mehr ganz so aktiv und leistungsstark wie der Iltis – um genau zu sein: Frettchen sind mittlerweile etwas plumper und tollpatschiger als ihre Vorfahren und könnten deshalb ohne menschliche Hilfe in der Wildnis auch nicht überleben. Der Zucht ist es ebenfalls zuzuschreiben, dass Frettchen keine Einzelgänger mehr sind, sondern dringend die Gesellschaft von Artgenossen brauchen.

Über Fähen und Rüden

Zur Verwandtschaft der Frettchen gehören Baummarder, Steinmarder, Großwiesel, Mauswiesel, Nerze, Stinktiere, Otter und Dachse. Diese Verwandtschaft lässt sich auch leicht vom Aussehen her ablesen: Frettchen haben einen kurzen Kopf mit einer abgerundeten Schnauze, kurze abgerundete Ohren, einen langen Hals und einen schlanken und lang gestreckten Leib. Die Beine sind kräftig, aber „etwas kurz geraten“. Frettchenrüden werden in der Regel zwischen 35 und 46 cm lang (plus Schwanz!), die Weibchen, die „Fähen“, meist nur halb so groß.

Frettchen können sehr gut hören und riechen, dafür jedoch nicht so gut sehen. Ihre Tasthaare helfen ihnen aber, sich bei Dunkelheit zu orientieren. Da die Schweißdrüsen der Frettchen – genau wie beim Hund – nicht gut entwickelt sind, können sie auch nicht richtig schwitzen. Im Sommer ist es daher wichtig, dass immer ein schattiges Plätzchen zu finden ist und ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Eine „kleine“ Besonderheit der Frettchen kann zu ganz schön großem Ärger führen: sie besitzen nämlich – wie alle Marder – die „berühmt-berüchtigte“ Stinkdrüse. Diese Drüse wird für das Revier- und Kampfverhalten benötigt, und wenn dem Frettchen etwas Schmerz bereitet, Angst einflößt oder es sich aufregt, dann verbreitet es mit Hilfe dieser Drüse einen ziemlich penetranten Geruch. Laut § 6.1 des Tierschutzgesetzes ist es allerdings strengstens verboten, diese Drüse entfernen zu lassen! Frettchenhalter und ihre Mitbewohner sowie Nachbarn müssen deshalb ein gehöriges Maß an Geruchsbelästigung ertragen können –
und sehr tolerant sein …

Hauptsache: Spaß

Frettchen sind kleine Kobolde! Nichts ist vor ihnen sicher, kein Papierkorb, kein offener Schrank, keine Schublade, kein Tisch. Bevor Frettchen ihren täglich notwendigen Freilauf in der Wohnung bekommen, müssen Frauchen und Herrchen unbedingt darauf achten, dass alles Erdenkliche vorher ge- und verschlossen wird. Frettchen wollen eben Spaß haben, spielen, toben, klettern und sich verstecken. Dahinter steckt kein böser Gedanke.

Wer seine Frettchen richtig glücklich machen möchte, der bietet ihnen außerdem ein schattiges Außengehege mit separater Toilette. Hier werden sich die Frettchen sehr viel wohler fühlen als in einer Wohnung. Als „Toilette“ eignet sich übrigens ein Katzenklo hervorragend.

Frettchen stehen unter (Hormon-)Druck

Und noch etwas, was Sie vor der Anschaffung eines Frettchens unbedingt wissen müssen: Frettchen sind gesellige Tiere und möchten wenigstens mit einem Artgenossen ihr Zuhause teilen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn im Unterschied zu den meisten anderen Tierarten ist für Frettchen die regelmäßige Fortpflanzung ein unbedingtes Muss! Fähen geraten in eine so genannte „Dauerranz“, wenn sie nicht trächtig werden. Diese Dauerranz ist die Folge einer durch das Ausbleiben der Trächtigkeit verursachten Störung des Hormonhaushalts und endet ohne tiermedizinische Gegenmaßnahmen meist tödlich. Erfahrene Frettchenhalter berichten des Weiteren auch immer wieder von erheblichen Verhaltensstörungen bei Rüden, die nicht regelmäßig decken können.

Als Vorbeugemaßnahme wird sowohl für Fähen als auch für Rüden die Kastration empfohlen. Diese ist mit dem geltenden Tierschutzgesetz aber nur bedingt vereinbar. § 6 Tierschutzgesetz erlaubt die Kastration nur zur Verhinderung unkontrollierter Nachzucht und bei tiermedizinischer Indikation. Hier liegt also das größte zu beachtende „Problem“ in der Haltung von Frettchen. Wer aber bereit ist, der Natur ihren Willen zu lassen und für eine artgerechte Haltung sorgt, wird an seinen glücklichen, gesunden Frettchen viel Freude haben!

Weitere Infos finden Sie unter
www.frettchen4you.de

chris

Fotos: Dwaarsloeper